American Horror Story 4x08

Der bodycount in dieser neuen Episode von American Horror Story ist ungewöhnlich hoch, und da sich meine Vorhersage, wonach dank Edward Mordrake nun alle Gestorbenen als Geister durch die Serie schwirren würden, nicht bewahrheitete, bleibt uns wohl das gleiche Schicksal wie in der dritten Staffel erspart. Die Toten bleiben tot. Umso erstaunlicher ist es, dass sich in Blood Bath gleich mehrere zentrale Figuren aus der Geschichte verabschieden.
I was born of deadly sin
Leider konnten all diese Todesfälle bei mir keine echten Emotionen wecken. Vielleicht ist das einer der Nachteile des Anthologieformats. Auch die Größe des Ensembles ist dafür eher hinderlich. Wenn eine Figur in acht Episoden nur wenige Szenen bekommt und wir auch nicht viel über ihre Hintergründe oder ihre Beziehung zu anderen Charakteren erfahren, fällt es schwer, eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Obwohl die gewaltsamen Tode also überraschend kommen, hält sich die Trauer darüber (bei mir) doch sehr in Grenzen. Vielleicht haben andere Zuschauer ja mehr mitgefiebert.
Zu Beginn weint sich Gloria Mott (Frances Conroy) bei ihrem Therapeuten über die gescheiterte Erziehung ihres Sohnes Dandy (Finn Wittrock) aus. Der Psychiater, dessen Gesicht in der Episode nicht zu sehen ist, rät ihr dazu, Dandy zu einer Therapie zu überreden. Da sie jedoch genau weiß, dass ihr schwer empathiegestörter Sohn daran unter keinen Umständen teilnehmen würde, verpackt sie den Vorschlag in eine Lüge. Dandy solle den Arzt zwecks eines Intelligenztests aufsuchen.
Er durchschaut das Manöver schnell und nutzt den Betrug seiner Mutter aus, um ihr eine Bedingung zu stellen: Sie solle Regina (Gabourey Sidibe) umbringen, die sich wegen des Verbleibs ihrer (von Dandy getöteten) Mutter Dora nicht länger abwimmeln lässt. Als sich Gloria weigert, ihm diesen horrenden Wunsch zu erfüllen, erschießt er sie kurzerhand mit seinem goldenen Revolver. Wenngleich diese Szene für einen echten Schockmoment sorgt, hielt sich mein Mitleid für Gloria doch in sehr engen Grenzen. Schließlich war sie es, die Dandy zu diesem menschlichen Monster machte. Gut möglich, dass Regina ebenfalls so stirbt.
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Im Camp der Freak Show herrscht indes Trauer um die von Dell Toledo (Michael Chiklis) ermordete Ma Petite. Ethel (Kathy Bates) hält jedoch Elsas (Jessica Lange) exaltiertes Lamento für reines Schauspiel. Bei der anschließenden Konfrontation zwischen den beiden erfährt Ethel erstmals, dass Elsa auf Holzbeinen unterwegs ist. Mit einer Rückschau in die eigene Vergangenheit (Danny Huston bekommt darin einen Kurzauftritt) versucht Elsa, ihre zu allem entschlossene Widersacherin zu besänftigen. Schließlich muss sie jedoch selbst tödliche Gewalt anwenden, um sich Ethel zu entledigen.
No one's innocent anymore
Gemeinsam mit Stanley (Denis O'Hare) lässt sie den Tod wie einen Selbstmord aussehen. Der Trauerfeier für Ethel bleibt sie indes fern, um sich einer neuen Rekrutin für die Freak Show zu widmen. In einem Sanatorium in Miami spürt sie Barbara (Chrissy Metz) auf, die sie später in „Ima Wiggles“ umtauft, eine Hommage an die legendäre Freak-Show-Darstellerin Ima Waddler. Ima soll die neue Attraktion der Show werden und wird von Elsa dafür schon einmal präventiv gemästet. Jimmy (Evan Peters) nimmt seiner Chefin indes übel, dass sie seiner Mutter nicht das letzte Geleit gegeben hat, beschränkt sich aber fortan darauf, sein Leid im Alkohol zu ertränken. Maggie (Emma Roberts) macht sich große Sorgen um ihren Freund, bewirkt damit aber nur, dass er sich auch von ihr abwendet.
Trotzdem fällt ihr noch einmal eine wichtige Rolle zu, denn sie hält ihre rachelüstigen Kolleginnen davon ab, Pollys (Grace Gummer) Vater Vince (Lee Tergesen) auf möglichst brutale Art umzubringen. Zu dem Zeitpunkt hat ihn die Gruppe um Desiree (Angela Bassett) schon geteert und gefedert, er soll stellvertretend für alle gewalttätigen Männer und Väter der Welt büßen. Dank Maggies energischen Einsatzes kommt er jedoch mit dem Leben davon. Warum sich Maggie aber gerade für diesen Mistkerl so einsetzt, wurde mir nicht ersichtlich.
Weil Charaktermotivationen wie diese in der vierten Staffel von American Horror Story bisweilen einfach so vom Himmel fallen, schafft es die Serie nicht, mehr als ein Pastiche von Horrortropen zu sein. Eine vermeintlich schockierende Szene wird an die nächste gereiht, echten Zusammenhang sucht man vergebens. Das alles ist wegen einer gelungenen technischen Umsetzung und starken schauspielerischen Leistungen schön anzusehen, verharrt aber größtenteils in der Kategorie „Nett, aber belanglos“. In dieser Episode musste ich gar mehrmals lauthals auflachen, mittlerweile dient diese Serie eher dem Amüsement denn echtem, mitreißendem Drama. Eigentlich schade, denn das Potential für wahren Horror wäre durchaus vorhanden.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 4. Dezember 2014(American Horror Story 4x08)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x08
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