You're the Worst 5x13

© ??You're the Worst“ (c) FXX
Wer kennt sie nicht, die alte „Will they, won't they?“-Formel, die in einem Film oder einer Serie aus dem Genre der „Romantic Comedies“ einfach nicht fehlen darf. Am Anfang einer Geschichte haben wir zwei Menschen, die sich augenscheinlich nicht wirklich zueinander hingezogen fühlen. Beide Parteien beschnuppern sich ein bisschen, lernen den jeweils anderen besser kennen und wägen in der Folge immer wieder ab, ob eine Beziehung zwischen ihnen sinnvoll oder doch eher die falsche Entscheidung wäre. Wir Zuschauer wohnen diesem niemals enden wollenden Balztanz bei, regelmäßig wirft man uns kleine Happen zum Fraß vor, die Hinweise darauf geben, in welche Richtung diese Romanze letztlich gehen könnte. Erwartet uns die große Liebe? Oder doch eine tränenreiche Auflösung?
Wir alle haben sie zuhauf gesehen, diese Art von Geschichten, die zumeist mit einem herzlichen, oftmals kitschigen Finale ausgestattet sind, das uns Außenstehenden genau das gibt, was wir sehen wollen: ein furchtbar romantisches Happy End. Und das am besten mit einer saftigen Kirsche auf der Sahne. Unser Paar, das sich lange Zeit nicht entscheiden konnte, was es nun will, hat den Schritt gewagt und lebt nun die perfekte Liebe. Im Handumdrehen wird noch eine traumhafte Hochzeit an diesen Abschluss gezimmert. Ende gut, alles gut. „Und wenn sie nicht gestorben sind...“
Wer bin ich, derartig märchenhaften Geschichten zu kritisieren? Und hier soll auch gar nicht zur Debatte stehen, ob diese Erzählungen ihre Berechtigung haben oder nicht. Aber kennt man eine, dann kennt man gefühlt alle, oder? Umso schöner ist es, wenn sich von Zeit zu Zeit Filme oder Serien die Mühe machen, die Regeln und Mechanismen des Rom-Com-Genres ein wenig - oder gar komplett - aus den Angeln zu heben, um nicht nur mit allerlei Klischees und Stereotypen aufzuräumen, sondern auch, um eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, die ungewöhnlich, provokativ und letztlich auch sehr berührend sein kann. Vielleicht nicht so wie klassische Rom-Com-Kost. Aber das ist auch der Zweck der Übung.
Eine Serie, die dieses Kunststück für etwa fünf Jahre vollführt hat, ist die FXX-Dramedy You're the Worst. Vor wenigen Tagen machte Serienschöpfer Stephen Falk (hier in einem schönen kleinen Interview mit The AV Club) eine Schleife um das bisweilen irrwitzige, niederschmetternde, schockierende und hoch emotionale Abenteuer, auf das sich Aya Cash und Chris Geere als Gretchen Cutler und Jimmy Shive-Overly im Juli 2015 begeben hatten. Gemeinsam mit ihren besten Freunden Lindsay (Kether Donohue) und Edgar (Desmin Borges) hat dieses toxische Duo eine beachtliche Strecke zurückgelegt, von schwindelerregenden Höhen bis hin zu enttäuschenden Tiefen (vielleicht geht es nur mir so, aber die vierte Staffel war in ihrer Gänze leider ein Reinfall) war alles mit dabei. Und nun kommt der Schlussstrich.
„Will they? Won't they?“ Oder anders, nach dem hervorragenden Serienfinale Pancakes: „Have they? Haven't they?“ Rein theoretisch könnte man diese Fragen am Ende von „You're the Worst“ stellen, doch damit würde man der Besonderheit dieser Serie Unrecht tun. Eigentlich ging es hier nie wirklich darum, ob unsere beiden Hauptfiguren zusammenkommen oder nicht. Denn das passiert bereits sehr früh in der ersten Staffel. Showrunner Stephen Falk und sein Autorenteam haben sich nie wirklich damit beschäftigt, ob Gretchen und Jimmy ein Paar werden oder nicht, weil sich beide früh in der Serie dazu entscheiden, sich auf eine gemeinsame Beziehung einzulassen, die im Verlauf der Serie eine unglaublich komplexe Entwicklung durchmacht.
Die Frage sollte also vielmehr lauten: „How will they?“ beziehungsweise „How have they?“
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Till death do us part. Or something else. Or nothing at all.
Es kann wohl keine/-r mit absoluter Sicherheit sagen, wie es Gretchen und Jimmy am Ende von You're the Worst fertiggebracht haben, das zu erreichen, was sie letztlich erreichen. Die fünfte Staffel stand im Zeichen der Hochzeit zwischen diesen beiden von etlichen persönlichen, psychischen Problemen geplagten Menschen, die nach vielen Jahren äußerst spezieller Zweisamkeit nach wie vor in einer Beziehung sind. Irgendwie hat es sich bewährt, all den mentalen Zusammenbrüchen, manischen Episoden und unaussprechlichen Fehltritten zum Trotz. Vielleicht war das immer das Geheimnis von Gretchen und Jimmy, die beide so kaputt, so desillusioniert ob romantischer Ideale, so zynisch, egoistisch und unperfekt sind, dass sie im Grunde genommen perfekt zueinander passen. Jetzt soll das folgen, was eben normalerweise folgt: Man gibt sich das Jawort, man lässt sich auf eine gesellschaftliche Gepflogenheit ein, man macht das, was alle anderen auch machen.
Oder auch nicht. „You're the Worst“ hat fünf Staffeln lang stets unsere Erwartungen an ein bestimmtes Genre ins Gegenteil umgekehrt und dabei eine potentiell romantische Geschichte so unromantisch, aber gleichzeitig glaubhaft und lebensnah erzählt, wie man es sich nur vorstellen kann. Das Ende der Serie, als enthüllt wird, dass Gretchen und Jimmy sich doch für ihren eigenen Weg und gegen eine Hochzeit entschieden haben, kommt auf den zweiten Blick daher alles andere als überraschend. Es ist fast schon konsequent. Und gleichzeitig auch völlig nichtig, denn so hervorragend die gesamte Finalepisode auch orchestriert ist, am Ende wird „You're the Worst“ den Test der Zeit aufgrund seiner schwierigen, vielschichtigen Charaktere bestehen, die hier miteinander kollidiert sind und von denen alle letztlich für sich selbst herausgefunden haben, was am besten für eine/-n ist.
Für Gretchen und Jimmy bedeutet das, sich gegenseitig keine ehelichen Fesseln anzulegen und etwas zu sein, das sie auch aus der Tiefe ihres Herzens heraus sein wollen. Es bedeutet, die Makel des jeweils anderen zu akzeptieren und sich nicht im Rahmen einer Zeremonie bis ans Lebensende auf eine Person festzulegen, sondern Tag für Tag erneut aus voller Überzeugung die Entscheidung zu treffen, dass diese eine Person das Beste für einen ist, was einem passieren konnte. Für Edgar bedeutet es, sich zu lösen, sich freizumachen von einer wortwörtlichen sowie sinnbildlichen Abhängigkeit, in der er für mehrere Jahre eingespannt war. Auch wenn der Abschied wehtut. Und für Lindsay bedeutet es, nach vielen Jahren zu erkennen, dass das, was sie schon einmal hatte und dann aufgegeben hat, vielleicht doch genau das ist, was sie im Leben braucht.
„You're the Worst“ fängt die Bedürfnisse seiner Figuren in den letzten Zügen dieser fünfjährigen Erzählung perfekt ein und findet für jeden Charakter den Abschluss, den sie oder er verdient hat. Es handelt sich vielleicht nicht um ein Ende, das sich einige Zuschauer/-innen erhofft und gewünscht haben. Wir sehen mehrere persönliche Enden, die mit Blick auf den zurückgelegten Weg besser nicht passen könnten. Paradoxerweise ist „You're the Worst“ dadurch schlussendlich das, was es niemals sein wollte: wunderbar romantisch. Jedoch nicht so, wie wir es gewohnt sind und schon tausendmal zuvor gesehen haben. Sondern so, wie es die Serie schon immer war: sehr eigen und unheimlich kompliziert, aber ehrlich, direkt und vor allem nachvollziehbar. Alles andere wäre ein Betrug an den Figuren und der Serie selbst gewesen.
Wenn ich an You're the Worst zurückdenke, dann fallen mir die unzähligen Momente ein, in denen die Charaktere alles andere als fair zueinander gewesen sind, weil sie selbst so gezeichnet und defekt waren, dass sie selten jemanden an sich herangelassen haben. Ich erinnere mich an die vielen „SundayFundays“, an die Augenblicke der traurigen Selbsterkenntnis, der permanenten Leugnung und des unerwarteten Verständnis füreinander. Ich nehme viele fantastische Songs mit (allein dem Finale verdanke ich, dass bei mir seit Tagen die Lieder von The Mountain Goats rauf- und runterlaufen) und viele groteske Szenen zwischen einzigartigen Charakteren, von denen einige mir ab und an zu sehr auf den Geist gegangen sind. Und was auch nach dem Serienfinale bleibt, ist das Wissen, dass Stephen Falk seine unromantische, regelbrechende Rom-Com-Satire exakt so zu einem Ende geführt hat, wie sie eigentlich nur enden konnte. Und mit Pancakes.
Trailer zur fünften Staffel von „You're the Worst“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 9. April 2019(You're the Worst 5x13)
Schauspieler in der Episode You're the Worst 5x13
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