American Horror Story 4x07

American Horror Story 4x07

American Horror Story wandert in dramaturgischer Hinsicht weiterhin ziellos umher, kann in Test of Strength aber wenigstens mit einem starken Charaktermoment aufwarten. Ansonsten werden hier viele sehr gute Schauspieler von einem Varietéstück zum nächsten getrieben.

Stanley (Denis O'Hare, r.) scheint unbesorgt zu sein, dass Dell (Michael Chiklis) mit einem riesigen Hammer bewaffnet ist. / (c) FX
Stanley (Denis O'Hare, r.) scheint unbesorgt zu sein, dass Dell (Michael Chiklis) mit einem riesigen Hammer bewaffnet ist. / (c) FX

Nun, da die Hälfte der vierten Staffel von American Horror Story gelaufen ist, können wir uns wohl von der Hoffnung verabschieden, dass die Serie noch einen mitreißenden Plot aufspannt. Vielleicht ist diese Erkenntnis ja auch der erste Schritt, dem Format wieder mehr abgewinnen zu können. Schließlich sagt Ethel (Kathy Bates) in einer Szene explizit, dass man alle Hoffnung fahren lassen müsse, wolle man ein Leben frei von Verblendung führen.

You're stuck on the rosy notion that the world operates on goodness

Es gibt in dieser Serie mitunter viel Gutes, an dem man sich erfreuen kann - vorausgesetzt, man verabschiedet sich von dem Anspruch, eine komplexe Geschichte erzählt zu bekommen. Ich hatte es in einer Review schon einmal geschrieben, hier lässt es sich wiederholen: Diese neue Staffel ist ein Spiegelbild der darin im Mittelpunkt stehenden Freak Show, die ja auch nur eine Showeinlage an die nächste reiht und keine übergreifende Handlung aufbaut. Überdies kehrt in Test of Strength nun endlich ein bisschen Horror in die Serie zurück, nachdem der sich größtenteils verabschiedet hatte.

Die emotional stärkste Szene ereignet sich indes zwischen Jimmy (Evan Peters) und Dell (Michael Chiklis). Letztgenannter wird von Stanley (Denis O'Hare) erpresst, weil der ihn zuvor in einer Schwulenbar entdeckt hatte. Nun soll Dell einen Freak - egal welchen - töten und zu ihm bringen, damit er diesen ans Museum weiterverkaufen kann. Dells erster Versuch, die Amazone umzubringen, scheitert kläglich. Hier stellt sich die Frage, warum er sich ausgerechnet den größten und stärksten Freak ausgesucht hat und nicht gleich zur kleinen Ma Petite (Jyoti Amge) gegangen ist.

Weil diese Entscheidung aber dazu führt, dass er und Jimmy sich gemeinsam betrinken und ihre Vater-Sohn-Beziehung besprechen, dürfen wir großzügig über den zweifelhaften Vorgang hinwegsehen. Zunächst sieht es danach aus, als würde Dell den einzigen Problemlösungsansatz einsetzen, den er kennt, seine Widersacher nämlich einfach zu töten. Dann kommt ihm Jimmy aber mit der flehenden Bitte zuvor, doch endlich seine Vaterschaft anzuerkennen und ihm zumindest ein rudimentäres Gefühl von Geborgenheit zuzugestehen - ein zutiefst ehrlicher, emotionaler Moment, wie wir ihn in dieser Staffel noch nicht gesehen haben.

Die übrigen Verwicklungen dieser Episode laufen nach dem gleichen Muster ab, das wir in dieser Staffel schon so oft gesehen haben: Freunde hintergehen sich und werden zu Feinden, neue Allianzen werden geschlossen, um zu einem späteren Zeitpunkt sicherlich wieder gebrochen zu werden, und eigentlich familiär Verbundene misshandeln sich gegenseitig auf höchst grausame Weise.

We are in this together

Zu Beginn gelingt es Jimmy, Bette und Dot (Sarah Paulson) aus dem goldenen Käfig der Familie Mott zu befreien. Er will daraufhin Elsas (Jessica Lange) Verrat auffliegen lassen. Sie bekommt jedoch unerwartete Rückendeckung der siamesischen Zwillinge, weil die beiden sich davon Erpressungspotential versprechen. Bette will nun als Comedienne auftreten und fordert für ihr Stillschweigen einen hohen Prozentsatz der Einnahmen. Dot intrigiert derweil gegen die eigene Schwester - nun ist sie es, die sich von Bette trennen lassen will.

Elsa verbündet sich vordergründig mit Dot, schmiedet aber selbst schon sinistre Rachepläne. Sie gibt Stanley zu verstehen, dass sie keinerlei Problem damit habe, wenn die Zwillinge plötzlich als Ausstellungsstück im Museum auftauchten. Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich die Freaks also wieder einmal im Krieg aller gegen alle. Das ist bisweilen nett anzusehen, weil sämtliche zentrale Rollen glänzend besetzt sind. Dramaturgisch ist diese Konstellation aber verheerend, weil es keinen echten Spannungsaufbau gibt, was wiederum verhindert, dass man als Zuschauer in die Geschichte eintauchen kann.

Für ein wenig Horror sorgt indes der Handlungsstrang um die plötzlich in die Geschichte zurückgekehrte Penny (Grace Gummer), die von ihrem Vater (Lee Tergesen) aufs Übelste misshandelt wird, weil sie deklariert, zu ihrer großen Liebe Paul (Mat Fraser) in den Zirkus ziehen zu wollen. Der Vater engagiert daraufhin einen Tattoo- und Piercingkünstler, der sich ohne Weiteres dazu bereit erklärt, Penny aufs Grausamste zu verunstalten. Auch diese Sequenz ist ein gutes Beispiel dafür, was in American Horror Story seit Längerem schiefläuft: Viel Pomp, wenig Substanz.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 21. November 2014
Episode
Staffel 4, Episode 7
(American Horror Story 4x07)
Deutscher Titel der Episode
Kräftemessen
Titel der Episode im Original
Test of Strength
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 19. November 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 21. Januar 2015
Autor
Crystal Liu
Regisseur
Anthony Hemingway

Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x07

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