Wild Republic: Review der Pilotepisode - Grün ist das neue Blau?

Wild Republic: Review der Pilotepisode - Grün ist das neue Blau?

Wunderschöne Bilder, eine Erzählstruktur im Lost-Stil und junge Straftäter und Straftäterinnen in den Südtiroler Bergen: Ist Wild Republic der neuen deutsche Young-Adult-Hit oder kann man sich die Bergwanderung sparen?

Wild Republic
Wild Republic
© MagentaTV

Young-Adult-Serien boomen momentan in der deutschen Serienbranche. Nachdem jahrelang kolportiert wurde, dass junge Menschen nur YouTube-Videos schauen oder TikTok-Tänze einstudieren, hat man auch hierzulande eingesehen - nach den Erfolgen des US-Streamingdiensts Netflix auf dem Gebiet der Serien für Teenager und junge Erwachsene -, dass diese auch in Deutschland gerne Serien konsumieren. Dies führt derzeit zu einer wahren Flut an deutschen Serienproduktionen mit jungen Erwachsenen im Zentrum, wie zuletzt auf der Berlinale Series 2021 wahrgenommen.

Worum geht es in Wild Republic?

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter soll auf einer erlebnispädagogischen Maßnahme inmitten der österreichischen Alpen ihren Sinn für Solidarität und Gemeinschaft stärken. Begleitet werden sie dabei von der Sozialarbeiterin Rebecca (Verena Altenberger), einigen starken Sicherheitstypen und einem Bergführer. Im Mittelpunkt des Auftakts von Wild Republic steht jedoch die junge Kim (Emma Drugonova), die schon in den ersten Interaktionen mit ihren Mitstraftätern als recht taffe und kompetente junge Frau daherkommt. Die eingeschmuggelten Drogen der Mitstraftäterin Jessica lässt sie verschwinden und auch den unangenehmen Avancen der anderen Programmteilnehmer kann sie sich gekonnt erwehren.

In der ersten Nacht kommt es im Zeltlager am See zu einem unübersichtlichen Mord an Bergführer Baumi und die jugendliche Gruppe flieht in die Wildnis der Berge. Die Sozialarbeiterin haben sie dabei gefesselt mitgenommen. Der undurchsichtige Teamleiter Lars Sellien (Franz Hartwig), mit dem sie am Anfang des Trips in Kontakt stand, macht sich derweil von Köln auf den Weg nach Südtirol.

In Rückblicken erfährt die Zuschauerschaft jedoch, dass Kim in prekären Umständen aufwuchs und durch die Beziehung und Liebe zu Freund Atilla in die Zwangsprostitution abgerutscht war. Der Schutz ihres Bruders führt dazu, dass sie gegen die kriminellen Machenschaften ihres Freundes nicht aussagt und somit wohl in dem Resozialisierungsprogramm landet.

Du musst keine Nutte sein

Der Pilot von Wild Republic ist flott und modern erzählt. Die kreativen Köpfe hinter der Serie gehen außerdem von einer intelligenten Zuschauerschaft aus, die in der Lage ist, Rückblicke ohne genaue Datumsangaben zu verstehen und sich Zusammenhänge selbst zu erklären. Dabei werden diverse Fährten ausgelegt, die (hoffentlich) in späteren Episoden die Gesamthandlung genauer erklären. Warum wusste creepy Justin (Bela Gabor Lenz) so viel über Kim? Was haben die Jugendlichen genau verbrochen? Wieso sind Lars und Rebecca so merkwürdig zueinander? Und wer hat den Bergführer umgebracht und warum? Wenn sie eine Republic aufbauen, wie wird diese aussehen?

Bei den Dialogen hätte man durchaus noch etwas mehr Augenmerk auf die Authentizität der Jugendlichen setzen können, wobei fast der gesamte Cast hervorragend miteinander harmonisiert. Die beeindruckenden Außenaufnahmen verstärken hierbei den Realismus, auch wenn mancher Dialog, wie angedeutet, dann doch etwas konstruiert klingt oder einige Klischees bedient werden. Nachtaufnahmen sind dunkel gehalten und nicht durch artifizielle Lichtquellen aufgehellt. Schöne grüne Lichtfilter und ein wunderbarer Score kommen zum Einsatz für den sehr positiven handwerklichen Eindruck des zweiten MagentaTV-Originals nach Deutsch-Les-Landes.

Szenenfoto aus der Serie Wild Republic
Szenenfoto aus der Serie Wild Republic - © Luis Zeno Kuhn, Lailaps Pictures GmbH - X Filme Creative Pool GmbH

Fazit

Wild Republic beeindruckt mit einer atemberaubenden und bombastischen Bergkulisse der Tiroler Alpen. Wunderschöne Kamerafahrten, tolle Nachtaufnahmen und eine aufwändige Produktion haben den Cast und die Crew an den Rand des in Deutschland Möglichen gebracht. Eine zweimonatige Unterbrechung aufgrund der Corona-Pandemie und ein signifikanter Finanzierungsnachschub waren unter anderem nötig, um das Projekt von Lailaps Pictures, X Filme Creative Pool, Deutsche Telekom, arte, WDR, SWR, ONE und handwritten Pictures an den Start zu bringen.

Der Ansatz, die Geschichte der Straftätergruppe in der Lost- oder Skins-Abfolge zu erzählen, sich somit in jeder Episode auf die Hintergrundgeschichte eines Straftäters zu konzentrieren, war lange überfällig in der deutschen Serienbranche und ist sinnvoll gewählt. Leider schafft es das Team der Autoren im Piloten noch nicht, diesen Hintergrund von Kim vollends glaubwürdig zur Charakterbildung zu formen. Der schnelle Abstieg in die Prostitution und die verwirrende Verstrickung in den Menschenhandel wirken zu plötzlich. Gepaart mit dem konfusen Mord an dem Bergführer und dem merkwürdigen Beziehungsdrama zwischen Rebecca und Lars lässt das die Rezensentin etwas ratlos zurück. Lobenswert ist in diesem Zusammenhang jedoch zu erwähnen, dass den Protagonisten sehr viel Raum zur Entfaltung geboten wird und nicht permanent Informationsmonologe abgeliefert werden müssen, wie es leider immer noch in unzähligen Serien geschieht.

Wenn die weiteren Hintergrundgeschichten interessante und ungewöhnliche Charakterentwicklungen aufzeigen und das Bergdrama weiter Spannung generiert, könnte sich Wild Republic als sehr sehenswert herausstellen.

Die acht Episoden der ersten Staffel der Serie Wild Republic sind ab dem 15. April in wöchentlichen Doppelfolgen auf MagentaTV im Stream abzurufen. Ab dem Frühjahr 2022 wird die Staffel dann auch bei den Koproduzenten arte und bei Das Erste zu sehen sein.

Hier abschließend noch der Trailer zur morgen neu anlaufenden Serie „Wild Republic“ auf MagentaTV:

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