Wir Kinder vom Bahnhof Zoo: Review der Pilotepisode

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo: Review der Pilotepisode

Die Amazon-Serie erzählt die berühmte und bewegende Geschichte der Berliner Jugendlichen, die in den 1970ern in eine tragische Welt, bestehend aus Drogenkonsum, Prostitution und Elend, gezogen werden. Wie ist sie geworden?

Serienposter zu Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (c) Amazon
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© erienposter zu Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (c) Amazon

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo folgt sechs Jugendlichen aus West-Berlin, die Ende der 70er Jahre ihren Kummer mit Eltern, Lehrern und anderen „Spießern“ hinter sich lassen wollen und sich dazu in die Partyszene der Großstadt stürzen. Umgeben von Versuchungen und dem Rausch müssen sie bald feststellen, dass die Drogen nicht nur Freundschaften zerstören können, sondern in manchen Fällen direkt in den Abgrund führen.

Der Stoff basiert auf den Jugenderinnerungen von Christiane Felscherinow, die in den 70er Jahren in die Westberliner Drogenszene abrutschte und heroinsüchtig wurde. Die erste Staffel besteht aus acht circa 40-minütigen Episoden, die alle ab heute bei dem Streaminganbieter Amazon Prime Video zur Verfügung stehen.

Das passiert in der Pilotepisode von Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Hier werden erst mal die sechs Protagonisten und ihr Alltagsleben vorgestellt. Erst mit der Zeit laufen die Fäden ihres Lebens zusammen. Christiane F. (Jana McKinnon) lebt zusammen mit ihren Eltern, die in einer dysfunktionalen Ehe stecken, im 11. Stock in einem Plattenbau. Ihr Vater ist ein Versager, der kein Geld ins Haus bringt und stattdessen nur fruchtlose Berufsideen wie eine Doggenzucht hat. Seine Frau ist sehr unglücklich in der Ehe. Aus diesem Grund denkt sie auch über eine Scheidung nach - so würde sie die Last am Bein loswerden - und hat eine Affäre mit einem Arbeitskollegen.

Christiane hat keine wirklichen Freunde, weder an ihrer Schule noch sonst wo. Doch so langsam kommt sie in Kontakt mit einer ihrer Mitschülerinnen, Stella (Lena Urzendowsky). Diese hat auch kein besonders einfaches Leben, denn ihre Mutter ist Alkoholikerin, die frisch aus dem sechswöchigen Entzug zurückgekommen ist - und das, nur um sich bei ihrer Rückkehr eine Flasche Sekt zu bestellen und ihre Arbeit in der Kneipe wieder aufzunehmen, in der sie auch ihre Tochter arbeiten lässt.

Am Bahnhof Zoo trifft Christiane eines Tages auf Axel (Jeremias Meyer), der sich gerade auf dem Weg zu einem Bewerbungsgespräch befindet. Nach einigem Bitten wird ihm die Chance geboten, in der Fabrik zu arbeiten. Dort ist auch Benno (Michelangelo Fortuzzi) tätig. Mit diesem gerät er in Kontakt, da er Geld für die Operation seines Hundes braucht und Kollegen um Geld bittet. Da das gesammelte Geld nicht ausreicht, prostituiert sich Benno für eine Nacht - doch das Geld kommt zu spät. Eine Operation könnte seinen Hund Easy doch nicht mehr retten... Doch der erste Schritt in die falsche Richtung wurde damit getan. So besorgt er sich am Bahnhof Zoo Pillen, die er auch an seine Freunde weitergibt - darunter auch Axel und Christiane. Im Gegensatz zu Christiane ist Axel hier nicht zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt gekommen. Er spritzt sich bereits Heroin oder ähnlich harten Stoff.

Zu guter Letzt gibt es noch Babsi (Lea Drinda), die hier aus dem Raster fällt. Im Gegensatz zu den anderen kommt sie aus einem äußerst wohlhabenden Zuhause. Das hält sie jedoch nicht davon ab, an Ärger zu geraten und so in die Drogenszene zu schlittern: Sie scheint ihrer Mutter großen Ärger zu bereiten, weshalb sie eigentlich auf eine Schule außerhalb der Stadt geschickt werden soll, doch Babsi bleibt heimlich doch in Berlin. Nachts trifft sie auf einen gutaussehenden und mysteriösen DJ, der sofort ihr Interesse weckt, weshalb sie am nächsten Tag in die Diskothek Sound geht, in der er regelmäßig auflegt.

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So kommt Wir Kinder vom Bahnhof Zoo rüber

Die Adaption des berühmten und offenbarenden Romans von Christiane F. legt mit der Pilotepisode einen guten Start hin und überrascht positiv. In der ersten Episode dringt die Serie noch nicht in das Kernthema ein, so dass noch nicht vorherzusehen ist, wie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ mit dem äußerst sensiblen und tragischen Thema der Drogensucht umgehen wird. Ich würde mich freuen, wenn dabei auf feinfühlige Art und Weise auf die Einzelschicksale eingegangen, aber auch die Tragweite der Gesamtsituation beziehungsweise des gesellschaftlichen Versagens dargestellt wird.

Die Pilotepisode wirkt stark wie ein Prolog, bei dem an sich nicht allzu viel passiert. Die Folge erfüllt mehr die Funktion einer Darstellung des Alltags vor den Drogen - und wie sie in den Kontakt mit diesen kamen. Dabei konzentriert sich der Pilot auf die Handvoll Figuren, die in der Serie eine zentrale Rolle spielen werden. Diese kommen aus unterschiedlichen Milieus und haben deshalb auch verschiedene Gründe, zum Sound und der damit verbundenen Drogenszene zu kommen. Letzten Endes ist es hier aber auch egal, warum und wie sie dorthingekommen sind, da ihre Leben wohl alle die gleiche Wendung nehmen werden.

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Positiv hervorzuheben ist die unglaubliche Kinematografie. Diese ist sehr ästhetisch, schön und bedacht gewählt, so dass sie bei mir einen besonderen Eindruck hinterlassen hat. Abgesehen davon sticht aber auch das Produktionsdesign und das Set positiv heraus: Die Serie wirkt authentisch. Man fühlt sich durchaus in das westliche Berlin der 70er zurückversetzt.

Die Macher, die hinter der Serie stecken, kennen sich mit Verfilmungen der deutschen Geschichte aus. So waren diese bereits an Produktionen wie „Er ist wieder da“, „Unsere Mütter, unsere Väter“, SS-GB und „Mitten in Deutschland: NSU“ maßgeblich beteiligt. Das erklärt für mich auch die authentische Umsetzung der Kostüme und der Sets.

Insgesamt wurde ich schon lange nicht mehr so sehr von einer Serie positiv überrascht, die in ihrer Pilotepisode einen so überzeugenden Eindruck vermittelt - dies gilt umso mehr für eine Produktion aus Deutschland. Auch, weil ich mich für diesen Teil deutscher beziehungsweise Berliner Sozialgeschichte interessiere, werde ich mir die Serie auf jeden Fall weiter anschauen. Und Ihr?

Fazit

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo legt mit seiner Pilotepisode einen guten und überzeugenden Start hin. Dieser fühlt sich zwar stark wie ein Prolog an, die Serie beweist aber eindrucksvoll, dass dies nichts Schlechtes bedeuten muss. In der ersten Episode sticht vor allem das Visuelle überaus positiv heraus - die Inszenierung ist einfach sehr ästhetisch gestaltet.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“:

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