Das ZDF schickt in der neuen Serie Zarah - Wilde Jahre eine unerschrockene Feministin in eine männerdominierte Magazinredaktion in der Bundesrepublik der 1970er Jahre - und kann damit durchaus begeistern.

Claudia Eisinger in der Serie „Zarah - Wilde Jahre“ / (c) ZDF/ Jules Esick
Claudia Eisinger in der Serie „Zarah - Wilde Jahre“ / (c) ZDF/ Jules Esick
© laudia Eisinger in der Serie „Zarah - Wilde Jahre“ / (c) ZDF/ Jules Esick

Deutschlands mächtigstes Kindermädchen“, so wird Zarah Wolf keine zwei Tage nach ihrem ersten Tag als stellvertretende Chefredakteurin bei dem Hamburger Magazin Relevant genannt. In der Pilotepisode sehen wir, das wird ein langer Weg für die Feministin von Rang und Namen.

Zarah Wolf (Claudia Eisinger) kehrt aus London zurück in ihre Heimatstadt Hamburg, um bei einem Magazin anzufangen, das auf ihre Ankunft alles andere als gewartet hat. Zumindest bis auf zwei. Die Redakteurin Karin Simonis (Milena Dreißig), die im Bereich Frauen, Mode, Lebensart unauffällig ihren Dienst tut. Und natürlich Volontärin Jenny Olsen (Svenja Jung). Denn die ist nicht nur eine Freundin der neuen Stellvertretenden Chefredakteurin, sondern auch die Tochter des Verlegers und so der einzige Grund, aus dem Zarah die Stelle angeboten bekommen hat.

Doch das weiß die zunächst nicht und hat auch kein Interesse daran. Denn sie verfolgt einen Plan, durch ihr Engagement in der männerdominierten Publikation will sie die Bundesrepublik verändern. Wir befinden uns im Jahr 1973. Die USA und Nordvietnam haben gerade ein Waffenstillstandsabkommen unterschrieben, Helmut Kohl ist Vorsitzender der CDU geworden und die RAF-Führungsriege sitzt in Stammheim.

Zarah geht mit festen Schritten in ihren neuen Job und hat genaue Vorstellungen davon, wie das laufen soll. Es dauert keine fünf Minuten im Gebäude, da kollidiert sie schon mit den Vorstellungen des Chefredakteurs Hans-Peter Kerckow (Torben Liebrecht), über den man im besten Fall sagen kann, dass Ideologie und politischer Einsatz sich nicht im Journalismus vereinen. Doch zunächst zeigt sich auch an ihm der Chauvinismus, der die Redaktion bestimmt. Zarah sieht ihre Chance gekommen, denn schließlich hat Verleger Frederik Olsen (Uwe Preuss) sie ins Team geholt, um die alte Garde umzukrempeln. Das denkt sie zumindest, bis er sie bittet, sich um seine Tochter zu kümmern, die am selben Tag ein Volontariat anfängt.

Auch der Rest des Teams, darunter Politikchef Wolfgang Schaffelgerber (Jörn Hentschel) und Grafikleiter Tom Balkow (Leon Ullrich) sind von der Aussicht, ihre Herrenrunden mit einer Frau teilen zu müssen, nicht gerade erfreut. So kann Zarah erst durchatmen, als ihre Freundinnen sie mit einer Willkommensparty überraschen. Doch auch die geht nicht konfliktfrei vorüber, denn die Feministinnen beargwöhnen den neuen Job ihrer Mitstreiterin kritisch.

Und auch Zarah selbst liegt nicht eben viel daran, gemocht zu werden. Was den abgehobenen Männern gegenüber zumindest in den Augen der Zuschauer noch sympathisch bleibt, wirkt der eigenen Mutter gegenüber dann nicht mehr so charmant. Die sonst so scharfsinnige Zarah setzt die Bausteine nicht zusammen, dass die Mutter vermutlich krank ist und zeigt sich auch gegenüber den Frauen in der Redaktion, die zu ihr aufsehen, nicht unbedingt über die Maßen schwesterlich. Sie ist eine Kämpferin, die den richtigen Weg vor Augen hat, aber dabei manches Zwischenmenschliche übersieht. Wir dürfen uns also vermutlich auf interessante Stunden mit der neuen ZDF-Serie freuen, in der die Aktivistin versucht, das unter einen Hut zu bekommen.

Fazit

Auch wenn die Idee nicht ganz neu ist und in der jüngeren Vergangenheit an die nach der ersten Staffel abgesetzte Amazon-Serie Good Girls Revolt erinnert, bemüht man sich auf Seiten der Serienmacher, die deutsche Geschichte in die Story zu holen. So muss Zarah feststellen, dass ihre alte Weggefährtin Jutta sich der Baader-Meinhof-Gruppe angeschlossen hat und nun ominöse Pakete bei Zarahs Mutter zwischenlagert.

Auch darüber hinaus findet die Serie Zarah - Wilde Jahre schnell ihren eigenen Ton und meistert die Herausforderungen einer Retro-Serie in der Pilotepisode sehr gut.

Trailer zur ZDF-Serie „Zarah - Wilde Jahre“:

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