Why Women Kill 1x10

© romobild zur 1. Staffel von Why Women Kill / (c) CBS All Access
Die schrille, bunte Serie Why Women Kill erzählt von drei Frauen, die in drei Generationen, in einem Haus wohnen. Dabei erfahren alle Frauen, dass ihr Mann sie in der ein oder anderen Weise betrogen hat und sie planen sich zu rächen. Fortan beginnt ein Prozess der Abkopplung, der Emanzipation und der Rache. Sie gehen nun ihren eigenen Weg, abgekoppelt von ihrem Ehemann und wollen sich gleichermaßen an ihm rächen. Dabei lassen sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen den Leben, den Ehen, der Einstellung zur Liebe und der Ehe der Frauen finden.
Darum geht's in (der 1. Staffel von) Why Women Kill
Die Serie folgt drei Frauen und ihrem Leben mit ihren Ehemännern:
1964: Das Ehepaar Stanton führt ein traditionsgemäßes Eheleben der 60er Jahre. Beth Ann (Ginnifer Goodwin,Once Upon a Time) steht vor dem Herd und Rob (Sam Jaeger,Parenthood) bringt die Brötchen nach Hause. Beide sind solange mit ihren Rollenverteilungen zufrieden bis Beth Ann von seinem Ehebruch erfährt. Da fängt sie an ihre Rolle in Frage zu stellen: Ihr ganzes Leben ist auf ihren sie betrügenden Mann ausgerichtet. Sie entschließt sich dazu seine Affäre zu beenden, indem sie die Diner-Kellnerin konfrontiert. Als sie dort ist, kommt ihr eine andere Idee: Sie will sich mit ihr anfreunden und so ihren Einfluss nutzen, um ein Keil zwischen die Beiden zu treiben.
Ihr Plan scheint aufzugehen, als die Affäre der beiden durch ein Liebesgeständnis seitens Aprils (Sadie Calvano) zu einem abrupten Ende kommt. Doch April ist schwanger und Beth Ann weiß, dass das das Ende ihrer Ehe bedeuten wird, denn Rob wünscht sich seit dem Tod seiner Tochter vor zwei Jahren nichts sehnlicher als erneut Vater zu werden. Somit erfindet sie eine tödliche Krankheit, damit Rob ihr beisteht. Als dieser jedoch von Aprils Schwangerschaft erfährt, macht er ihr einen Heiratsantrag - in der Annahme, dass seine Frau sowieso in einem halben Jahr unter der Erde sein wird.
Die Strapazen, die Beth Ann in den letzten Wochen durchmachen musste, erreichen einen Höhepunkt, als sie durch Robs Sekretärin erfährt, dass nicht sie selber für den Tod ihrer Tochter verantwortlich ist, sondern ebendiese Frau und Rob das all die Jahre wusste. Anstatt ihr Leid zu mindern, hat er ihr den Tod der Tochter all die Zeit vorgehalten. Das kann sie ihm nicht verzeihen und sie beschließt ihrem Ehemann den Tod zu bringen: Der eifersüchtige und gewalttätige Ehemann nimmt an, dass Rob eine Affäre mit seiner Frau hat, woraufhin er Rob attackiert und nach einem Gerangel erschießt er schließlich Rob. Davor gab sie ihrem Mann aber noch die Chance endlich reinen Tisch zu machen, doch er ist seinen alten Mustern treu geblieben und gelogen. Das war sein Todesurteil.
1986: Simone Grove (Lucy Liu) ist eine exzentrische und reiche Frau, die sich als Philanthropin bezeichnet, viel Wert auf die Meinung anderer (über sie) legt und gerne beliebt ist. Als sie herausfindet, dass ihr (bisher dritter) Ehemann Karl (Jack Davenport) etwas mit einem Mann hatte, stellt sie ihn zur Rede und macht kurzen Prozess: Sie will sich scheiden lassen, jedoch erst, wenn die Hochzeit ihrer Tochter vorüber ist, um den Ruf wahren. Kurzerhand beginnt sie eine Affäre mit dem 18-jährigen Nachbarsjungen Tommy, dem Sohn ihrer besten Freundin. Dieser gibt ihr die notwendige Zuwendung und Liebe, die sie gerade so dringend benötigt.
Die Beziehung mit ihrem Mann ist äußerst kompliziert. Sie leben von dem und lieben das Drama. Sie führen eine sehr leidenschaftliche Beziehung, bei der spürbar ist, dass sie eine ganz besondere Bindung zueinander haben. An erster Stelle sind sie beste Freunde, die zwar manchmal toxisch füreinander sind, doch meistens nur das Beste füreinander wünschen. So überwindet Simone ihre Verletzung und vergibt ihm, da ihr bewusst wird, dass er sich sein Schwulsein nicht ausgesucht hat. Schließlich ermöglicht sie es ihm eine heimliche Liebesbeziehung mit der Liebe seines Lebens zu führen. Doch sein Glück währt nicht lange. Er infiziert sich mit AIDS. Da zögert Simone nicht lange und steht ihm zur Seite: Sie verkauft ihre Lieblingswerke, um seine Behandlungen bezahlen zu können und unterstützt ihn, wo sie nur kann. Schließlich beendet sie auf seinen Wunsch hin sein Leiden, nachdem sie einen letzten leidenschaftlichen Tango getanzt haben. Das ist ihr ultimativer Liebesbeweis, dass er die Liebe ihres Lebens ist. Er bringt ihre großzügige und herzliche Seite zum Vorschein.
In der Zwischenzeit erfährt Tommys Mutter, was Simone mit ihrem Sohn angestellt hat und sinnt auf Rache. Dieser macht sich nach seinem Abschluss auf den Weg nach Europa - entgegen dem Plan fährt er ohne Simone, da sie es für wichtiger erachtet ihrem kranken Mann beizustehen als mit ihrem Liebhaber durch Europa zu reisen.

2019: In der Beziehung von Taylor (Kirby Howell-Baptiste) und Eli (Reid Scott) hat Taylor die Hosen an. Sie ist bisexuell und da sie beide Sexualitäten ausleben möchte, führen sie eine offene Ehe. Ihre Beziehung läuft schon seit zwei Jahren nicht mehr so rund: Zu dem Zeitpunkt hatte Eli seinen ersten (und letzten) großen Erfolg mit seinem Drehbuch zu „Jenny from Yesterday“. Das Werk ist seiner Meinung nach jedoch nur so großartig geworden, weil er da unter Drogen stand und will weiterhin auf sein Erfolgsrezept setzen. Seine Frau, die eine erfolgreiche Anwältin ist, zwingt ihn zu einem Entzug. Die nächsten zwei Jahre versucht er vergeblich ein Drehbuch ohne Drogen zustande zu bringen.
Als Taylor die Regeln bricht und ihre neue Affäre, die wunderschöne Jade (Alexandra Daddario), mit nach Hause bringt, droht ihre Ehe auseinanderzubrechen: Diese treibt ein Keil zwischen die beiden, ohne, dass diese etwas mitbekommen. Als Jade einen Durchbruch beim Drehbuchschreiben mit Eli erreicht, wird Taylor eifersüchtig, dass ihm das ausgerechnet nun mit ihr gelingt. Zudem verführt Jade ihn (erneut) zu den Drogen - ohne sich den Konsequenzen bewusst zu sein, da sie nicht von seiner Drogenvergangenheit weiß.
Dass mit Jade etwas wahrlich nicht stimmt, bemerkt man spätestens dann, als sie nichts gegen Elis Drogensucht unternimmt und diese sogar noch unterstützt. Schließlich entpuppt sie sich als wahre Psycho-Braut, die ihren Ex-Freund umbringt und auch versucht Eli zu töten. Dabei handelt sie aus einem psychotischen Schub heraus. Ihre wahre Identität wurde enttarnt. Sie hat Angst, dass sie ihre „neue Familie“ dadurch verliert und wenn sie nicht mit ihnen zusammen sein kann, muss sie sie eben töten - so ihre Logik.
Die Handlungsstränge
Why Women Kill erzählt im Großen und Ganzen von Emanzipation und dem Aufbruch der strengen, konservativen und traditionellen Konstrukten der Ehe. Sie erzählt davon, wie sich die Ehefrauen von ihren Ehemännern freimachen und sich ein eigenes Leben und einen eigenen Lebenssinn kreieren. Die drei Protagonistinnen entwickeln sich zu willensstarken, selbstständigen und individuellen Frauen und Charakteren. Dabei fällt schon zu Beginn auf, dass es zwischen den einzelnen Generationen massive Unterschiede in dem Eheleben gibt. So ist natürlich das Eheleben der 60er das traditionellste und konservativste, wodurch diese Ehefrau die größte Entwicklung durchmacht. Wohingegen das Eheleben der 80er bereits einige Freiheiten genießt (schwuler Ehemann, dem beigestanden wird) und das aktuelle Paar eine sehr moderne Sicht auf die Ehe vertreten, indem sie eine offene Ehe führen und die Frau im Grunde die Alleinverdienerin ist. Eben letzter Punkt führt jedoch auch zu einem Konflikt in der Ehe, weil hier weder der Mann die finanzielle Macht besitzt noch ein finanzielles Gleichgewicht herrscht.
Dieses Grundkonzept der Serie finde ich äußerst spannend und die Entwicklung, die die Frauen, aber auch manche Männer durchmachen, ist gut inszeniert. So werden durch die Parallelisierung der verschiedenen Generationen immer wieder Vergleiche gezogen, die einem die unterschiedlichen gesellschaftlichen Normen der Zeit vor Augen führen.
Trotz dieser spannenden Prämisse, wie die Ehefrauen sich entwickeln und wie sie mit dem Verrat ihrer Ehemänner umgehen werden, konnten die einzelnen Geschichten doch nicht genügend Spannung aufbauen. Dafür wirkten sie zu losgelöst voneinander, die einzelnen Ereignisse zu unbedeutend und zu konstruiert. Sie erschienen überzogen und oftmals auch unlogisch. Zum Beispiel vergibt Eli auf einmal seiner Ehefrau für die Kontrolle, die sie auf ihn ausgeübt hat und willigt in einen Entzug ein. Hier findet keine Entwicklung statt, die zu dieser Entscheidung führt, sondern (ausgelöst durch die Enthüllung der wahren Identität Jades) er ändert von jetzt auf gleich seine Einstellung. Zudem ist die Entscheidung Tommys sich ein Tattoo von Simones Gesicht auf dem Bein verewigen zu lassen, doch sehr irrational und schlichtweg dumm, wenn man bedenkt, dass ihre Beziehung geheim bleiben soll. Auch die Überreaktion der Mutter ihre beste Freundin umzufahren, weil sie mit ihrem Sohn schläft, erscheint schlichtweg übertrieben.
Desperate Housewives
Doch hier komme ich auch schon an meinen nächsten Punkt: Why Women Kill erinnert sehr stark an Desperate Housewives. Diese Ähnlichkeit rührt nicht von irgendwoher, denn Marc Cherry zeichnet für beide Dramedies verantwortlich. Seine Federführung ist in beiden Serien deutlich erkennbar. So bekommen wir es erneut mit dem scheinbar perfekten Vorstadtleben zu tun, das nicht so friedlich ist, wie es den Anschein hat und aus der Sicht der Frauen erzählt wird, die versuchen die Konstrukte der Ehe aufzubrechen. Dabei entsteht viel (Melo-)Drama, das oftmals überspitzt und unlogisch wirkt, aber stets eine urkomische und amüsante Wirkung hat. So kommt es des Öfteren zu Dramen, die eskalieren und zu verheerenden Enthüllungen führen, was immer wieder für einen Lacher gut ist.
Cherry kreiert hier zudem Charaktere mit Biss, die alle auf ihre eigene Art unterhaltsam sind. Dabei erinnert Beth Ann an die (zu Beginn) steife Bree und Simone ähnelt der extravaganten und leidenschaftlichen Diva Gaby. Hier werden außerdem immer wieder Klischees bedient, die an manchen Stellen auch wieder aufgebrochen werden. Somit sei diese neue Serie jedem ans Herz gelegt, der sich einen modernen Ersatz für Desperate Housewives sucht.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf weiß man, was man erhält, wenn man sich diese Serie anschaut. Sie ist nicht besonders schlau oder gerissen. Sie macht es sich oft zu einfach. So läuft auf einmal die Ehe zwischen Beth Ann und Rob wieder, die Misshandlung der Nachbarin wird dafür missbraucht, dass sie am Ende der Ausweg aus der Situation ist. Why Women Kill stellt also im Großen und Ganzen eine seichte Unterhaltung dar, die gar nicht den Anspruch hat mehr als das zu sein. Doch manchmal braucht man genau so eine Serie. Wenn man also darüber hinwegsehen kann oder sogar danach sucht, bekommt man eine äußerst unterhaltsame Serie und wenn das, das ist, was man sucht, dann ist jeder zufrieden. Die Erwartungshaltung ist hier also entscheidend.

Das gelingt der Serie gut
Trotz der vielen Kritik, kann man sich die Serie durchaus ansehen und genießen. Für mich war sie sehr unterhaltsam. Sie hat typische Desperate Housewives-Unterhaltung geboten. Viel Drama, welches oftmals übertrieben daherkommt, jedoch genau dadurch ihren Unterhaltungswert erhält.
Sie ist quietschig bunt, schrill und laut. So sind sowohl die Frauen in den farbenfrohsten und wunderschönsten Outfits herum, die ein wahrer Augenschmaus sind. Doch auch die unterschiedlichen Sets repräsentieren die Generation, in der sie spielen auf beste und schönste Weise, sodass die Serie auch audiovisuell eine wahre Freude ist.
Doch auch die Figuren selber sind unterhaltsam, denn Lucy Liu hat einen äußerst exzentrischen Charakter und Ginnifer Goodwin wirkt oftmals sehr verrückt - auf eine amüsante Art. Dieses wird in Alexandra Daddarios Rolle auf die Spitze getrieben. Sie krönt das Verrücktsein. Dabei strahlen ihre Augen diese kranke Psyche auf perfekte und perfide Weise aus. Im Gegensatz dazu vermittelt das Ginnifer Goodwin mit einem scheinheiligen, übertriebenen und leblosen Lächeln. Das Schauspiel von Lucy Liu und Jack Davenport ist auch sehr gut und ihre Storyline hält die wohl mitreißendste und einfühlsamste Geschichte bereit.
Zudem spielen in der Serie viele bekannte und sympathische Gesichter mit: Darunter befinden sich Ginnifer Goodwin (Snow White aus Once Upon a Time), Lucy Liu (Joan Watson aus Elementary), Alexandra Daddario (True Detective), Sam Jaeger (Parenthood), Reid Scott (Veep), Analeigh Tipton (Crazy Stupid Love) und Scott Porter (Hart of Dixie).
Es ist außerdem schön so diverse Figuren in einer Serie zu sehen. So gibt es bisexuelle und homosexuelle Figuren und afroamerikanische und asiatische Protagonistinnen. Diese Frauen sind in Interracial Beziehungen. Dieser Umstand wird zwar nicht weiter thematisiert, doch diese Inklusion und diese Diversität begrüße ich sehr.
Das Ende
Die finale Episode verdient eine besondere Erwähnung. Immer wieder wurden im Laufe der Staffel die verschiedenen Generationen durch eine Montage parallelisiert, sodass die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Leben der Frauen zur Schau gestellt wurden. Diese Inszenierung erreicht im Finale ihren Höhepunkt. Dort werden die Storylines nicht nebeneinander, sondern ineinander gestellt. Sie werden in einem Bild vereint, wo sich die drei Generationen treffen und beinahe kollidieren. Alle finale Handlungsmomente vereinen sich hier in einer wundervollen Poesie.
Nicht nur auf der Ebene der Inszenierung, sondern auch auf der der Handlung gefällt mir das Finale von Why Women Kill besonders gut: Hier werden die Handlungsstränge zu einem Ende gebracht, es wird ein Blick in die Zukunft der Frauen geworfen und es gibt einen Desperate-Housewives-Touch, der das Schicksal des Hauses mit einem Augenzwinkern weiterführt.
Die Anthologie-Serie Why Women Kill geht in eine zweite Runde. Die komplette erste Staffel ist im exklusiven Streaming-Angebot von TV Now verfügbar.
Fazit
„Why Women Kill“ ist bei weitem keine perfekte Serie. Sie hat ihre Fehler, die vor allem in den undurchdachten und überspitzten Handlungen zu finden sind. Abgesehen davon weiß die Serie aber zu unterhalten und zu überraschen. Dabei wartet sie mit einem spannenden Konzept auf (die Emanzipation der Frau und der Bruch mit Gesellschaftsnormen) auf, die stellenweise gekonnt gebrochen werden, jedoch nicht so stark behandelt werden wie erwartet.
Verfasser: Maike Karr am Sonntag, 26. Juli 2020(Why Women Kill 1x10)
Schauspieler in der Episode Why Women Kill 1x10
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