Man nehme ein Ensemble aus hübschen Menschen, positioniere sie vor einer Strandkulisse und reichere das Ganze durch romantische Verflechtungen der harmloseren Sorte und ein absehbares Happy End an. Fertig ist die neue australische Serie Wonderland.

Die Serie „Wonderland“ wird mit der Hochzeit von Dani (Jessica Tovey) und Steve (Tim Ross) eingeleitet. / (c) TEN
Die Serie „Wonderland“ wird mit der Hochzeit von Dani (Jessica Tovey) und Steve (Tim Ross) eingeleitet. / (c) TEN

Die australische Serienneuheit Wonderland begleitet das Leben von mehreren - allesamt hübschen - Menschen in einem Apartmentkomplex namens... „Wonderland“. Die verschiedenen Bewohner sind miteinander befreundet und bisweilen auch romantisch verstrickt. In der Pilotepisode finden sie sich so auch gleich auf einer Hochzeit zusammen. Die Tatsache, dass dieser soapigen Geschichte statt einigen Ecken und Kanten lieber die kleinen Komplikationen auf den Weg gegeben werden, die wir schon zu Hauf in zahllosen anderen Formaten gesehen haben, macht das harmlose Stelldichein nicht verlockender.

Die Hochzeit aus dem Bilderbuch

Wonderland ist ganz sicher nicht schlecht gemacht. Wenn Dani (Jessica Tovey) von ihrem Vater über den Strand zum Outdooraltar und Bräutigam Steve (Tim Ross) geführt wird, kann man sich kaum gegen eine Aufwallung der Wärme in der Magengegend sträuben. Wenn diese harmonische Behaglichkeit alles ist, was man sich als Zuschauer von einer Serie verspricht, kann einem dieses australische Format ohne weiteres ans Herz gelegt werden. Neben den attraktiven Protagonisten und der traumhaften Umgebung kann man sich auch an den unabwendbaren Querelen aufseiten der Brautjungfern und dem etwas gelasseneren Habitus ihrer männlichen Pendants erfreuen.

Leider wird man in keiner der Interaktionsgruppen mit etwas Ungewohntem konfrontiert. Stattdessen wird in dieser Auftaktepisode das Einmaleins der Hochzeitsklischees abgehandelt. So gibt es eine improvisierte Rede, eine viel zu teure Hochzeitstorte, die - wer hätte es gedacht - auf dem Boden landet und auch eine egozentrische Blondine namens Kristin (Christie Whelan), die allen Ernstes ein weißes (!) Kleid trägt und der Braut dann auch noch mit einem kitschigen Heiratsantrag die Schau stiehlt.

Lichtblicke

Trotz all dieser oft verwendeten und vor Klischees triefenden Bausteine wird einem erst gegen Ende des Piloten tatsächlich langweilig. Dies liegt nicht nur daran, dass man zunächst die ganzen neuen Gesichter ihren Partnern zuordnen muss. Eine düstere Andeutung über einen vielleicht verstorbenen Bruder dämpft kurzzeitig den allgegenwärtigen Glanz. Auch in dem Hauch von Ehekonflikt, den die sympathische Maggie (Tracy Mann) in die Handlung schleust, lässt sich kurzzeitig dramaturgisches Potential erahnen.

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Brautjungfer Grace (Brooke Satchwell) und dem attraktiven Latino Carlos (Glenn McMillan) anbahnt, hätte man zwar schwer nicht kommen sehen können. Doch immerhin kann Carlos einen der ganz wenigen Schmunzler beisteuern, indem er seinen Nachnamen „Dos Santos“ frei mit „sex god from South America“ übersetzt.

Tom (Michael Dorman
Tom (Michael Dorman

Der Vertrag

Der „große“ Konflikt, der der Serie ihre Richtung geben wird, ist bedauerlicherweise reichlich spröde geraten. Tom (Michael Dorman) hat zum x-ten Mal eine Beziehung zu einer Mitbewohnerin angefangen, mit der er in einer WG im „Wonderland“ zusammen lebte. Weil es sich dabei um die egozentrische Kristin handelt und der junge Mann - ganz seinem bindungsscheuen Klischee verpflichtet - deren Antrag ablehnt, „ruiniert“ er die Hochzeit von Danny und Steve ein bisschen. Deswegen sehen sich seine Freunde, zu denen neben Grace auch Rob (Ben Mingay) und Colette (Emma Lung) gehören, dazu gezwungen, eine „Intervention“ zu vollziehen. Vertraglich wird auf einer Serviette festgehalten, dass Tom sein geliebtes Auto verliert, falls er sich innerhalb der nächsten zwölf Monate erneut in den Armen einer Mitbewohnerin wiederfinden sollte.

Vorhersehbare Versuchung

Auch diese hypothetische Versuchung lernen wir bereits in der Auftaktepisode kennen. Es handelt sich dabei um die kleine Schwester von Bräutigam Steve. Sie heißt Miranda (Anna Bamford) und hat Tom seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen, in der er sie stets „Pudding“ genannt hatte. Als Miranda dann verspätet auf der Hochzeit auftaucht, ist sie selbstverständlich kein Pudding mehr. Das Knistern zwischen den beiden wird so laut gedreht, dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten würde.

Fazit

Gegen einfache, gängigen Mustern entsprechende Materie aus dem Romantiksektor ist an sich nichts einzuwenden. Leider fürchten sich die Macher von Wonderland panisch vor kreativer Innovation. So kann die Serie einen zwar problemlos „berieseln“ - und den am zartest Besaiteten vielleicht sogar ein wohl kalkuliertes Tränchen abringen. Doch erquickliche Überraschungen oder alles, was unerwartet ist, beschränken sich darauf, dass im Dienste des dramatischen Effektes schon einmal die Naturgesetze aufgehoben werden. So kann Tom die flüchtende Kristin trotz seiner schnelleren Geschwindigkeit und ihrer unpraktischen Hackenschuhe einfach nicht einholen, was zum einen auf ihre telepathischen Kräfte schließen lässt und zum anderen die Namensgebung der Serie in neues Licht rückt.

Der Grundkonflikt, dass Tom ein Annäherungsverbot für Mitbewohnerinnen hat, wird die Geschichte alleine nicht vorantreiben können. Zum Glück findet sich in dem reichen Ensemble aus Charakteren die eine oder andere vielversprechende Konstellation. Und man darf nicht vergessen, dass sich Serien nach der komplizierten Einführung durch die Pilotepisode gerne noch zu neuen Höhen aufschwingen - und unerwartete Richtungen einschlagen können.

Es ist nicht weiter erstaunlich, dass das Ende dieser blank polierten Verzerrung der Realität ohne Glaskugel und fast ohne jeden Zweifel vorhergesehen werden kann. Miranda, die ja - was für ein großes, oberflächliches Glück - nicht nur lieb, sondern auch kein Pudding mehr ist, wird in Toms WG einziehen und... Aber halt, große Dramen kündigen sich an. Denn der ewigen Liebe steht ja diese vermaledeite Serviette im Wege!

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