Wilderness 1x01

© Amazon Prime Video
Der Thriller „Wilderness - Nicht die Wildnis wird dich töten“ der Autorin B. E. Jones kam erst 2021 in die Buchhandlungen, wurde aber schon jetzt von Amazon Prime Video als Miniserie adaptiert. Das Skript zum - am Freitag, den 15. September veröffentlichten - Sechsteiler stammt von der BAFTA-Preisträgerin Marnie Dickens (Thirteen, Gold Digger), während die Regisseurin So Yong Kim (Roar, Dr. Death) die Inszenierung der einstündigen Pilotepisode namens Happily Ever After übernommen hat.
Im Auftakt der Dramaserie Wilderness lernen wir das junge Ehepaar Liv und Will kennen. Gespielt werden sie von Victoria-Star Jenna Coleman (zuletzt auch zu sehen in The Sandman und The Serpent) sowie von Oliver Jackson-Cohen, welcher vorher in The Haunting of Hill House oder „Der Unsichtbare“ auftrat. Hier muss er jetzt einen Mistkerl mimen, auf dessen Ableben wir hoffen sollen. Während sie als armes Lämmchen daherkommt, dem das Publikum ein bisschen Rache gönnt.
Ebenfalls im Ensemble mit dabei: Ashley Benson, Eric Balfour, Claire Rushbrook, Marsha Stephanie Blake, Morgana Van Peebles, Jonathan Keltz, Talia Balsam, Crystal Balint, Natalie Sharp, Geoff Gustafson und Jake Foy. Eine besonders gute Wahl gelang Dickens und Co aber beim Titelsong: „Look What You Made Me Do“ von Taylor Swift.
Worum geht's in der Serie „Wilderness“?
Die Serie nimmt sich erstaunlich wenig Zeit, in der Illusion des perfekten Eheglücks zu schwelgen. Dass Liv und Will so ein Traumpaar sein sollen, wird nur dadurch vermittelt, dass beide jung, gesund und gutaussehend sind. Gemeinsamer Humor, einzigartige Erlebnisse und andere Nebensächlichkeiten, die dabei geholfen hätten, die Figuren etwas lebendiger erscheinen zu lassen, spart man sich. So kommt der Moment, der uns den Teppich unter dem Boden wegreißen soll, auch längst nicht so schockierend wie vermutlich geplant.
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Will hat eine Affäre, was Livs Monogamie-Seifenblase zum Platzen bringt. Noch schlimmer als der Betrug selbst ist jedoch die Art und Weise, wie der untreue Mann damit umgeht. Dass er seine gehörnte Gattin für dumm genug hält, seine halbherzigen Lügen zu glauben, kann einen wirklich etwas sprachlos zurücklassen. Doch vielleicht ahnt Will schon, dass Liv so tief in ihrem Ehetraum schlummerte, dass sie gern wieder einschlafen würde. So lässt sie sich schließlich auf den verzweifelten Versuch ein, die Beziehung bei einer nachgeholten Hochzeitsreise zu retten...

Die atemberaubende Schönheit des Grand Canyons in Amerika scheint für die beiden Briten zunächst tatsächlich wie Balsam für die Seele zu wirken. Doch es dauert nicht lang, bis Liv das nächste schmutzige Geheimnis ihres Mannes aufdeckt: Offenbar trifft er seine Affäre Cara (Benson) hinter ihrem Rücken weiter. Das Ganze war also kein einmaliger Ausrutscher - und zu allem Überfluss hat er auch noch ein Beweisvideo vom Fremdgehen auf seinem Laptop liegen.
Die Eindimensionalität - oder sagen wir einfach Dummheit - hat Will als Charakter in der Serie aber nicht für sich allein gepachtet. Auch Liv fällt ein paar merkwürdige Entscheidungen, wenngleich sie natürlich etwas sympathischer daherkommt. Bei ihrer bevorstehenden Entwicklung von einer liebevollen Ehefrau hin zur kaltblütigen Killerin, deren Herzschmerz nur noch durch blutige Rache gelindert werden kann, werden aber wieder ein paar Schritte übersprungen.
Im ziemlich ungeschickten Voiceover, das die Serie braucht, um sich selbst etwas verständlicher zu machen, erklärt sie recht direkt, dass der Entschluss, ihren Mann zu töten, schon steht. Nur noch die Frage nach dem Wie ist für sie nun interessant. Wobei das Ob aus psychologischer Sicht wahrscheinlich etwas faszinierender gewesen wäre...
Wie ist es?
Die neue Amazon-Serie Wilderness schwächelt also in erster Linie mit ihren Figuren, an denen die Chefautorin Dickens und ihr Team offenbar selbst kein allzu großes Interesse zu haben scheinen. Jenna Coleman und Oliver Jackson-Cohen können nichts dafür, dass ihre Rollen so wenig hergeben. Die Story an sich dürfte viele Zuschauer:innen trotzdem packen, denn man rätselt ja auch selbst heimlich mit, wie man in der Wildnis den besten tödlichen Unfall arrangieren könnte. Und die schönen Naturaufnahmen sind auch nicht zu verachten.
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Wenn man also inhaltlich eher mit moderaten Erwartungen an die Miniserie rangeht und vielleicht auch eine Schwäche für die beteiligten Stars hat, dürfte „Wilderness“ also ein netter Wochenend-Binge werden. Und wie gesagt: Immerhin slappt der Introsong von Taylor Swift. Obwohl dieser dummerweise auch genau an die Prise Ironie erinnert, die hier fehlt. Man könnte das alles ernster nehmen, wenn wir ab und zu ein zwinkerndes Auge erkennen würden. Drei von fünf Klippen.
Hier abschließend noch der Trailer zur auch hierzulande gestarteten neuen Amazon-Serie „Wilderness“:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 15. September 2023Wilderness 1x01 Trailer
(Wilderness 1x01)
Schauspieler in der Episode Wilderness 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?