Young Rock: Working the Gimmick - Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Pilotfolge Working the Gimmick der US-Serie Young Rock (c) NBC
Dwayne Johnson gilt wahrscheinlich als einer der charismatischsten Menschen der (Hollywood-)Welt. Der ehemalige Footballer und Wrestler, der aktuell einer der erfolgreichsten Filmstars ist und nebenbei ein erfolgreicher Unternehmer und Influencer werden konnte, spielt nach der HBO-Produktion Ballers nun erneut in einer Serie mit. Diesmal ist es die Single-Camera-Comedy Young Rock des US-Senders NBC, die ihm von Nahnatchka Khan und Jeff Chiang (jeweils bekannt durch Fresh Off the Boat) auf den Leib geschrieben wurde. Johnson und sein übliches Team (Dany Garcia, Hiram Garcia, Ex-WWE-Autor Brian Gewirtz und Jennifer Carreras) sind außerdem Produzenten der Comedy, die seinen Werdegang fiktionalisiert.
Can you tell that The Rock is hungry?
Zumindest die Pilotfolge Working the Gimmick wird eingerahmt durch ein Interview, das Johnson mit Randall Park (Fresh Off the Boat, WandaVision) im Zuge seiner Kandidatur für die US-Präsidentschaft im Jahr 2032 führt. Hier erinnert sich der beliebte Tausendsassa an seine bescheidenen Beginne. Drei verschiedene Altersstufen sehen die Zuschauer anschließend in Flashbacks.
1982 - Never use the f-word
Adrian Groulx ist als zehnjähriger Johnson zu sehen. Im Jahr 1982 lebt dieser mit seiner Mutter Ata (Stacey Leilua) und seinem Vater, dem bekannten Wrestler Soulaan Rocky Johnson (Joseph Lee Anderson) zusammen. Demnach hat er Wrestling einfach im Blut. Sein Vater träumt für seine Familie von einem besseren Leben, aber so richtig gelingen will das bis in die 90er Jahre offenbar nicht.
Ein „kurzer“ Besuch bei der Oma Lia Maivia (Ana Tuisila) wird für zahlreiche Wrestler-Cameos genutzt. Der Junkyard Dog, die Wild Samoans, der Iron Sheik und Andre the Giant hängen bei Oma Maivia ab und spielen Karten. Es handelt sich dabei nicht um die echten Wrestler, die teilweise schon verstorben sind, sondern um Schauspieler. Das ist dennoch ein feines „Easter Egg“ für Fans des Old-School-Wrestlings. Besonders Andre the Giant könnte auch Wrestling-Laien ein Begriff sein, denn immerhin hatte er eine Rolle im Film „The Princess Bride“. Viele Wrestling-Fans erinnern sich derweil an sein legendäres Match mit Hulk Hogan bei „Wrestlemania“.

Rocky Johnson muss seinen Sohn vertrösten, weil er eine Investmentchance sieht, die aber wohl nicht klappt. Man merkt recht schnell, dass der Vater zu diesem Zeitpunkt nicht genug Zeit mit seinem Spross verbringt. Als Dewey allerdings in Anwesenheit der Wrestler ihren Beruf als Fake bezeichnet, erhält er eine Lektion vom Giant. Von seinem Vater kriegt er derweil die Lektion mit, dass er das Gimmick, also die Rolle, die man beim Wrestling spielt, immer ausreizen sollte. Frei nach dem Motte: „Fake it till you make it.“
1987 - Working the gimmick

Das führt 1987 dazu, dass Dwayne (in diesem Alter: Bradley Constant) auf die schiefe Bahn gerät, um die Mädchen in der neuen Schule zu beeindrucken. Er wird zum Ladendieb und sieht wegen seines Bartes und seiner Statur viel Älter aus als die Mitschüler. In diesem Alter jobbt er bei einem Pizzaladen und hätte gerne ein Auto, statt mit dem Bus fahren zu müssen. Allerdings hat er bisher nur 103 Dollar angespart. Die reichen dem dubiosen Kunden Billy allerdings, um ihm eine Schrottkarre zu überlassen. Diese kommt mit dem Obdachlosen Waffle auf der Rückbank (und einer Überraschung im Kofferraum). Waffle kann Dwayne und seinem Kumpel dann nicht nur beim Bierkauf für die spätere Party behilflich sein, sondern gibt ihm auch noch eine Lebensweisheit mit auf den Weg. Die Mädchen und Liebschaften in diesem Alter sind meistens flüchtig, was wirklich zählt, ist die Familie. Entsprechend holt er auch lieber seine Mom von der Bushaltestelle ab und bringt sie nach Hause. Dwayne träumt groß und möchte irgendwann einmal seiner Mutter einen Cadillac kaufen können - etwas, was der echte „The Rock“ übrigens tatsächlich gemacht hat. Neben Autos hat er ihr darüber hinaus auch Häuser gekauft und sie mit anderen Geschenken überhäuft...
Kurz bevor Waffle weitere Weisheiten mit ihm teilen kann, fällt er jedoch tot um und Dwayne gibt das Auto offenbar nach einem anonymen Hinweis an die Polizei auf.
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1990 - The grind

1990 kommt Dwayne (nun Uli Latukefu) an der University of Miami an, an welcher in den 80ern dann so einige Erfolge gefeiert wurden. Hier sieht er eine neue Chance, sich zu beweisen und groß herauszukommen. Doch sein Vater ist ihm zuvorgekommen und lebt sein Wrestling-Gimmick, indem er den anderen Spielern ein paar Lügen auftischt - darüber dass Dwayne auf einer Cerealien-Packung gedruckt wurde etwa. Statt die Wahrheit zu erzählen, schmückt Dwayne sie jedoch mit weiteren Unwahrheiten aus. Hier kommt schon etwas von seiner späteren Wrestling-Persönlichkeit und Improvisationsgabe durch. Doch die Lektion, die Dwayne spätestens hier lernt, ist, dass ihn das Faken und Lügen nicht weiterbringt, sondern dass letztlich nur harte Arbeit Resultate bringt und andere beeindruckt. Also schnappt er sich die Gewichte und stellt einen Rekord ein, um zu zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist.
Die Footballkarriere des echten Johnson war vergleichsweise eher kurz. Ende der 90er landet er dann in der damaligen WWF und heutigen WWE und wurde zu einem der größten Stars der sogenannten „Attitude Era“, was in den weiteren Folgen sicherlich noch thematisiert wird. Im Piloten sehen wir derweil nur seine Anfänge als ambitionierter Footballer.
Know your role!
Ich würde mich als Fan von Dwayne Johnson beschreiben und verfolge sein Werk bereits seit seinen WWF/WWE-Zeiten. Viele seiner Filme habe ich auch gesehen und auch Ballers fast nur wegen ihm geschaut.
Der Auftakt der Serie versucht nun, die Prämisse der Retro-Comedy zu etablieren und macht das weder großartig noch besonders schlecht. Von ihrer Art und Weise her würde die Serie auch gut zu der Retroschiene von ABC passen und auch Fans von Young Sheldon könnten abgeholt werden. Die Idee, gleich drei Zeitabschnitte pro Folge zu zeigen, könnte Potential haben. Im Piloten sind diese auch strukturell sauber voneinander getrennt. Ich bin gespannt, ob das beibehalten wird.
Ob man „The Rock“ auch jedes Mal in einer Interviewsituation sehen wird, muss sich ebenfalls zeigen. Wahrscheinlich lässt sich so eine Rahmenhandlung schnell mal abdrehen, wenn man denn das benötigte Drehbuch sowieso schon hat. Da kann der vielbeschäftigte Schauspieler dann vergleichsweise wenig Zeit reinstecken. Das Material für Johnson könnte manchmal jedoch gerne noch etwas spritziger sein.
Persönlich habe ich beim Anschauen eher geschmunzelt als viel gelacht, aber mich beispielsweise über die Wrestler-Auftritte gefreut. Langsam entdecken auch die Serienmacher, dass man Wrestling in Film und Fernsehen gut als Vorlage nutzen kann. Man denke nur an GLOW. The Big Show Show mag vielleicht bei Netflix gescheitert sein, aber ein „The Rock“ hat vielleicht mehr Zugkraft als Paul Wight in einer eher altbackenen Sitcom. Bald kommt zudem der dramatische Ansatz hinzu, wenn Heels mit Stephen Amell (Arrow) bei Starz losgeht. Wer weitere Wrestling-Filme sucht, kann außerdem die sehr unterschiedlichen „The Wrestler“, „Nacho Libre“ und „Fighting with My Family“ (übrigens auch mit einem Auftritt von Johnson) anschauen.
Fazit

Bei einer Sitcom reicht mir eine nette Auftaktepisode oft bereits, um dranzubleiben. Das gilt auch für Young Rock, das als 20-minütiger Zeitvertreib für zwischendurch sicherlich taugt. Steigerungspotential ist zwar auf alle Fälle noch vorhanden, aber wer noch eine nostalgisch-verklärte Retro-Comedy in seiner Watchlist vertragen kann, sollte mal einen Blick reinwerfen. Wenn man mit Dwayne Johnson oder Wrestling an sich überhaupt nichts anfangen kann, sollte man wohl eher einen Bogen darum machen.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen NBC-Serie „Young Rock“:
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