Young Millionaires 1x01

© Netflix
Vier Teenager gewinnen im Lotto 17 Millionen Euro, können aber als Minderjährige an das Geld nicht rankommen. Was nach dem perfekten Setup für chaotische Situationen klingt, entpuppt sich in „Young Millionaires“ tatsächlich als genau das.
Die französische Netflix-Produktion von Regisseur Igor Gotesman macht aus dieser simplen Prämisse eine durchaus unterhaltsame erste Staffel, die einen zwar nicht vom Hocker reißt, aber auch nie wirklich langweilt. Das ist in Zeiten von Aufmerksamkeitsspannen im Sekundentakt vielleicht sogar ein Kompliment. Die Handlung folgt den vier Freunden, die sich nach ihrem Lottogewinn plötzlich mit Problemen konfrontiert sehen, von denen die meisten Menschen nur träumen können.
„Young Millionaires“ weiß genau, was es sein will. Eine leichte Unterhaltung für zwischendurch, bei der man problemlos mal auf den Mobilknochen schauen kann, ohne den roten Faden zu verlieren. Die Serie macht sich gar nicht erst die Mühe, tiefere emotionale Schichten freizulegen oder komplexe Charakterentwicklungen zu konstruieren. Stattdessen setzt sie auf Tempo, Charme und die Sympathie ihrer jungen Darsteller.
Frische Gesichter mit altbekannten Problemen
Das Ensemble rund um die vier Hauptfiguren funktioniert überraschend gut, auch wenn keiner der Charaktere besonders überraschende Wendungen nimmt. Lyes Salem führt die Gruppe als charismatischer Anführer an, während seine drei Mitstreiter jeweils ihre eigenen kleinen Subplot-Nischen bedienen. Was mich positiv überrascht hat, ist, dass die Chemie zwischen den vier Protagonisten stimmt. Man kauft ihnen ihre langjährige Freundschaft ab, auch wenn die Dialoge manchmal doch etwas zu glatt poliert daherkommen. Vielleicht liegts ja auch an der Synchronfassung.
Die Serie lebt von ihren absurden Situationen, die entstehen, wenn Minderjährige plötzlich Millionäre sind, aber rechtlich noch nicht volljährig. Diese Grundkonstellation erzeugt genug komödiantisches Potenzial, auch wenn sich manche Wendungen doch arg konstruiert anfühlen. „Young Millionaires“ ist die Art von Serie, die man nebenbei schauen kann, ohne dass einem wichtige Nuancen entgehen. Perfekt für den entspannten Feierabend oder als Begleitung zum Doomscrolling.
Französischer Leichtsinn trifft Netflix-Formel
Regisseur Gotesman, bekannt für seine Arbeit an französischen Komödien, bringt einen unbeschwerten europäischen Ton in die Serie, der sich wohltuend von der oft überdrehten amerikanischen Teenie-Comedy unterscheidet. Die Inszenierung bleibt bewusst unaufdringlich, die Kameraführung konzentriert sich auf die Gesichter der Darsteller statt auf spektakuläre Einstellungen. Das passt zum Gesamtkonzept einer Serie, die nicht um jeden Preis beeindrucken will.
Hier zeigt sich aber auch die Schwäche von „Young Millionaires“: Die Serie verschenkt ihr Potenzial für eine satirische Gesellschaftskritik. Anstatt die absurden Auswüchse des Kapitalismus oder die Probleme einer Generation zu beleuchten, die mit sozialen Medien und Konsumwahn aufgewachsen ist, bleibt alles an der harmlosen Oberfläche. Die wenigen Momente, in denen die Serie versucht, ernstere Töne anzuschlagen, wirken aufgesetzt und passen nicht zur sonst so lockeren Grundstimmung. Man merkt, dass die Macher eine leichte Sommerserie schaffen wollten. Das ist ihnen definitiv gelungen.
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Binge-Material für zwischendurch
Was soll ich sagen? „Young Millionaires“ ist exactement das, was auf der Packung steht. Eine unkomplizierte Teenie-Komödie, die ihre acht Halbstündern mit genug Tempo und Charme füllt, um einen bei Laune zu halten. Die Serie fordert keine volle Aufmerksamkeit und funktioniert hervorragend als Hintergrundunterhaltung. In einer Zeit, in der jede zweite Netflix-Produktion verzweifelt nach kultureller Relevanz greift, ist diese entspannte Haltung fast schon erfrischend.
Die Wendungen bleiben vorhersehbar, die Konflikte lösen sich meist aalglatt auf, und die Charaktere entwickeln sich in genau die Richtungen, die man erwartet. Trotzdem unterhält „Young Millionaires“ durchweg solide. Es ist perfektes Urlaubsfernsehen. Man kann zwischendurch abschalten, kehrt problemlos wieder in die Handlung zurück und ärgert sich nie über verschwendete Zeit. Für eine erste Staffel, die offensichtlich darauf ausgelegt ist, möglichst viele Zuschauer bei Netflix zu halten, ohne sie zu überfordern, ist das durchaus eine Leistung.
Von mir gibt es 3 von 5 Baguettes, denn die Serie ist durchaus kurzweilig, charmant und perfekt für nebenbei. „Young Millionaires“ macht nichts falsch, aber eben auch nichts wirklich außergewöhnliches. Eine Serie, die genau weiß, was sie ist und diesen Anspruch souverän erfüllt.
Verfasser: Mariano Glas am Donnerstag, 21. August 2025Young Millionaires 1x01 Trailer
(Young Millionaires 1x01)
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