American Horror Story 4x09

American Horror Story 4x09

Das Tupperware Party Massacre in der neuen Episode von American Horror Story und andere Handlungsbögen lassen die Serie in ihrer vierten Staffel vollends zur Groteske werden. Doch das ist mitnichten böse gemeint: Wenn schon crazy, dann bitte super crazy!

American Horror Story: Blutbad / (c) FX
American Horror Story: Blutbad / (c) FX
© (c) FX

Schon lange ist aus der American Horror Story der wahre Schrecken gewichen. Er wurde allmählich mit grotesken, vollkommen überzeichneten Figuren und Handlungsbögen ersetzt. Bis jetzt konnte ich mich dafür nur stellenweise begeistern, weil es keinen echten Zusammenhang, keinen Drang, keine Stringenz der einzelnen Erzählstränge gab. All das gibt es auch in Tupperware Party Massacre nicht. Dafür lassen Ryan Murphy und Brad Falchuk (Autor dieser Episode) nun jede Zurückhaltung fahren und umarmen das wahnsinnige Herz ihrer Freak Show voller Inbrunst.

You are my savior

Dandy Mott (Finn Wittrock) bezahlt zu Beginn eine horrende Summe an die angebliche Wahrsagerin Maggie (Emma Roberts), damit die ihn in seinem übergeschnappten Ansinnen bestätigt, fortan als Gott unter den Menschen zu wandeln. Diese Rolle nimmt er sofort ohne jede Zurückhaltung ein. Zunächst widmet er sich dem völlig besoffenen, bei seiner neuen Ersatzmama Ima (Chrissy Metz) Zuflucht und körperliche Genugtuung suchenden Jimmy (Evan Peters): „I'm going to destroy you and everything you love.“ („Ich werde dich zerstören und alles, was du liebst.“)

In diesem Tempo geht es denn auch weiter, obwohl Dandy vorerst das Interesse an Jimmy verliert. Lieber widmet er sich der titelgebenden „Tupperware Party“, wo sein Rivale kurz zuvor noch einen Zusammenbruch erlitten hat. Die versammelten Hausfrauen lassen den Mörder jedenfalls ohne böse Hintergedanken in ihren Klatschkreis - und zahlen dafür allesamt mit dem Tod und einem nachfolgenden Bad im blutgefüllten Swimmingpool der Gastgeberfamilie. Dandy wird indes von Regina (Gabourey Sidibe) aufgesucht, die immer noch nach ihrer Mutter sucht. Dieses Mal gibt der Psychopath ganz offen zu, dass er Dora ermordet und im Garten vergraben hat. Zu Beginn der Episode hat er sich übrigens aus Köpfen und Körper der Frau Mutter und einer Vertreterin für Kosmetikprodukte seine ganz eigene Bette/Dot-Puppe gebastelt.

Wider Erwarten und mit einer fadenscheinigen Begründung lässt Dandy seine ehemalige Spielkameradin schließlich laufen. Als sie mit einem Polizisten wiederkehrt, deklariert er erneut seine Wiedergeburt als Gott unter den Menschen, bevor er dem Ermittler eine Million Dollar anbietet, wenn der Regina an Ort und Stelle erschießt. Der korrupte Cop zögert keine Sekunde und ermordet Regina. Später wird er mit seinen Kollegen zur Freak Show fahren und dort Jimmy für die Morde an den namenlosen Hausfrauen verhaften. Das alles ist unheimlich übertrieben geschrieben und inszeniert, gefällt mir aber genau deswegen besser als die bisherigen Episoden, eben weil sich niemand im Kreativteam wirklich noch um erzählerische Kohärenz oder andere dramaturgische Notwendigkeiten schert. American Horror Story bleibt eine Ansammlung von grotesken Szenen und Erzählversatzstücken - wenn es so abgedreht vorgetragen wird wie hier, macht es aber (zumindest mir) Spaß.

Während Dandy sich also mittlerweile wirklich wie ein Gott vorkommen kann, erträumt Stanley (Denis O'Hare) eine Fabel von einem Gott in Weiß, den er angeblich kennt und für die Trennung von Bette und Dot (beide Sarah Paulson) herbeigeordert zu haben vorgibt. Von Stanley und Elsa (Jessica Lange) ermutigt, will sich Dot unbedingt der vorgelogenen Operation unterziehen, Bette hält sie jedoch mit einer herzergreifenden (manche mögen sagen: kitschigen) Rede davon ab. Nun wollen sich die Zwillinge lieber eine gemeinsame Zukunft mit Jimmy aufbauen - was aber erstens daran scheitert, dass Jimmy in jemand anderes (Maggie) verliebt ist, und zweitens von der Polizei des Mordes bezichtigt wird.

Let me take your pain away

In einem weiteren wahrhaft schaurigen Handlungsbogen offeriert Stanley dem Strongman Dell (Michael Chiklis) seinen (riesigen, verformten?) Penis, bevor sich der starke Mann überlegt, dass es vielleicht das Beste wäre, er würde nicht mehr leben. Wie schon zuvor Jimmy erscheint nun auch ihm die verstorbene Ethel (Kathy Bates). Sie trichtert ihm ein, dass er nie stark gewesen sei und sich deshalb den Strick nehmen solle.

Dell gehorcht, wird aber in letzter Sekunde von Desiree (Angela Bassett) gerettet. Sie wurde zuvor Zeuge des aufkommenden Zickenkrieges zwischen Maggie und Ima um die Gunst von Jimmy. Außerdem bekommt sie Besuch von Theo Huxtable (Malcolm-Jamal Warner), der aber nur diesen einen Auftritt bekommt und danach wieder verschwindet.

Trotz beinahe völliger Abwesenheit eines nachvollziehbaren Handlungsrahmens und konsistenter Charaktermotivationen hatte ich viel Spaß mit Tupperware Party Massacre. Wenn American Horror Story so bunt, laut und abgefahren ist wie in dieser Episode, kann ich dem Format wieder mehr abgewinnen, weil es auf übliche dramaturgische Konventionen pfeift und einfach macht, was den Serienschöpfern gerade an neuem groteskem Material einfällt. Ein Problem bleibt dabei bestehen: Mit einem solchen Herangehen schafft man es höchstens, ein paar Episoden zu füllen. Für mehr braucht man eine halbwegs kohärente Geschichte. Nach der sucht man in dieser vierten Staffel bisher vergebens. Das heißt aber nicht, dass man sich daran nicht trotzdem erfreuen kann.

Trailer zur nächsten Episode (4x10)

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 11. Dezember 2014
Episode
Staffel 4, Episode 9
(American Horror Story 4x09)
Deutscher Titel der Episode
Das Tupper-Party-Massaker
Titel der Episode im Original
Tupperware Party Massacre
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 10. Dezember 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 4. Februar 2015
Autor
Brad Falchuk
Regisseur
Loni Peristere

Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x09

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