American Horror Story 3x06

Im New Orleans des Jahres 1919 treibt ein grausamer Serienmörder sein Unwesen, der Axeman (Danny Huston). Er nennt sich nicht nur so, weil er mit einer Axt tötet, sondern auch, weil er das Saxophon spielt, das man in der amerikanischen Umgangssprache auch „Axe“ nennt - Treme-Zuschauer wissen mehr. Seinen nächsten Mord kündigt er per Zeitungsartikel an. Davor sei nur sicher, wer in seinem Haus zu einer bestimmten Uhrzeit angemessene Jazzmusik laufen lasse.
We are on the verge of our greatest victory
Die Bewohnerinnen und Nachwuchshexen von Miss Robichaux's wollen sich dem Terror des Axtmörders jedoch nicht länger unterwerfen. Nach einer Brandrede ihrer Anführerin und selbsternannten Suffragette Lily (Grace Gummer) beschließen sie, ihn mittels Opernarien zu sich zu locken und ihre übernatürlichen Kräfte einzusetzen, um seinem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Der Plan geht überraschend einfach auf, wenngleich die Autoren sich keine besonders kreative Ermordung ausgedacht haben. Aber hey, Messer tun's auch! Vor allem, wenn man sich zuvor in Sekundenbruchteilen durch einen Raum teleportieren kann.

Zum Problem wird der Axeman erst wieder, als die zum absoluten Badass aufgestiegene Zoe Benson (Taissa Farmiga) beschließt, den Geist des Ermordeten heraufzubeschwören, um mit seiner Hilfe ihre liebste Feindin Madison (Emma Roberts) wiederzufinden. Dass es dafür auch einfachere Wege hätte geben können, will ich an dieser Stelle gar nicht weiter ausführen, denn die Aufzählung einzelner Unplausibilitäten macht in dieser Serie, die so offensichtlich keinen Wert auf logische Stringenz legt, wenig Sinn.
Nach kurzem Durchstöbern einer zufällig aufgefunden Kiste merkt Zoe jedenfalls richtigerweise an, dass sich die Zahl der Hexenschülerinnen in den letzten 94 Jahren massiv - und vor allem kontinuierlich - reduziert habe. Deshalb hat sie es sich also in den Kopf gesetzt, unbedingt Madison oder ihre Leiche aufzufinden, schließlich müsse das Hexensterben ein Ende haben. Der arme FrankenKyle (Evan Peters) würde sich über soviel Interesse und Zuneigung überaus freuen, doch Madison hat jetzt wichtigere Dinge zu erledigen - nichts weniger nämlich als das Überleben der Abkömmlinge von Salem.
Was Zoe zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Das Hexensterben hat sehr irdische Ursachen. Im größten WTF-Moment dieser Woche finden wir heraus, dass der mysteriöse Hank (Josh Hamilton) von Marie Laveau (Angela Bassett) vor sechs Jahren damit beauftragt wurde, Miss Robichaux's Academy zu unterwandern und die Junghexen eine nach der anderen zu eliminieren. Der professionelle Hexenjäger hatte bisher eine beeindruckende Erfolgsgeschichte vorzuweisen: „Nine Salem descendants in just three years.“ Laveau lassen diese Zahlen - eine der Opfer war übrigens Kaylee (Alexandra Breckenridge) - trotzdem kalt. Sie fordert die endgültige Auslöschung des Hexenzirkels: „You bring me their heads. All of them. Then you burn that place to the ground.“
You're supposed to be ridding me of my enemies
Wie wunderbar Bassett in dieser Szene spielt! In ihrem Charakter kulminieren in diesem Moment mehrere Elemente, die auch als Beschreibung der bisherigen Ausrichtung der dritten Staffel herhalten können: Hochmut, Arroganz, grandios exaltierte Affektiertheit. Dies ist zwar nicht die erste Episode, in der das Spiel der Darstellerin diese Attribute verdient, jedoch wurde sie bisher immer noch von Jessica Langes Performance übertroffen. Dies kehrt sich in The Axeman Cometh zum ersten Mal in sein Gegenteil um, vor allem, weil Langes Figur Fiona Goode in der letzten Episode eine Art Katharsis erlebt.

Daraufhin beschließt sie, sich doch der Chemotherapie zu unterziehen, um ihrer nach dem Säureanschlag (der offensichtlich nicht auf Laveaus Konto geht) erblindeten Tochter Cordelia (Sarah Paulson) zur Seite stehen zu können. Sowohl Mutter als auch Tochter entwickeln nach den lebensverändernden Ereignissen der unmittelbaren Vergangenheit neue Fähigkeiten. Fiona kann nach Gabe eines Sedativums plötzlich die Gedanken ihrer Mitmenschen hören. Cordelia erlebt Flashbacks zu vergangenen Handlungen derjenigen Person, die sie gerade berührt. So erfährt sie auch, dass Hank mehrfach fremdgegangen ist. Konsequenterweise wirft sie ihn daraufhin aus ihrem Zuhause, Fiona weiß: „It's the greatest gift they have. And the hardest one to live with.“
Der bislang noch unsichtbare Geist des Axeman führt Zoe unterdessen auf die Spur von Madisons verrottender Leiche. Nachdem jegliche Foltermaßnahmen gescheitert sind, aus Über-Creep Spalding (Denis O'Hare) die wahre Identität von Madisons Mörder herauszukitzeln, konsultiert Zoe den größten lebenden Stevie-Nicks-Fan Misty Day (Lily Rabe). Die ist in ihrem Gemüse- und Leichengarten gerade damit beschäftigt, Myrtle Snow (Frances Conroy) halbwegs wiederherzustellen, als FrankenKyle auf eine kurze Stippvisite vorbeischaut - vermutlich nicht, um sich waschen zu lassen. Nachdem Kyle sein Muttertrauma dadurch ausgelebt hat, dass er beinahe Mistys gesamte Inneneinrichtung zerstört, wird er kurzerhand zu Miss Robichaux's befördert und dort angekettet.
Während des Wiederbelebungsprozesses der sehr ansehnlichen Leiche von Madison erfahren wir dann, dass die Toten in unterschiedlichem Gütegrad unter die Lebenden zurückgeholt werden können. Obwohl Madison viel länger vor sich hinrottete als Kyle, geht es ihr nach der Auferstehung deutlich besser. Ob es daran liegt, dass ihr lediglich ein Arm fehlte und sie nicht aus diversen menschlichen Extremitäten zusammengebaut wurde? Jedenfalls erlebt sie ein sehr sehenswertes Comeback - und ist auch gleich wieder die Alte: „I need a cigarette.“
There's nothing on the other side. Just black. Forever.
Diese tragikomischen Momente schafft American Horror Story momentan wie keine zweite Serie, wenngleich der Vergleichspool auch nicht besonders groß ist. Das Grotesk-Absurde wird mit dem Voyeuristisch-Morbiden so geschickt verwoben, dass man als Zuschauer gar keine andere Wahl hat, als es entweder zu lieben - oder eben zu hassen.

In der Serie treffen trashige Horrorelemente auf ein bisweilen grandioses Drehbuch, das solche Volten liefert wie diejenige, in der der stumme Spalding gefoltert wird, wir als Zuschauer seine Gedanken hören und die gedankenlesende Nan (Jamie Brewer) die abgekürzte Version ausspricht.
Diese einzigartig krude Mischung aus Hippie-, Horror- und Trashreferenzen wird wie in bisher jeder Episode von einer ebenso wilden technischen Umsetzung begleitet. Die Kamera scheint sich eigenständig zu machen, der Soundtrack treibt und liefert den obligatorischen Stevie-Nicks-Song ab. Für alle, die es noch nicht wussten: Die legendäre Sängerin von Fleetwood Mac wird übrigens in eine der kommenden Episoden einen Gastauftritt absolvieren! Wie cool will diese Serie eigentlich noch werden?
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 14. November 2013(American Horror Story 3x06)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 3x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?