X-Men '97 1x10

© Disney+
Eine stark verkĂŒrzte Zusammenfassung der Marvel-TV-Serien
Mit WandaVision hat 2021 eine neue Ăra bei den Marvel Studios und Walt Disney begonnen, denn plötzlich gab es Serien aus dem Marvel Cinematic Universe auch als TV-Variante, die ganz offiziell Teil des Kanons sind. NatĂŒrlich gab es vorher bereits Marvel-Serien wie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D., Marvel's Agent Carter, Marvel's Runaways, Cloak & Dagger, das von allem am liebsten verdrĂ€ngte Inhumans oder die Netflix-Produktionen rund um Daredevil und Marvel's The Defenders, die unter Jeph Loebs Marvel Television entstanden sind. Es gab auch Serien teilweise parallel zum MCU wie Marvel's Helstrom, Marvel's M.O.D.O.K. und Hit-Monkey.

Manche davon galten eine Zeit lang als Teil des MCU, manche wurden spĂ€ter Teil desselbigen und bei manchen davon herrscht Unklarheit, wie sie reinpassen. Allerdings hat spĂ€testens die Multiverse-Saga alle TĂŒren geöffnet, dass diese Stoffe nebeneinander existieren können.
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Auf Mutantenseite gab es The Gifted sowie Legion und die sehr, sehr lose 2000er Marvel-Beteiligung „Mutant X“. Ganz frĂŒher auch einmal „Der unglaubliche Hulk“, die japanische „Spider-Man“-Serie oder die amerikanische Spidey-Serie „The Amazing Spider-Man“ aus den spĂ€ten 1970ern. Nur der VollstĂ€ndigkeit halber sollen auch die unzĂ€hligen Animationsserien seit den 60er Jahren nicht unerwĂ€hnt, aber hier nicht aufgezĂ€hlt sein. Als erstes Animationsserie, die im MCU verortet ist, wurde What If...? etabliert mit bislang zwei Staffeln und einer bereits bestĂ€tigten dritten Staffel sowie einem Ableger namens „Marvel Zombies“ eingerichtet. Hierbei werden alternative Geschichte der MCU-Helden und -Schurken erzĂ€hlt.
X-Tra Wurst

X-Men '97 ist ein kleiner Ausnahmefall. Das Format setzt die KontinuitĂ€t von „X-Men: The Animated Series“, die von 1992 bis 1997 lief, fort, setzt aber von vorne bis hinten auf moderne Technik, ErzĂ€hlung, Animation und ein Kreativteam mit viel Liebe fĂŒr die Vorlagen, die zwar durchaus gröĂtenteils, aber nicht ausschlieĂlich, auf dem legendĂ€ren Run von Comic-Autor Chris Claremont basieren. Aber auch Grant Morrison und einige Werke aus den 90ern, also nach Claremont, werden in einem wahnwitzigen Tempo umgesetzt. Bereits die erste Folge von „X-Men '97“ wusste zu überzeugen, wie man im Pilotreview nachlesen kann.
Manche Arcs, die in den Comics ĂŒber mehrere Titel oder Monate gestreckt wurden, werden hier in einer Episode dargeboten und es ist der QualitĂ€t wahrscheinlich sogar zutrĂ€glich, dass Beau DeMayo und sein Team diesen Weg gegangen sind. Es ist immer noch ein RĂ€tsel, warum man sich vom Showrunner getrennt hat, aber womöglich hatte Disney triftige GrĂŒnde. Vielleicht hat man sich auch selbst ins Bein geschossen, denn die Drehbuch-QualitĂ€t ist einfach so gut - und erwachsen - wie bei wenigen Superhelden-Zeichentrickserien bislang.
Happy X-Nation

Ob nun „Trial of Magneto“, X-Cutioner, Madelyne Pryor, Jean Grey, Cyclops und „Inferno“: Mr. Sinister und seine Genexperimente, Bastion und „Operation Zero Tolerance“, „E is for Extinction“ („The Name ist Gambit. Remember it!“, Zeitreisen mit Cable und Bishop, die an „Days of Future Past“ erinnern (wobei das in der Originalserie schon adaptiert wurde), Storm und Forge in „Lifedeath“ - die erste Staffel nimmt sich eine breite Palette an X-Storys vor, die so wunderbar umgesetzt wurden, dass es Woche fĂŒr Woche Appointment-TV wurde einzuschalten und dann anschlieĂend bei X und Instagram zu schauen, was fĂŒr Memes und Kommentare dazu erschaffen wurden.
Die Möglichkeiten der Animation

Das geht in dieser Bandbreite, mit diesem Pacing und vor allem dieser Epik auch nur als Animationsprojekt, weil sonst jede Folge 200 Millionen Dollar verschlingen wĂŒrde. Das „X-Men“-Revival ist somit das, was einem zur RealitĂ€t werdenden Comic nahe kommt - ein spielbares Erlebnis wĂ€re das nĂ€chstbeste, aber auch hier wĂŒrde eine Umsetzung wohl jegliches Budget sprengen und wĂŒrde eine Menge Arbeit bedeuten...
Die Ursprungsserie hatte als Samstagmorgen-Cartoon enge Regeln und BeschrĂ€nkungen, was Sprache und Inhalte anging. Ăhnlich war es auch bei „Spider-Man“, bei welchem man etwa keine Schusswaffen oder FaustschlĂ€ge einsetzen durfte. Die „Teenage Mutant Hero Turtles“ und ihre Anpassungen, was Waffen der Schildkröten angeht und die Streichung des „Ninja“ in Europa, können da auch ein Liedchen von singen...
Zudem war das Budget begrenzt und die Zeit knapp, um möglichst viele Folgen Woche fĂŒr Woche rauszupumpen. Besser hatten es da die DC-Serien von Bruce Timm, wie zum Beispiel „Batman: The Animatied Series“, „Superman“ oder „Justice League“, hinbekommen, die allein in der Animation recht konstant ablieferten.
Mehr Freiheiten, weniger BeschrÀnkungen, bessere technische Mittel

Im Jahr 2024 ist das Budget zum GlĂŒck deutlich höher, die technischen Möglichkeiten sind ganz neue und entsprechend ist ein Look vorhanden, der stellenweise den Atem raubt. Es gibt pro Folge meist mehrere Momente, die man sich als Fan einrahmen oder vom Lieblingszeichner nachmalen lassen möchte (was der Verfasser dieser Zeilen schon öfter mal gemacht hat).
Dabei setzt man auf das Beste der beiden Welten: Nostalgie durch Intro/Outro und eine kleine Zeitreise in die 90er, aber mit erzĂ€hlerischer ModernitĂ€t und aktuellen SensibilitĂ€ten, wie etwa bei der Figur Morph, die sich nonbinĂ€r gibt und ein Faible fĂŒr Wolverine hat...
Gleichzeitig muss man als Streaming-Serie fĂŒr ein Ă€lteres Publikum nicht unbedingt darauf achten, dass es zimperlich zugeht, bleibt aber in einem gewissen PG-Rahmen - also nicht so wie die Kollegen von Invincible, Diabolical oder Harley Quinn. Oder gar die hausinternen Serien Marvel's M.O.D.O.K. und Hit-Monkey. Nachtrauern kann man allerdings immer noch der 2018 abgesägten „Deadpool“-Serie von Donald Glover und FX...

Disney+ und die Marvel Studios scheinen aber, im passenden Kontext, auch Stoffen fĂŒr Ă€ltere Zuschauer nicht abgeneigt zu sein, wie eben What If...? (Stichwort „Marvel Zombies“) gezeigt hat. Hier wird ja auch ein eigener Ableger folgen und „Deadpool & Wolverine“ sowie „Blade“ dĂŒrften auch weitere Stoffe mit R-Rating im MCU nach sich ziehen. Und auch Punisher, Daredevil, Jessica Jones, Moon Knight, das Special „Werewolf by Night“ und weitere Beispiele zeigen, dass Marvel nicht immer nur FSK 12 sein muss.
Apropos „What If...?“: Auch diese Serie hat in der ersten Staffel mit dem Infinity-Ultron-Staffelbogen gezeigt, dass hier ein sehenswertes Erlebnis geschafft werden kann, was unter normalen RealverfilmungsumstĂ€nden jegliches Budget gesprengt hĂ€tte, hier aber als kurzweilige Geschichte prĂ€sentiert werden konnte (Ausführliche Reviews zur ersten Staffel „What If...?“ gibt es übrigens hier zu lesen). Zumal Marvel die Tendenz hat, manche Big Bads nur in einem Film einzusetzen und dann in den Schurkenruhestand zu schicken.
Das 90er Animated Marvel Universe lebt

Die etablierte Marvel-KontinuitĂ€t aus den 90ern kann man mit mehreren kleineren Cameos von Figuren aus den Avengers, Spider-Man, Daredevil und Co ausschöpfen, ĂŒbertreibt es dabei aber dennoch nicht mit den Gastauftritten, sondern verliert nie die Mutanten selbst aus dem Fokus. Trotzdem wĂŒnscht man sich als Fan der zeitgleichen „Spider-Man“-Serie auch hiervon liebend gerne eine solche Modernisierung...
Auch Wolverine, der in den Spielfilmen sehr prĂ€sent war, setzt man nur in wohldosierter Menge ein. Das ist alles sicherlich auch ein wenig nischig und wird nicht jedem zusagen, baut in gewisser Weise aber auf Vorwissen oder Liebe fĂŒr die „X-Men“ auf und ist dadurch ein Positivbeispiel fĂŒr Fanservice, der richtig gemacht wurde.
Das Mittel der Cliffhanger wird ebenso meisterlich eingesetzt, so dass man stets einen Drang hat, einzuschalten, um mitreden zu können, weil man sich hier womöglich so wenige Spoiler wie möglich wĂŒnscht, da das wöchentliche Veröffentlichen hier die richtige Entscheidung darstellte...
So auch beim Staffelcliffhanger, der die Teammitglieder in unterschiedliche Zeitebenen von 3000 v. Chr. bis 3960 n. Chr. katapultiert und dort schon jetzt einen vielversprechenden Arc mit En Sabah Nur aka „Apocalypse“ andeutet, der zwar auch schon im Original eine Rolle spielte, aber in den HĂ€nden dieses Kreativteams vielleicht erst sein volles Potential entfalten kann. Besonders Filmfreunde, die von Oscar Isaacs Interpretation der Figur enttĂ€uscht waren, sollten dann vielleicht bei der Fortsetzung mal einen Blick riskieren...
Die animierten âX-Menâ als Kinovorbild?

Ein letzter Gedanke, den das Internet gerne mitspinnt und fĂŒr den es diesmal sogar - meiner Meinung nach - genĂŒgend Beweise gibt, ist das Crossover zwischen MCU und dem Zeichentrickuniversum innerhalb der Multiverse-Saga. Nachfolgend könnt Ihr Euch nun daher auf Spoiler zum aktuellen Stand im Marvel Cinematic Universe und einige Spekulationen zur Phase sechs einstellen...
So war Patrick Stewards Prof. X in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ klar eine Hommage an den Cartoon-Xavier, was durch die Melodie und den gelben Hover-Rollstuhl unterstrichen wurde. Beast in der Abspannszene von „The Marvels“ sah in seinem Laborkittel ebenfalls eher aus wie die Zeichentrickversion als eine der anderen beiden etablierten Filmfiguen, die von Kelsey Grammar und Nicholas Hoult gespielt wurden.
„Secret Wars“, wie „Avengers 5, 6 oder 7“ heiĂen könnte, stellt eine perfekte Möglichkeit dar, entweder das Fox-Universum mit dem Disney-MCU kollidieren zu lassen oder eben die Zeichentrickmutanten dafĂŒr zu nutzen - je nachdem, was der genaue kreative Plan von Kevin Feige und Co ist und was fĂŒr eine Art von Reboot nach dem Ende von Phase sechs geplant ist.
Die Phasen vier bis sechs sind bislang sehr nostalgisch gefĂ€rbt und ermöglichen zahlreiche Spielereien mit Figurenvarianten. Eigentlich wĂŒrde man annehmen, dass ein frischer Start mit komplett neuer Besetzung angepeilt wird. Aber man weiĂ ja nie, denn „nostalgia is a hell of drug“... Bis dahin jĂ€hrt sich auch schon der erste „X-Men“-Film zum 25./26. oder 27. Mal. Vielleicht wartet man auch bis zum 30. Jahrestag, denn man kann es ja immer mal etwas verschieben und Marvel will eigentlich eher auf QualitĂ€t statt QuantitĂ€t setzen. Bis dahin kann man durchaus mehrfach hören, wie gesagt wird: „To me, my X-Men!“
Die erste Staffel verdient jedenfalls aus den genannten GrĂŒnden volle fĂŒnf von fĂŒnf Optic Blasts!
Hier abschlieĂend noch der Originaltrailer zur Serie „X-Men '97“, die Ihr bei Disney+ streamen könnt:
Verfasser: Adam Arndt am Sonntag, 2. Juni 2024(X-Men '97 1x10)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?