Worst Week 1x01

Inhalt
Das Leben von Sam Briggs (Kyle Bornheimer) könnte so schön sein: Er und seine Freundin Mel (Erinn Hayes) haben vor kurzem erfahren, dass sie werdende Eltern sind. Bald schon wollen sie heiraten. Allein - Mels Eltern wissen von all dem noch nichts. Und bevor das Paar es ihnen erzählen kann, passiert Sam ein haarsträubendes Missgeschick nach dem anderen, so dass das Misstrauen von Mels Vater (Kurtwood Smith, That '70s Show) und Mutter (Nancy Lenehan, My Name is Earl) gegenüber dem Freund ihrer Tochter immer weiter zunimmt. Das alles steigert Sams Nervosität natürlich noch. Und so führen seine Versuche, die Schwiegereltern in spe für sich gewogen zu machen, zu noch immer größeren Katastrophen.
Kritik
Die Angst vor der Blamage in den Augen der künftigen Schwiegereltern ist der Stoff, aus dem Regisseur Jay Roach im Jahr 2000 den Kino-Welterfolg „Meine Braut, ihr Vater und ich“ mit Ben Stiller und Robert De Niro in den Hauptrollen bastelte. Das gleiche Motiv lag auch der BBC-Serie The Worst Week of My Life zu Grunde, in der Ben Miller (Primeval) gegen die Widernisse ankämpfte, die ihm in der Woche vor seiner Hochzeit zustießen.
Gemeinsam war beiden Produktionen, dass sie sich um einen wichtigen Augenblick im Leben drehten: Das erste Kennenlernen der Schwiegereltern, die letzten Tage vor der Hochzeit. Momente, in denen alles perfekt sein soll, perfekt sein muss. Genau dadurch entsteht schließlich die Fallhöhe für den komischen Helden, wenn exakt das Gegenteil von Perfektion eintritt. Es sind Momente, die ihrer Natur nach nicht wiederholbar sind. Entsprechend gab es von „Meine Braut, ihr Vater und ich“ auch nur eine Fortsetzung, in der das nicht minder bizarre Zusammentreffen von Eltern und Schwiegereltern in Szene gesetzt wurde.
Die zweite und dritte Staffel von The Worst Week of My Life drehten sich um die letzten Tage vor Geburt des ersten Kindes bzw. (unter dem Titel The Worst Christmas of My Life) um ein Weihnachtsfest. Auch so ein Moment, in dem alles immer wie am Schnürchen laufen soll. Und es bisweilen großen Spaß machen kann, anderen Leuten dabei zuzusehen, wie alles schief geht.
Der Stoff lebt von der Konzentration auf den Moment. Bereits das britische Vorbild von Worst Week hatte sich anstrengen müssen, um daraus eine Serie zu machen, die auch nur auf eine sehr begrenzte Zahl von Folgen angelegt war. Eine Serie auf einem US-Network zielt jedoch darauf ab, pro Season 22 Episoden auf den Bildschirm zu bringen - und das idealerweise über mindestens vier bis fünf Staffel, um die Serie dann erfolgreich in die Syndication verkaufen zu können.
Genau darin liegt die Schwierigkeit von Worst Week: Ein Stoff, der im Grunde nur in der Begrenztheit funktionieren kann, wird ins Unendliche ausgedehnt. Und das kann nun mal nicht gut gehen, wie man gleich am Piloten erkennt: Ohne eine wirklich fassbare oder gar zwingende dramaturgische Struktur wird Sam einfach nur von einer Katastrophe in die nächste geschickt. Diese sind zudem gegenüber dem britischen Original von jeder Geschmackssicherheit befreit worden: So pinkelt z.B. Sam während eines Stromausfalls aus Versehen auf den Geburtstagsbraten seines Schwiegervaters in spe, verschüttet in einem panischen Rettungsversuch seinen Harn auf den Küchenboden, sein Schwiegervater rutscht aus - und zieht sich eine Gehirnerschütterung zu.
Toilettenscherze waren dem britschen Original zwar ebenfalls nicht fremd. Der Witz bestand jedoch gerade darin, dass es sich - entgegen dem, was die Beobachter zu sehen glaubten - gerade nicht um Fäkalien handelte. In dieser Hinsicht bringt die US-Version also leider kaum mehr als eine Vulgarisierung zu Stande.
Ohne diesen einen wirklich großen Moment (und die Absicht von Sam und Mel, ihren Eltern von ihren Hochzeits- und Babyplänen zu berichten, kann hier im Vergleich nicht ernsthaft standhalten) dümpelt Worst Week einfach nur vor sich hin. Da können sich die Schauspieler noch so redlich bemühen. Gegen diesen einen großen konzeptionellen Fehler von Worst Week kommen sie einfach nicht an.
Fazit
Wer immer ein Problem mit Fremdschämen hat, der wird sich von Worst Week mit Grauen abwenden. Zumal die Serie aus dem beschriebenen grundlegenden Fehler heraus kaum ein komisches Potenzial aufbaut, um dem Zuschauer einen ausgleichenden Unterhaltungswert anzubieten. Insgesamt muss man Autor Matt Tarses (Scrubs), der schon die Adaption von Teachers in den Sand gesetzt hat, attestieren, dass ihm das seltene Kunststück gelungen ist, mit einer US-Serie gegen die deutsche Adaption des Stoffes, Hilfe! Hochzeit!, schlecht auszusehen. Und das will etwas heißen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 4. Oktober 2008(Worst Week 1x01)
Schauspieler in der Episode Worst Week 1x01
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