Zero Hour 1x01

Das passiert in Strike, der Pilotfolge von Zero Hour:
Hank Galliston (Anthony Edwards) hat sich als Herausgeber des Magazins Modern Skeptic der wissenschaftlichen Widerlegung moderner Mythen und Märchen verschrieben. Da wird er eines Tages in eine Geschichte hineingezogen, die geradewegs wie etwas klingt, das er in seinem Magazin als Unsinn zu entlarven versuchen würde. Seine Frau Laila (Jacinda Barrett) wird entführt. Da weder sie noch Hank über irgendwelche Reichtümer verfügen, kann es dem Entführer nicht um Geld gehen. Von FBI-Agentin Rebecca Riley (Carmen Ejogo) erfährt Hank, dass seine Frau in der Gewalt von Vincent (Michael Nyqvist) ist. Dieser ist ein international gesuchter Top-Terrorist. Was er von Laila will, ist rätselhafter denn je.
Da entdeckt Hank auf einmal in den Sachen seiner Frau eine alte Uhr, die sie gerade erst gekauft hat. Darin finden er und seine Mitarbeiter Arron (Scott Michael Foster) und Rachel (Addison Timlin) eine in einen Diamanten gravierte Schatzkarte. Hinter dieser ist Vincent her. Ein erster Austausch geht schief. Vincent bringt zwar die Karte an sich, lässt Laila aber nicht frei. Hank sieht nur noch eine Chance, seine Frau zurückzubekommen: Begleitet von Riley macht er sich ebenfalls auf die Suche nach dem „Schatz“, was immer sich auch dahinter verbergen mag. Tatsächlich gelingt es Hank und Riley, vor Vincent ans Ziel zu kommen. Was sie entdecken, ist ein Geheimnis von apokalyptischen Dimensionen, sollte es je in die falschen Hände gelangen...
Wiederholungstäter
ABC kann es nicht lassen. In der vergangenen Midseason ist der Sender auf dem gleichen Programmplatz, Donnerstag um 20 Uhr, schon mit Missing (2012) auf die Nase gefallen. Ashley Judd war darin als Ex-Agentin in Europa auf der Suche nach ihrem verschwundenen Sohn. Die Zuschauer - vor allem die jüngeren - ließ das kalt. Die Serie wurde nach den ersten zehn Folgen beendet. Nun schickt ABC in Zero Hour den ehemaligen Emergency Room-Weißkittel Anthony Edwards auf die Suche nach seiner entführten Ehefrau.
Diese Story ist schon per se ziemlich ausgelutscht. Und Zero Hour unternimmt wenig, um ihr einen neuen Spin zu geben. Wenn man vielleicht einmal von der Back Story absieht, zu der wir gleich noch kommen. Aber letztlich ändert auch das Nazi-Wundermenschen-neue-Apostel-Rosenkreuzer-Gedöns nichts daran, dass einem der Entführungsplot per se ziemlich 08/15 vorkommt. Vor allen in den Dialogen zwischen Hank und der FBI-Agentin, die man schon tausendmal so ähnlich gehört zu haben glaubt.
Absurdistan TV
Das könnte man ja vielleicht noch aushalten. Wirklich schlimm ist jedoch der gesamte Mystery-Überbau der Story, der zumindest in der Pilotfolge mehr wirr als rätselhaft geraten ist. Irgendwas mit Nazis, die den Tod besiegt haben, weshalb die Kirche zwölf neue Apostel berufen hat, die irgendein Geheimnis haben, welches in den falschen Händen zum Untergang der Menschheit führen könnte, weshalb sich die Apostel in alle Winde verstreut haben - und offenbar nur über in Uhren versteckte Diamanten-Pläne auffindbar sind. WTF!!! Aber nicht auf eine gut Weise.
Die Back Story macht den Eindruck, als hätte Autor Paul Scheuring einfach mal alles von „Jäger des verlorenen Schatzes“ bis „The Da Vinci Code“ wüst in einen Topf geworfen und zu einem Brei verquirlt, dem, genau wie dem Rest des Plots, jede Originalität fehlt. Von Sinn und Logik einmal ganz zu schweigen.
Ironiefrei
Am schlimmsten ist aber, dass sich die Serie ungeachtet der Absurdität ihrer Grundanlage vollkommen ernst zu nehmen scheint. Nicht das kleinste Bisschen Ironie schimmert durch. Im Gegenteil: dann und wann, wie etwa bei Rileys Erzählung von ihrem verstorbenen Gatten, wird es sogar regelrecht pathetisch.
Von den vielen Detailfehlern und Absonderlichkeiten (etwa, dass die deutschen Rosenkreuzer in der Rückblende Englisch sprechen, die SS-Leute aber natürlich Deutsch) wollen wir gar nicht erst anfangen.
Zero Hour hat sporadisch auch ein paar gute Momente, etwa die Enthüllung, dass Vincent einer der Nazi-Wundermenschen ist. Das gibt schon einen Augenblick lang Gänsehaut (auch wenn Linda Blair sicherlich bald ihre „The Exorcist“-Kontaktlinsen zurückhaben will...). Um dauerhaft Spannung zu erzeugen, ist das aber natürlich viel zu wenig.
Fazit
Was hat Prison Break-Erfinder Paul Scheuring da nur geritten? Und wie konnte ABC ein derartiges Mängelprodukt in Serie gehen lassen? Was hat Anthony Edwards bewogen, hier mitzuspielen, obwohl ihm doch nach Emergency Room alle Türen offen gestanden hätten? Allesamt Fragen, die wesentlich spannender sind als die, welche der Plot von Zero Hour aufwirft.
Verfasser: Christian Junklewitz am Freitag, 15. Februar 2013(Zero Hour 1x01)
Schauspieler in der Episode Zero Hour 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?