American Horror Story 3x08

American Horror Story 3x08

Wird in der vierten Staffel von American Horror Story jemals ein Charakter wirklich sterben? Die neue Episode raubt der Serie beinahe gänzlich den Schwung, den Neukonzeption und Verjüngung zu Beginn brachten. Momentan dreht sich die Geschichte nur noch im Kreis.

Hexen beim Hexen: Die Anti-Fiona-Allianz tagt. / (c) FX
Hexen beim Hexen: Die Anti-Fiona-Allianz tagt. / (c) FX

War is coming.“ Queenies (Gabourey Sidibe) Prophezeiung zu Beginn der Episode verrät uns Zuschauern nichts Neues und lässt gleichzeitig die Frage aufkommen, wann der Krieg denn jetzt wohl endlich beginnen möge. Schließlich wissen wir schon seit der ersten Episode, worauf die Geschichte hinauslaufen wird. Doch kurz bevor die neue Staffel auf die Zielgerade einbiegt, scheint ihr der Stoff für die halbwegs unterhaltsame Überbrückung einer Füllepisode ausgegangen zu sein.

I'm not scared of dying. I'm scared of living like this.

Bis auf die Erkenntnis, dass Unsterbliche selbst dann nicht ins Totenreich übertreten, nachdem ihnen der Kopf abgetrennt wurde, bringt uns The Sacred Taking nämlich keinerlei neue Erkenntnisse. Im Gegenteil: Die Episode wiederholt Szenarien, die wir nun schon mehrmals bezeugen durften. Mittlerweile kommt es mir so vor, als wären mehr Mitglieder des Ensembles wieder ins Leben zurückgeholt worden als nicht. Selbst wenn die Figuren sterben und nicht von Misty Day (Lily Rabe) oder einem Zauberspruch zurückgeholt werden, bleiben sie der Geschichte als Geister erhalten - siehe Spalding (Denis O'Hare) oder den Axeman (Danny Huston).

Queenie (Gabourey Sidibe) beim erneuten Beweis ihrer bad ass-igkeit. © FX
Queenie (Gabourey Sidibe) beim erneuten Beweis ihrer bad ass-igkeit. © FX

Ich hatte es schon in vorhergehenden Reviews bemängelt, deshalb will ich nun nicht mehr allzu detailliert darauf eingehen. Doch beraubt sich die Dramaturgie der Serie durch die ständige Möglichkeit der Wiederauferstehung ihrer ursprünglichen Dramatik. Ich bin beinahe an dem Punkt angekommen, an dem ich mir wünsche, dass dieses Element gar nicht erst in die Erzählung eingeführt worden wäre. Wenn man nämlich kurz darüber nachdenkt, welche positiven Aspekte dieser Kniff in die Geschichte gebracht hat, lautet die schonungslose Antwort schnell: keine.

Sämtliche Charaktere und Konflikte stehen immer noch da, wo sie zu Beginn der Staffel schon standen - ausgenommen vielleicht die Tatsache, dass Queenie die Seiten gewechselt hat (was wiederum dadurch abgeschwächt wird, dass sie sich als Voodookünstlerin im Hexenzirkel nie richtig wohlgefühlt hatte). Wenn nun in einer Episode auch noch weitgehend auf die knalligen Effekte verzichtet wird, breitet sich schnell Langeweile aus. Was für Drehbuchautor und Serienschöpfer Ryan Murphy aber noch viel schwerer wiegen dürfte: Die Episode offenbart, dass es der neuen Staffel von American Horror Story immer offensichtlicher an erzählerischer Substanz fehlt.

Zu Beginn sehen wir Queenie, wie sie in den düstersten Ecken New Orleans herumstreunert und nach einem potentiellen Opfer sucht. Als Zoe (Taissa Farmiga) und Madison (Emma Roberts) sie konfrontieren, hält sie ihr Vorhaben nicht lange geheim: Sie ist auf der Suche nach einem frischen menschlichen Herz für ihre neue Mentorin: „Marie Laveau needs a dark heart. And I'm gonna give it to her.“ Wofür Laveau das Herz braucht, wird nicht erwähnt, ist aber auch wahrlich nicht wichtig.

Surprise, bitch

Fiona (Jessica Lange) leidet unterdessen in steigendem Maße unter ihrer Krebserkrankung und findet nur noch bei ihrem Liebhaber tröstende Worte. Ihre eigene Tochter Cordelia (Sarah Paulson) hat nur Verachtung für sie übrig: „Do me a favor: die before Thanksgiving.“ Um ihre verhasste Mutter endgültig loszuwerden, praktiziert sie gemeinsam mit ihren Hexeneleven, der sich auf der Flucht befindenden Misty Day und der wiederauferstandenen Myrtle Snow (Frances Conroy), das sogenannte sacred taking, eine Zeremonie, die in der Geschichte der Menschheit erst dreimal durchgeführt wurde. „It allows the ascension of the new Supreme.

Madison (Emma Roberts) und Zoe (Taissa Farmiga) in da hood; bitches! © FX
Madison (Emma Roberts) und Zoe (Taissa Farmiga) in da hood; bitches! © FX

Die selten zurückhaltende Madison konstatiert als erste, dass die ganze Zeremonie Humbug sei und schwerere Geschosse aufgefahren werden müssten. Also entfachen die Hexen - im Speziellen die von Fiona getöteten Madison und Myrtle - einen Psychokrieg gegen Fiona, an dessen Ende sie tatsächlich eine Überdosis Schlaftabletten zu sich nimmt und scheinbar friedlich auf dem Bett in den Tod entschlummert. Doch haben die Nachwuchshexen nicht mit dem Geist von Spalding gerechnet, der seit Zoes Mord an ihm als Gespenst durch Miss Robichaux's spukt.

Spalding hatte schon in der letzten Episode seine Sprache wiedergefunden. Dem Zuschauer können die Ereignisse dieser Episode da schon längst nicht mehr die Sprache verschlagen, schließlich dürfte keiner damit gerechnet haben, dass sich Fiona tatsächlich schon in der achten Episode verabschiedet. Das vermeintliche Rätsel um den maskierten Schützen, der erst Misty Day und dann die unheimlichen Nachbarn angreift, schafft ebenso wenig Abhilfe. Der aufmerksame Zuschauer erkennt darin sofort Cordelias Ehemann Hank (Josh Hamilton). Gäääähn!

Fazit

Vieles an The Sacred Taking war einfach zu vorhersehbar, zu offensichtlich, zu oft schon gesehen. Madisons Wiederauferstehung konnte mich noch begeistern, für Fionas habe ich nur noch ein müdes Schulterzucken übrig. Nun ist wahrlich fast jeder Charakter in irgendeiner Form ins Leben zurückgeholt worden. Bald sollte mit dem echten Sterben begonnen werden.

Die Fantasielosigkeit der Autoren ist vielleicht auch der Entscheidung geschuldet, die Geschichte in einer solch hermetisch abgeschlossenen Welt stattfinden zu lassen. Darin herrscht wenig Konfliktpotential. Die Hexen können sich entweder untereinander zerfleischen (was sie tun oder zumindest versuchen) oder sie können sich ebenbürtige Gegenspieler suchen (was sie auch tun).

Hank Foxx ist zwar kein Gegner mit übermächtigen Kräften und würde so in eine dritte Kategorie gehören. Dies wird jedoch dadurch wieder aufgehoben, dass Hank von Marie Laveau angestellt ist und außer der Erledigung seines Auftrags kein wirkliches Interesse an der Vernichtung des Hexenzirkels hat.

In The Sacred Taking offenbaren sich die Schwächen dieser neuen Staffel von American Horror Story. Eine ganze Reihe profilierter Darstellerinnen, einige Jungstars und viele bunte Effekte sind noch nicht genug, um eine Geschichte jederzeit spannend weiterzuerzählen. Fairerweise sollte dabei jedoch auch erwähnt werden, dass diese neue Episode die erste war, die qualitativ aus der bisherigen Reihe ausgeschert ist. Noch verzeihen wir gerne.

Trailer zu „American Horror Story“ (3x09):

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 5. Dezember 2013

American Horror Story 3x08 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 8
(American Horror Story 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Das Heilige Opfer
Titel der Episode im Original
The Sacred Taking
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 4. Dezember 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 22. Januar 2014
Autor
Ryan Murphy
Regisseur
Alfonso Gomez-Rejon

Schauspieler in der Episode American Horror Story 3x08

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