Young Wallander: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

© oung Wallander (c) Netflix
Kurt Wallander begeistert seit den 1990er Jahren Leser und Zuschauer vieler Nationen. In Deutschland wird der Ermittler vor allem von der ARD auf die Mattscheibe gebracht. Nun will auch Netflix Anteil daran haben und bietet Krimifans die erste Staffel von Young Wallander an. Darin erzählen die Macher die frühen Jahre des Polizisten, basierend auf den Romanen von Henning Mankell, jedoch verlegt ins Malmö der Gegenwart.
Wovon handelt es?
Wir lernen den jungen Kurt Wallander (Adam Pålsson) kennen als er Streifenpolizisten, der mit seinem Partner und bestem Freund Reza (Yasen Atour) die Straßen der düsteren Stadt vor Lärmbelästigungen rettet. Wir begleiten ihn in seine Wohnung im Sozialbaugebiet und Problemviertel Rosengård, wo keiner seiner Nachbarn weiß, welchem Beruf der junge Mann nachgeht. Doch das ändert sich in einer Nacht als er von einer Sirene aus dem Schlaf gerissen wird. Nachdem er den Brand im Keller des Hauses gelöscht hat, stellt er fest, dass sich auf dem nächtlichen Bolzplatz eine Menschenmenge versammelt hat. Ein junger Mann steht gefesselt und geknebelt an einem Zaun der Sportanlage, ins Gesicht hat ihm jemand eine schwedische Flagge gemalt. Er wohnt nicht dort, er ist einer der jungen Fußballer aus bürgerlichem Hause, die tagsüber kommen um sich am Talent der jungen Rosengård-Bewohner zu messen. Wallander hat ihn nicht einmal 24 Stunden zuvor gesehen, als er sich nach einem Match mit Ibra (Jordan Adene) stritt. Ibra und seine Mutter sind Wallanders Nachbarn, der junge, talentierte Ibra steht kurz davor, in einem guten Verein der Stadt zu spielen und mit seiner Mutter dem Problemviertel zu entkommen.
Nun steht Wallander mitten in der Nacht dem Jungen gegenüber, den Ibra kurz zuvor besiegt hat, und versucht die Bewohner des Viertels davon abzuhalten, den Jungen zu erniedrigen. Doch schnell erkennt er, dass er dafür sein großes Geheimnis lüften muss. Er outet sich als Polizist um den Jungen von dem brutalen Streich zu erlösen, doch wenige Sekunden später ist der Junge tot, eine Granate in seinem Mund ist hochgegangen und Wallander steckt mitten in seinem ersten großen Kriminalfall.
Während er versucht, den Fall zu lösen und einen wichtigen Verdächtigen zu fassen, lässt er seinen besten Freund während einer Anti-Immigrations-Demo ohne Rückendeckung, was dazu führt, dass Reza auf der Intensivstation landet.
Wie kommt es rüber?
Als Prequel muss die neue Netflix-Serie an dem Vermächtnis des Schriftstellers messen lassen. Henning Mankell soll die Idee, die Vorgeschichte seines Protagonisten auf die Mattscheibe zu bringen, vor seinem Tod 2015 generell zugestimmt haben. Was nach den ersten beiden Episoden von Young Wallander jedoch deutlich wird: Die Serienmacher haben nicht den Anspruch, psychologisch zu sezieren, wie Wallander zu Wallander wurde. Sie nehmen die Figur des Ermittlers mit dem düsteren Gemüt als Schablone um eine Geschichte voller tagesaktueller Probleme zu erzählen.
Eigentlich müsste Kurt Wallander in den 60er Jahren in Schweden seine ersten Sporen als Polizist zu verdienen. Die Serienmacher legen die Geschichte in die Gegenwart, Smartphonevideos, Gangkriege und Bootycalls inklusive. Im Mittelpunkt stehen Flüchtlings- und Rassismusdebatte, der Rechtsruck in Europa, aktuelle Themen und Probleme.
Das hindert die Autoren daran, uns wirklich zu erzählen, wie aus Wallander der düstere Charakter geworden ist, den wir aus den bekannten Krimiserien kennen. Statt dessen erzählen sie uns einen mysteriösen Kriminalfall in dem soziale Ungerechtigkeit, Hautfarbe und das politische Klima eine große Rolle zu spielen scheinen. Die erste Staffel steht ganz im Zeichen des Falles zu dem Wallander persönliche und örtliche Verbindungen hat. Wäre der Name des Protagonisten ein anderer, würde sich uns hier eine solide, wenn auch streckenweise zu konventionelle Krimiserie bieten, die skandinavisches Flair mit britischem Serienhandwerk verbindet und damit für Genrefans eine Empfehlung wert ist.
Fazit
Young Wallander leidet in der ersten Staffel unter einem typischen Prequel-Syndrom. Es erfüllt nur wenige der Erwartungen der Fans, die Erklärungen bleiben aus, der Blick hinter die Kulissen, in die Vergangenheit der Figuren bleibt oberflächlich. Doch wenn man an die Serie ohne Erwartungen oder Vorwissen geht, dann liefert Netflix eine interessante Krimigeschichte, die sich mit aktuellen Problemen der Gesellschaft befasst.
Hier abschließend noch der Serientrailer zur neuen Serie „Young Wallander“: