Wolf Pack: From a Spark to a Flame - Review der Pilotepisode

© Paramount+
Das passiert
Everett Lang (Armani Jackson, Grey's Anatomy) und Bella Shepard (Blake Navarro, A Girl Named Jo) sitzen gemeinsam mit ihren Klassenkameraden in einem Schulbus, der soeben in einen der alljährlichen Großbrände im Umland von L. A. geraten ist. Die Straße ist verstopft, und die Menschen, beginnen aus Angst ihre Autos zu verlassen. Plötzlich geschieht etwas Unfassbares. Wilde Tiere stürzen in Panik aus dem brennenden Wald und scheinen wie wild über die Fahrer herzufallen. Schreie gellen, Leute sterben. Als Bella und Everett die Situation erfassen, fliehen sie auf die Straße und rennen davon. Plötzlich werden sie von Wölfen angegriffen und gebissen. Von nun an ändert sich ihr Leben schlagartig, denn sie entwickeln übernatürliche Fähigkeiten, die sie unweigerlich mit ihrem neuen Rudel vereinen werden.
Typisch Young-Adult
Wolf Pack basiert auf einer Young-Adult-Mysteryromanreihe des kanadischen Schriftstellers Edo van Belkom, die ab 2004 in vier Bänden erschien. Zusammengerechnet bringt es das Werk auf weniger als 800 Buchseiten, so dass allein schon aufgrund dieser Tatsache klar werden sollte, dass sich eine Season mit immerhin acht Folgen mit je 50 Minuten nur schwer auf Basis des ersten Bandes verwirklichen lassen dürfte. Die Geschichte fokussiert sich auf die vier High-School-Teenager Everett, Bella sowie die Zwillinge Luna Chloe Rose Robertson und Harlan Tyler Lawrence Gray, die genretypisch (man denke etwa an Serien wie The Vampire Diaries oder Shadowhunters) verdammt gut aussehen und bis ins Detail durchgeschniegelt sind. Das mag älteren Zuschauenden vielleicht ein wenig zu viel des Guten sein, passt sich aber den Sehgewohnheiten des jungen Zielpublikums an.
Die schauspielerischen Leistungen der Jungtalente, die immerhin die Hauptlast der Staffel tragen müssen, ist dabei durchaus ansehnlich, wenn auch hier und da noch ein Hauch Unerfahrenheit im Acting durchscheint. Als darstellerischen Gegenpol setzen der Serienerfinder Jeff Davis (Teen Wolf) und sein Autorenteam auf die routinierte Sarah Michelle Gellar, die allerdings in der Pilotfolge kaum zum Tragen kommt. Dennoch lassen ihre kurzen Szenen bereits erahnen, dass sie womöglich weit mehr als eine einfache Ermittlerin des LAFD (Los Angeles Fire Department) ist. So gerät der Kurzauftritt entsprechend spannend, gut so.
Jetzt das Angebot von Paramount+ entdecken
Ansehnliche Routine

Das gilt im Übrigen für den gesamten Auftakt der Mysteryserie. Zugegeben geschieht nichts, was wir in Sachen Wer-Wolf-Plot noch nicht gesehen haben oder was wir inszenierungstechnisch nicht aus artverwandten Shows kennen. Silhouetten im Rauch oder im Schatten, Brüllen und drohendes Knurren im Hintergrund, ansehnliche, wohldosierte Gore-Effekte, Mit der Handheld-Kamera aufgenommene Fluchtsequenzen, ein Klassenkamerad, der vor Everetts Augen von hinten gepackt wird und im fast übernatürlichen Tempo im Rauch verschwindet. Das sind nur einige der Versatzstücke, derer sich From a Spark to a Flame bedient, um Spannung zu erzeugen und das große Mysterium aufzubauen. Man kann kritisieren, dass die Macher zu sehr auf Nummer sicher gehen, allerdings ist Davis ein Veteran auf dem Gebiet der Young-Adult-Mystery und nutzt seine Kenntnisse entsprechen aus, was grundsätzlich nichts Falsches ist.
Das gilt auch für den narrativen Teil, der sich insgesamt als unterhaltsamer Mix aus Action zu Beginn, Einführung der Protagonisten im Mittelteil und einem neugierig machenden Plotpoint am Ende der rund 53 Minuten Laufzeit präsentiert. Zu bedenken gilt dabei, um dies noch einmal deutlich zu unterstreichen, dass sich Wolf Pack eindeutig einem jugendlichen, beziehungsweise Young-Adult-Publikum zuwendet und die Serie daher ohne Frage ihre Figuren klischiert. Wichtiger als Charaktertiefe scheint indes im Ersteindruck die Coming-of-Age-Reise, auf die sich die vier Heldinnen und Helden begeben, um herauszufinden, wer und was sie wirklich sind. Offensichtlich sind sie nicht böse, sehen sich aber Kräften gegenüber, die ihnen und vielleicht der Menschheit an sich nicht wohlgesonnen sind. Welche Art Geschichte sich aus dieser Prämisse entspinnt, bleibt abzuwarten.
Der Knackpunkt
Wie oben betont, hinterlässt der Staffelauftakt bis dahin keinen schlechten Eindruck, wenn man eine gewisse Affinität zu derartigen Stoffen hat. Das Problem der Serie liegt, abgesehen von der Klischeehaftigkeit, für die solche Serien nun einmal bekannt sind, mehr auf dem VFX- und FX-Sektor. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass die Kids am Anfang von einem Großfeuer umgeben sind, das nach und nach das ganze Umland von Los Angeles erfasst und Vororte in Schutt und Asche legt. Man müsste also davon ausgehen dürfen, dass die Macher sich mit der Visualisierung dieses wichtigen Storyelements besondere Mühe gegeben haben. Leider kommt aber nie wirklich ein Gefühl der Gefahr auf.
Der Löwenanteil des Brandes ist auffallend auffällig computergeneriert und wird offensichtlich auf einen Green-Screen geworfen. Das wirkt wenig dynamisch, weil sich das Feuer logischerweise während der Einführungssequenz weder ausbreitet, noch besonders glaubhaft auf dem Bildschirm wirkt. In den Kulissen der Vororte durften die Pyrotechniker andererseits ihr Können ebenso wenig entfalten. Mehr als ein kleines, sichtbar kontrolliertes Feuerchen hier und da und ein paar CGI-Funken waren nicht drin. Und das, obwohl es sich laut Narrativ um den größten Brand seit 18 Jahren handelt, wohlgemerkt. So etwas zerrt arg an der Immersion, was in Anbetracht des Rests ein wenig schade ist.
Über das Monsterdesign lässt sich leider ebenfalls nicht viel Gutes berichten. Weder der gegen Ende im Haus von Bella auftauchende Werwolf, noch die angriffslustige Tierwelt erfreuen das Special-Effects-verwöhnte Auge. Jedes gute Videospiel lässt seine Heldinnen und Helden heute gegen Kreaturen mit flüssigen Bewegungen und lebensechter Gestik und Mimik antreten. Warum dies hier nicht möglich ist, zumal man immerhin Sarah Michelle Gellar als Zugpferd gewinnen konnte, will sich nicht ganz erschließen.
Jetzt das Angebot von Paramount+ entdecken
Fazit

Wolf Pack macht Spaß, hat aber mit einem Hauch zu viel Routine, zu klischeehaften Figuren und mittelmäßigen Spezialeffekten zu kämpfen. Trotzdem macht der Staffel-Auftakt Lust darauf, herauszufinden, was die vier Protagonisten abseits der Tatsache, dass sie Werwölfe sind, verbindet. Wer jagt sie und warum? Und welche Rolle spielt die LAFD-Ermittlerin Kristin in der Geschichte? Fragen gibt es genug, Action, Love und Coming-of-Age sind vorprogrammiert und mit etwas Glück hält das world-building noch die ein oder andere kleine Überraschung parat. Wer also Serien wie The Vampire Diaries, Teen Wolf, oder Shadowhunters mag, darf gerne einen Blick riskieren. Dreieinhalb von fünf Werwolfkrallen.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Wolf Pack“, die nun beim Streamingdienst Paramount+ gestartet ist: