Die Pilotepisode der achtteiligen kanadischen Serie X Company führt uns in ein von den Nazis besetztes französisches Dorf. Auf dramatische Weise wird Kanadas Beitrag im Zweiten Weltkrieg beleuchtet, indem einer Gruppe von Spezialisten und Widerstandskämpfern gefolgt wird.

Der Cast von „X Company“ / (c) CBC
Der Cast von „X Company“ / (c) CBC
© (c) CBC

Das von der deutschen Wehrmacht und der SS besetzte französische Dorf Villemarie steht kurz vor der Auslöschung. Die Mitglieder der Spezialeinheit X Company versuchen fieberhaft, die Tragödie zu verhindern und den deutschen Streitkräften eine Falle zu stellen.

Wenn sie den Arm runter nimmt, schießt du!

Die Dinge in Villemarie sehen düster aus für die Bewohner. Die SS ist dem Widerstand auf der Spur und scheut nicht davor zurück, an den Bürgern ein Exempel zu statuieren. Das ruft die Mitglieder der kanadischen X Company auf den Plan, die mit Hilfe des lokalen Widerstands versuchen, gegen die Wehrmacht vorzugehen.

Währenddessen rekrutiert der Leiter des Camp X (Hugh Dillon) in Kanada ein poteztielles Mitglied für die in doppelter Hinsicht noch sehr junge Einheit. Während des Zweiten Weltkriegs existierte der streng geheime Ausbildungskomplex tatsächlich. Dort wurden sowohl kanadische als auch amerikanische und britische Spione und Spezialeinheiten gemeinsam ausgebildet.

Als das geplante Attentat auf die deutsche Führungsriege in Villemarie nicht so effektiv ausfällt wie erhofft, gilt es die verbleibenden deutschen Streitkräfte und deren Verstärkung auszuschalten. Die Einheit sprengt eine Brücke, die den Zugang zum Dorf bildet - und ihre Feinde jagt sie gleich mit in die Luft.

Dies bildet auch den dramatischen Höhepunkt, denn auch dort laufen die Dinge nicht wie geplant. Schließlich gelingt es ihnen zwar, die sich auf der einstürzenden Brücke befindenden Streitkräfte der SS zu stoppen, allerdings nicht ohne selbst den möglichen Verlust ihres Anführers zu beklagen.

Kanada und der Zweite Weltkrieg

Eine Gruppe Spezialisten hinter feindlichen Linien im Zweiten Weltkrieg? Nein, X Company ist nicht die kanadische Version der „Inglorious Basterds“, denn überzeichnete Charaktere und satirische Elemente sucht man hier vergebens. Vielmehr wird durch die kurze Anfangssequenz schnell klar, dass hier ernste Töne angeschlagen werden.

Zunächst einmal bekommt der Zuschauer, der bereits die eine oder andere kanadische Serie geschaut hat, vor allem mit Hugh Dillon (Flashpoint) und Evelyne Brochu (Orphan Black) zwei bekannte Gesichter zu sehen. Besonders letztere nimmt eine zentrale Funktion in der Geschichte ein und bildet vom schauspielerischen Standpunkt aus eine tragende Rolle. Sie darf eine ganze Palette verschiedener Emotionen abspielen, was ihr so gut gelingt, dass man sie getrost als einen der besonderen Lichtblicke der Pilotfolge bezeichnen darf.

X Company wird als emotional von seinen Charakteren getriebenes Drama angepriesen. In der Pilotepisode halten sich Action und Charakterzeichnung die Waage. Ausgewogen ist zudem auch die Darstellung der deutschen Besetzer. Es ist erfrischend zu sehen, dass man sich nicht für eine eindimensionale Zeichnung der bösen und gewissenlosen Kriegstreiber entschieden hat, sondern auch einen Charakter einführt, der zeigt, dass nicht alle einfach so als Monster zu kategorisieren sind.

Um Empathie beim Zuschauer zu wecken, greift die Serie zunächst zu einfachen, aber effektiven Methoden, die prinzipiell Garanten dafür sind, Emotionen zu wecken. Ein Kind, das zuerst von einem sadistischen Offizier gequält wird und danach auch noch in einer mitreißenden Szene seine Mutter verliert - das lässt niemanden kalt.

Der Widerstand im Dorf gerät in Gefahr. © CBC
Der Widerstand im Dorf gerät in Gefahr. © CBC

Etwas abgeschnitten vom Geschehen ist Jack Laskeys Figur Alfred in Camp X. Dementsprechend ist er zumindest für die Geschichte des Piloten relativ obsolet. Hinzu kommt auch, dass die Figur des genialen Menschen mit sozialen Problemen mittlerweile dermaßen oft verwendet wird, dass sie fast schon als neuer Archetyp im moderenen Geschichtenerzählen verzeichnet werden könnte. Es bleibt abzuwarten, wie gut er in die kommenden Episoden integriert wird.

Aus der Sicht deutscher Zuschauer ist es auch interessant festzustellen, dass sowohl Muttersprachler als auch Schauspieler dabei sind, denen man schnell anmerkt, dass sie den Text einer fremden Sprache auswendig gelernt haben.

Ob die Nazis ausgerechnet in einer so verwundbaren Position verharren mussten, kann zwar in Frage gestellt werden, doch um die den Höhepunkt mit größtmöglichem Effekt zu dramatisieren, war es aus Sicht der Autoren als Ort des Geschehens essentiell. Dabei wird alles in Ring geworfen, was Emotionen auslösen kann: Das kleine Mädchen gerät in Gefahr, der freundliche Soldat der Gegenseite opfert sich, ein Kamerad wird tödlich verwundet. Der Showdown trägt sicherlich dick auf, ist aber unter anderem dank Evelyne Brochu sehenswert. Diese glänzt zusätzlich auch in der letzten Szene, in der ihre Kameraden feiern und deren unterdrückte Wut, Aggressivität, Angst, Druck und Erleichterung gleichzeitig zu spüren ist.

Fazit

Die Pilotepisode von X Company greift tief in die emotionale Kiste und trägt dabei zuweilen etwas dick auf, unterhält jedoch über die gesamte Länge. Wer des oft in Film und Fernsehen thematisierten Feldes des Zweiten Weltkrieges nicht überdrüssig ist, bekommt mit der kanadischen Sicht der Dinge eine eher unbekanntere Seite des Krieges präsentiert. Zusätzlich bekommt man das Ganze in einer äußerst dramatischen und spannenden Verpackung präsentiert, die in ihrer Ausführung einen genaueren Blick auf das Kriegsdrama rechtfertigt.

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