American Horror Story 3x10

American Horror Story 3x10

Auch nach der Winterpause findet American Horror Story: Coven keinen roten Faden für seine dramaturgische Ausrichtung. Stattdessen tauchen weitere Charaktere auf, deren Nutzen für die Geschichte überschaubar bleibt.

Die Junghexen sind wieder unterwegs: Zoe (Taissa Farmiga), Nan (Jamie Brewer) und Madison (Emma Roberts). / (c) FX
Die Junghexen sind wieder unterwegs: Zoe (Taissa Farmiga), Nan (Jamie Brewer) und Madison (Emma Roberts). / (c) FX

Mit The Magical Delights of Stevie Nicks kehrt American Horror Story aus der Winterpause zurück. Wie der Titel der Episode verrät, wird die von Misty Day (Lily Rabe) so verehrte ehemalige Frontfrau von Fleetwood Mac darin einen Gastauftritt absolvieren. Wer gehofft hat, dass diese Gastrolle mit einem der vielen wild umherwirbelnden Handlungsbögen verbunden wird, der wird enttäuscht. Die Serie krankt weiterhin daran, keine dramaturgische Orientierung zu haben. Es gibt kein übergreifendes Erzählkonzept.

I made a deal forged in hell

Momentan hat es vielmehr den Anschein, als würden sich die Autoren um Serienschöpfer Brad Falchuk und Ryan Murphy mit verrückten Wendungen gegenseitig überbieten wollen. Zu Beginn der dritten Staffel konnten wir noch davon ausgehen, dass es am Ende auf einen Showdown zwischen den Hexen aus Miss Robichaux's Academy und den Voodookünstlerinnen aus Marie Laveaus (Angela Bassett) Friseursalon hinauslaufen würde. Leider wurde diese Möglichkeit nach dem Waffenstillstand zwischen Laveau und Fiona Goode (Jessica Lange) erst einmal zu den Akten gelegt. Wer weiß - vielleicht graben die Autoren das Kriegsbeil in den verbleibenden drei Episoden ja noch einmal aus?

Stevie Nicks bei ihrer Privatvorstellung für den Hexenzirkel. © FX
Stevie Nicks bei ihrer Privatvorstellung für den Hexenzirkel. © FX

Im Vordergrund steht nun der Kampf des Hexenzirkels gegen seine Häscher vom Delphi Trust, deren Vorsitzender Harrison Renard (Michael Cristofer) seinerseits nach Wegen sucht, um den Hexen ein für alle Mal den Garaus zu machen. Dabei könnte sich Renard eigentlich gemütlich zurücklehnen und zuschauen, wie sich die Hexen gegenseitig zerfleischen. Bei ihnen ist nämlich ein offener Streit um die Vorherrschaft im Zirkel und die Machtergreifung der neuen Supreme ausgebrochen. Dabei wurde bis jetzt noch nicht wirklich herausgearbeitet, worin überhaupt die Motivation der jungen Hexen liegt, diesen Thron besteigen zu wollen.

Lediglich Zoe Benson (Taissa Farmiga) kann sich der allgemeinen Machtlüsternheit entziehen, was ihre Figur in die unglückliche Lage bringt, nichts mehr wirklich zu tun zu haben. Sie darf nur noch Nan (Jamie Brewer) auf deren Rachefeldzug gegen Joan Ramsey (Patti LuPone) begleiten und ansonsten darauf warten, bis FrankenKyle (Evan Peters) für die Geschichte wieder wichtig wird. So ziellos wie ihr Handlungsbogen in dieser Episode fühlt sich die gesamte Ausrichtung der neuen Staffel an.

Die Beibehaltung des zu Beginn noch erfrischend unkonventionellen (optischen) Erzählstils fordert nun in den späteren Episoden ihren Tribut. American Horror Story sieht immer noch fantastisch aus, das überwiegend weibliche Ensemble liefert weiterhin tolle Darbietungen ab, Sound und Optik marschieren im Gleichschritt vorwärts. Unter all dem leidet jedoch die Stringenz des Handlungsfortgangs. Anstatt eine Geschichte zu Ende zu erzählen, werden an allen Ecken und Enden neue dramaturgische Feuer entzündet, die es in der Folge zu löschen gilt.

I give you my soul

So wie sich der Gastauftritt von Stevie Nicks wie ein hektisch ins Drehbuch geschriebenes Fanschmankerl anfühlt, so kommt auch die neue Figur des Papa Legba (Lance Reddick) daher. Wir erfahren, dass Marie Laveau ihm ihr ewiges Leben zu verdanken hat, indem sie ihre Seele an ihn vermacht hat. Seitdem kehrt er einmal im Jahr zu ihr zurück und stellt immer absurdere Forderungen, die sie umstandslos zu erfüllen hat. Entgegen ihrer Warnungen will nun auch Fiona vom Quell des ewigen Lebens trinken - koste es, was es wolle.

Ohne langes Zögern geht Fiona (Jessica Lange) einen Pakt mit dem Teufel ein. © FX
Ohne langes Zögern geht Fiona (Jessica Lange) einen Pakt mit dem Teufel ein. © FX

Der mittels qualitativ hochwertigem Kokain Herbeibeschworene taucht eines Nachts tatsächlich bei Fiona auf und nennt seinen Preis für das Geschenk des ewigen Lebens. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Fiona diesen Preis nicht begleichen kann, weil sie keine Seele hat. Dies fällt mir etwas schwer zu glauben, wurde Fiona doch bisher stets als Hexe porträtiert, die ihre Allmacht zwar rücksichtslos ausnutzt, in schwachen Momenten jedoch auch über ihre eigenen Verfehlungen kontempliert.

Wozu ist die Papa-Legba-Figur also in die Geschichte eingeführt worden? Offensichtlich nicht, um die bestehende Story voranzutreiben, sondern vielmehr, um einen weiteren abgefahrenen Charakter in die Erzählung einzuführen. So wird American Horror Story immer mehr zu einem Schaufenster für die krassesten Ideen und verrücktesten Einfälle der Autoren. Das alles geht jedoch auf Kosten einer interessanten Dramaturgie und liefert eher substanzlose Schauwerte als wahrlich gruselige Handlungsbögen.

Erneut stellt sich also die Frage, wo der „Horror“ in American Horror Story geblieben ist. Wir sehen eine Aneinanderreihung an willkürlich gewählten Handlungsabschnitten, die zwar irgendwie mit der bisherigen Charakterisierung der einzelnen Figuren zusammenpassen, einen übergreifenden Spannungsbogen jedoch vermissen lassen.

Everything's transactional

All dieser Kritik sei entgegengestellt, dass es immer noch Spaß macht, den Figuren bei ihren Schlachtzügen gegeneinander zuzuschauen. Madison (Emma Roberts) hat sich immer noch nicht von ihrem Anspruch auf die Supreme-Nachfolge verabschiedet und schmiedet ein Komplott gegen Misty Day, die wegen ihrer Fähigkeit zur Wiederbelebung der Toten in der letzten Episode als wahrscheinlichste Anwärterin auf den Supreme-Thron auserkoren wurde.

In einer wunderbar choreographierten Sequenz unterbreitet die hintertriebenste aller Junghexen ihrer ärgsten Konkurrentin die eigene zutiefst zynische Weltsicht. Dann demonstriert sie eindrucksvoll, dass sie über die gleichen Fähigkeiten verfügt wie Misty und lässt einen unbescholtenen Toten wiederauferstehen (nebenbei sehen wir einen traditionellen New-Orleans-Trauermarsch, wie man ihn in Treme mehrmals bestaunen konnte). Sie sorgt dafür, dass Misty bei lebendigem Leibe vergraben wird, was uns nicht zu sehr schockieren sollte, können wir uns doch sicher sein, dass irgendjemand Misty aus ihrem Betongefängnis befreien wird - wenn nicht sogar sie sich selbst.

Da fangen die Probleme von American Horror Story dann schon wieder an: Wir Zuschauer können uns nie sicher sein, ob ein toter Charakter wieder in die Serie zurückkehrt (außer, er wird eingeäschert). Dies raubt der Seriendramaturgie einen großen Teil ihrer Verbindlichkeit, was momentan durch diverse Gegenüberstellungen und die Einführung neuer Charaktere nicht aufgefangen werden kann.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 9. Januar 2014
Episode
Staffel 3, Episode 10
(American Horror Story 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Die magischen Freuden von Stevie Nicks
Titel der Episode im Original
The Magical Delights of Stevie Nicks
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 8. Januar 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 5. Februar 2014
Autor
James Wong
Regisseur
Alfonso Gomez-Rejon

Schauspieler in der Episode American Horror Story 3x10

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