Young Sheldon 1x01

© ary (Zoe Perry, r.) bringt ihren Sohn Sheldon (Iain Armitage, l.) in die Schule. / (c) CBS
Es ist schon sehr bezeichnend für die neue CBS-Sitcom Young Sheldon, dass sie weniger an ihre Mutterserie The Big Bang Theory, sondern vielmehr an Fresh Off the Boat von ABC, Malcolm in the Middle von FOX oder sogar an This Is Us von NBC erinnert. Ihre Schöpfer Steven Molaro und Chuck Lorre, die gemeinsam jahrelang die Verantwortung für „Big Bang“ schulterten, betreten in vielerlei Hinsicht Neuland: Sie lassen ihr Studiopublikum und somit auch die Hintergrundlacher und das vertraute Multi-Kamera-Format hinter sich und schlagen einen deutlich ernsteren Ton an, der reichlich Platz für emotionales Familiendrama lässt.
In „Young Sheldon“ geht es - wie der Titel schon verrät - um die Kindheitstage des allseits beliebten Supergenies Sheldon Cooper (Jim Parsons). Dieser wird hier gespielt vom 9-jährigen Kinderstar Iain Armitage (Big Little Lies). Der ursprüngliche Darsteller Parsons tritt nur noch als Erzähler auf - und als Produzent, da vom ihm wohl auch die Idee zur Serie stammt. CBS setzt große Hoffnungen auf das Spin-off zu „Big Bang“ und holte für die Inszenierung der Pilotepisode daher den „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau ins Boot. Trotzdem ist zu bezweifeln, dass der Durchschnittsfan der Mutterserie bei einem derart anderen Stil wirklich dranbleiben wird.
Go play? If only life were that simple...
In der Eröffnungsszene sehen wir den kleinen Sheldon beim Spielen mit seiner Modelleisenbahn. Auf den ersten Blick ein ganz normales Kind, doch dann hält er plötzlich Vorträge über physikalische Gesetze und wir erkennen sein Besonderssein. Beim anschließendem Abendessen mit der Familie sticht Sheldon ebenfalls hervor. Sein Vater George Sr. (Lance Barber), ein Footballcoach und Alkoholiker, und sein großer Bruder George Jr. (Montana Jordan), ein Footballspieler und Raufbold, scheinen genervt davon, wie Sheldon spricht, wie er sich kleidet und wofür er sich so interessiert. Für George Jr. kommt die Demütigung hinzu, dass sie in wenigen Tagen in derselben Klasse sein werden - einfach, weil Sheldon trotz einiger Jahre Unterschied schon jetzt deutlich klüger ist als er.
Seine Zwillingsschwester Missy (Raegan Revord) hat indes ein etwas komplizierteres Verhältnis zu ihm. Sie mag zwar nicht an Sheldons Intellekt herankommen, doch auch sie ist alles andere als dumm und obendrein nicht auf den Mund gefallen. Ähnlich ist es bei Mutter Mary (Zoe Perry), die genau wie in „The Big Bang Theory“ am besten weiß, wie man mit Sheldon umzugehen hat. Die Darstellerin Perry passt hervorragend in die Rolle, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass sie die Tochter von Laurie Metcalf ist, die dieselbe Figur im Original spielt.

Da sich Mary als Einzige auf Sheldon einlässt, ist sie es auch, für die er selbst offenkundige Zuneigung zeigt. Als die strenggläubige Christin am Tisch zum Beispiel fragt, wer sie am Sonntag zur Kirche begleiten will, ist es ausgerechnet der kleine Atheist, deren Propheten Hawking und Einstein heißen, der sich freiwillig meldet. Seine Begründung: Er glaubt zwar nicht an Gott, doch er glaubt an seine Mutter. Früh wird deutlich, dass, wenn die Serie irgendeine Existenzberechtigung fernab finanzieller Gründe haben will, sie sich noch stärker auf die Mutter-Sohn-Beziehung konzentrieren muss. Denn hier liegt echtes Potential für eine interessante und bewegende Geschichte.
Etwas abgedroschener wirkt indes alles, was in der Schule passiert. Wie zu erwarten, macht sich Sheldon rasch zum Außenseiter, was in erster Linie auf seine Vorliebe für das Einhalten von Regeln zurückzuführen ist. Immerhin ist er klug genug, es sich nicht nur mit seinen Mitschülern, sondern dann auch gleich mit seinen Lehrern zu verscherzen, die er in gewohnter Sheldonmanier als unterbelichtet abstempelt. Am Ende ist es wieder seine Mutter, die ihm aus der Patsche hilft. Ganz zum Schluss darf aber auch sein distanzierter Vater ein paar Gefühle zeigen, die Sheldon mit einer netten Geste belohnt, die als emotionaler Höhepunkt herhalten soll.
Fazit
Molaro, Lorre und Favreau präsentieren einen ambivalenten Pilot, der nicht viel Spielraum zur Beurteilung lässt - und da die nächste Episode erst Anfang November läuft, wird das wohl noch einige Wochen lang so bleiben. „Young Sheldon“ bietet weder ausreichend Stoff für einen Verriss noch für eine Lobeshymne. Allerdings hat die Serie in ihrer ersten Episode auch noch nicht wirklich klarmachen können, wieso sie überhaupt existieren muss - abgesehen von der Geldgier des Senders natürlich. Am ehesten fallen einem da noch die Szenen zwischen Armitage und Perry ein, die tatsächlich ein bewegendes Mutter-Sohn-Gespann bilden, das die Serie im weiteren Verlauf tragen könnte.
Für einige Fans von „The Big Bang Theory“ dürfte es außerdem interessant sein, zu sehen, wie sich Lorre, der in seiner Laufbahn auch Sitcoms wie Two And A Half Men und Mike & Molly zu verantworten hatte, an einer Serie versucht, die er selbst gern mit dem Coming-of-Age-Klassiker The Wonder Years vergleicht. Das Spin-off „Young Sheldon“ mag zwar anders sein als seine Mutterserie, doch eigentlich folgt es einer altbewährten Sitcomformel: 18 Minuten lockerer Humor und zum Abschluss zwei Minuten herzerwärmende Charakterarbeit. Die größte Herausforderung wird es für die Serie sein, das perfekte Maß an Comedy und Drama zu finden. Zu albern und die Geschichten verlieren an Substanz, zu düster und die Zuschauer werden abgeschreckt.
Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 26. September 2017Young Sheldon 1x01 Trailer
(Young Sheldon 1x01)
Schauspieler in der Episode Young Sheldon 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?