Nach Netflix steigt nun auch Amazon in die Serienproduktion ein und präsentiert mit Zombieland die Quasi-Fortsetzung des beliebten Kinofilms. Wie ist die Umsetzung gelungen? Review des Serienpiloten.

Izabela Vidovic, Kirk Ward, Maiara Walsh und Tyler Ross im „Zombieland“-Piloten Foto (c) Amazon Studios/Sony Pictures Television
Izabela Vidovic, Kirk Ward, Maiara Walsh und Tyler Ross im „Zombieland“-Piloten Foto (c) Amazon Studios/Sony Pictures Television

Amazon Studios steigt in die Serienproduktion ein. Doch man wählt dabei einen anderen Weg als die Networks oder etwa Netflix. Zunächst werden den Zuschauern eine Reihe von Serienpiloten vorgestellt, über deren Zukunft sie dann aktiv per Rezensionen mitbestimmen können „48016“. Ein Stück Demokratie in der Seriengestaltung also.

Zombieland ist einer dieser Piloten und fungiert als Quasi-Fortsetzung des gleichnamigen Kinofilms. Zwar werden im Kern die gleichen Figuren in den Mittelpunkt gerückt, an einigen Stellen aber weicht der Pilot von der im Film vorgestellten Handlung ab.

Die Hauptrollen in dem Serienpiloten zu „Zombieland“ spielen Tyler Ross (Columbus), Maiara Walsh (Wichita), Kirk Ward (Tallahassee) und Izabela Vidovic (Little Rock), die also die Nachfolger von Jesse Eisenberg, Emma Stone, Woody Harrelson und Abigail Breslin aus dem Film von 2009 sind.

Da mit einer Serienumsetzung auch meist eine Budgetreduzierung einher geht - es heißt, dass Amazon pro Pilot eine Millionen Dollar investiert -, sollte man die Erwartungen von vornherein ein wenig herunterschrauben. Was nicht bedeuten soll, dass mit einem schmalen Budget nicht auch beeindruckende oder erinnerungswürdige Werke umgesetzt werden können (man denke nur an „Clerks“, „El Mariachi“, „District 9“ oder viele andere). „Zombieland“ selbst hat damals auch nur schlappe 23,6 Millionen Dollar gekostet, und das Endresultat ist bekanntlich eine der vergnüglichsten Zombie-Komödien, die es gibt. Das limitierte Budget sieht man dem Zombieland-Piloten auch in den Effect-Shots (gerade bei der Einführung von Tallahassee) stellenweise an. Was jedoch nicht sonderlich schlimm ist, ein gewisser Trash-Faktor gehört zur Thematik einfach dazu. Aber worum geht es eigentlich in Zombieland?

Kurzinhalt „Zombieland“

Das Figuren-Quartett, bestehend aus Columbus (Tyler Ross), seiner Freundin (oder vielleicht nicht mehr Freundin) Wichita (Maiara Walsh), ihrer kleinen Schwester Little Rock (Izabela Vidovic) und dem Gruppenältesten Tallahassee (Kirk Ward), hat erkannt, dass man während einer Zombie-Epidemie vor allem gemeinsam stark ist, und steift seither gemeinschaftlich durch die zombieüberfluteten USA. Ihr Ziel ist es nun, anderen verlorenen Seelen zu helfen, die Gruppe zu vergrößern und im Endeffekt die Zivilisation wieder aufzubauen. Ihre Namen basieren dabei auf den jeweiligen Orten, aus denen sie stammen. Das soll dabei helfen, im schlimmsten Fall nicht eine zu tiefe Bindung mit einer Person aufzubauen. Unterstützt werden sie durch Detroit (Kendra Fountain), die durch das OnStar-System des Autos (Kommunikation läuft also über Wireless und GPS - ob das noch funktionieren würde?) sozusagen als Navigationssystem dient. Sie zeigt der Gruppe den Aufenthaltsort von versprengten Überlebenden auf, die es meist allein geschafft haben, irgendwie zu überleben. Leider erweist sich die Gruppe stets als Pechmagnet: Immer wenn man einen Überlebenden entdeckt, kommt ein Zombie aus dem Nichts, wirft sich rennend gegen das potenzielle neue Gruppenmitglied und reißt es in den Tod. Oder aber ein marodes Haus tut sein übriges. Oder der Zahn der Zeit. So bleiben die Versuche der Gruppe vorerst fruchtlos. Wie sagt Regel 33 der Zombieland-überlebens-Regeln so schön? „Keep Hope Alive!“ Am Ende der Pilotepisode soll es also nach Detroit gehen - vielleicht gibt es dort mehr zu holen als in Los Angeles, wo es die Gruppe es bislang versucht hat.

Zombiekill of the Week

Zunächst einmal ist es interessant „Zombieland“ in dem Format zu sehen, in dem es eigentlich zunächst geplant war. Ursprünglich sollte es keinen Film, sondern tatsächlich eine Serie werden. Der deutlichste Hinweis ist der „Zombiekill of the Week“, der es schon in den Film geschafft hat und den es wohl regelmäßig bei einer Serienbestellung durch Amazon zu sehen geben würde.

Während man auf den Regisseur des Films und die bekannten Schauspieler verzichten muss, sind zumindest die Autoren Rhett Reese und Paul Wernick auch bei der Serienversion von Zombieland mit an Bord, was zunächst positiv zu bewerten ist. Fans erkennen neben dem Zombiekill der Woche auch andere Elemente aus dem Film, etwa Twinkies, Columbus' Überlebensregeln, die von Cardio-Training, über Hoffnungwahren bis hin zu Ziploc-Beuteln einige nützliche Tipps enthalten, wie man in so einer Situation tatsächlich überleben kann und sich ebenfalls hervorragend für ein serielles Format wie dieses eignen. Man sollte nur darauf achten, dass die Gimmicks nicht zu viel werden. Der Vagina-Counter beispielsweise überstrapziert den eigentlichen Witz schon fast, wird dann aber durch einige nette Outtakes noch einmal gerettet.

Ansonsten bietet die Episode ein Auf und- Ab, was gute und witzige Einfälle angeht. Der Einstieg bringt den Zuschauern etwas Backstory darüber, wo Tallahassee zu Beginn die Zombie-Epidemie war, und zeigt ihn als Essenslieferburschen für zwei verwöhnte Büro-Hengste mit einer ellenlangen Liste von „First World Problems“. Während sich der Mann darüber beschwert, dass niemand seinen Nachnamen richtig mitbekommt, sein morgendlicher Latte mit echter Milch zubereitet wurde, obwohl er laktoseintolerant sei, und die Gurke nicht auf sein Sandwich gehört, steppt hinter ihnen bereits der Bär und die Zivilisation, wie wir sie kennen, endet von ihnen unbemerkt. Die beiden Bonzen werden also dahingerafft und gleichzeitig schlägt Tallahassees große Stunde.

Der Einstieg macht auf jeden Fall neugierig, doch die Spannungskurve fluktuiert während der ersten halben Stunde bisweilen auch etwas. Auch ist abzusehen, dass es wohl genau drei Rettungsaktionen geben muss, die schiefgehen, bis die Taktik und die Herangehensweise der Gruppe verändert wird. Aber wir wollen mit einem Serienpiloten an dieser Stelle auch nicht zu hart ins Gericht gehen. Eine noch nicht zu oft gesehene Variante des Zombiebisses gibt es übrigens im Kampf gegen zwei Rentner. Das ist schon eine clevere Idee und zeugt davon, dass die Autoren eben doch noch überraschen können.

Natürlich kann es nicht dauernd nur Schlag auf Schlag gehen, denn die Figuren, die Prämisse und gewissen Dynamiken wollen schließlich auch im Serienpiloten vermittelt werden.

Rule #33 Keep Hope Alive

Neben dem Flashback zu Tallahassees Initialisierung als Überlebenskämpfer erhält der Zuschauer auch einen Einblick in das Seelenleben von Columbus und Wichita. Sah es am Ende des Films noch so aus, als würden sie fortan zum Paar, verkompliziert der Serienpilot die Beziehung in einem Flashback, welches die Gruppe in einem Ikea zeigt. Storytechnisch vielleicht gar nicht der schlechteste Schritt, denn so entsteht mehr Konfliktpotenzial für die Zukunft. Wichita weiß eben nicht, ob sie schon eine Beziehung will oder in welchem Verhältnis die beiden nun stehen. Columbus scheint unbedingt darauf erpicht, die Gesellschaft neu zu starten, was dadurch unterstrichen wird, dass er ein Buch über Vaterschaft liest.

Später kann sich die Gruppe darauf einigen, dass sie zumindest versuchen wollen, die Hoffnung aufrecht zu erhalten und Verstärkung zu organisieren - auch wenn es zunächst nicht gelingt. Von den vier Hauptfiguren bleibt Little Rock im Piloten wohl noch am wenigsten ausgeprägt. Sie ist so etwas wie das kleine Kind, das beschützt werden soll. Etwa als Tallahassee sie ermahnt, als sie „Fuck“ sagt, oder als Columbus sich im Flashback für ihr Wohl verantwortlich fühlt. Besser wäre es, wenn sie lernen würde, auf sich selbst achtzugeben - eine Entwicklung, die im Film gut deutlich gemacht, in der Serienversion aber noch nicht genug herausgearbeitet wird. Viel Fokus wird auf sie ohnehin nicht gerichtet, außer vielleicht, wenn die Gruppe die kleinen Freuden der Zombie-Apocalypse genießen kann, wenn man an Kuchen oder anderes selten gewordenes Essen kommt.

Soll Zombieland in Serie gehen?

Horror-Comedys im Serienbereich lassen sich an weniger als einer Hand abzählen und leider ist ihnen - wie das Beispiel Death Valley zeigt „46047“ - auch selten das längste Leben beschieden. „Zombieland“ hat den Vorteil, auf einem bekannten Franchise-Namen aufbauen zu können. Die Frage ist allerdings, ob die recht unbekannten Darsteller die Serie auch in Zukunft tragen können. Vor allem anfangs müssten sie sich immer wieder mit dem Original messen lassen. Und ganz ehrlich: So unbeholfen charmant, wie die Serienversionen des Zombieland-Quartetts auch wirken - an Größen wie Emma Stone und Woody Harrelson kommen sie wohl fürs Erste nicht heran. Das Aufbauen von Sympathien dauert allerdings oft auch länger als eine einzige Episode.

Einige brennende Fragen, die in Zukunft noch geklärt werden müssten (vor allem um die Nörgler wie den Rezensenten ruhig zu stellen): Wie überlebt das Quartett, wenn es nur auf sich allein gestellt ist? Woher kommt die Munition? Woher das Benzin im Autotank? Wie schafft man es in dieser Welt von Los Angeles nach Detroit? Und warum sehen alle Beteiligten eigentlich so sauber aus, als wäre gar keine Zombie-Apocalypse ausgebrochen?

Fazit

Izabela Vidovic; Kirk Ward; Maiara Walsh und Tyler Ross auf dem %26bdquo;Zombieland%26ldquo;-Poster © Amazon Studios/Sony Pictures Television
Izabela Vidovic; Kirk Ward; Maiara Walsh und Tyler Ross auf dem %26bdquo;Zombieland%26ldquo;-Poster © Amazon Studios/Sony Pictures Television

Viele Fans des Films hätten sicher gerne eine Fortsetzung zu „Zombieland“ gesehen. Wenn es jedoch gelingt, kreative, abwechslungsreiche, witzige Geschichten mit einem Schuss Herzenswärme (wie beim Kuchenessen) zu erzählen, könnte Zombieland auch eine vergnügliche Alternative oder Ergänzung zum Original werden. Das Potenzial ist da, aber am Finetuning muss noch etwas gefeilt werden.

Trailer zu Zombieland:

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