White Sands: Review der Pilotepisode

© er Cast der Serie White Sands auf einem Serienposter (c) TV2 DK
Eins wird schnell deutlich: Die Autoren der dänischen Krimiserie White Sands halten sich an die Regeln: Zwei Ermittler, die gegen ihren Willen als Liebespaar undercover gehen müssen, sollten unmittelbar vor der Verkündung des unseligen Auftrags einmal richtig aneinander geraten. Damit es auch gleich deutlich wird, dass sie sich noch vor der vierten Episode ineinander verlieben werden. Ob die Serie die Klischeeschlacht an anderer Stelle mit herausragender Qualität auffangen kann, könnt Ihr hier erfahren.
Wovon handelt die Serie White Sands?
Jimmy ist ein echt eleganter Gangster im teuren Anzug, quasi direkt aus dem „Bond“-Universum gesprungen. Er steht kurz davor, seiner aktuellen Liebe in einem Nobelrestaurant einen Diamantring zu überreichen. Doch statt einem zart gehauchten Ja bekommt er seine Rechte vorgebetet. Denn die hübsche Blondine im knallroten Kleid ist eine verdeckte Ermittlerin. Und, Überraschung, sie ist es, die wir weiterhin begleiten werden: Helene Falck (Marie Bach Hansen), die Geheimwaffe der dänischen Polizei, wenn es darum geht, sich ins Milieu einzuschleichen. Diese Fähigkeit hat sie aus einer lieblosen Kindheit mit einer egoistischen Mutter gewonnen und glücklich macht es sie nicht, aber erfolgreich eben schon. Dafür wird sie von ihrer Vorgesetzten Ellen (Bodil Jorgensen) wie eine Profisportlerin trainiert. Der nächste Einsatz steht nämlich schon wieder bevor.
Dieses Mal geht es in einen kleinen Küstenort. Doch, bevor es so weit ist, lernen wir noch ihren neuen Partner kennen, Thomas Beckmann (Carsten Bjornlund). Thomas ist ein deutscher Ermittler, den wir auf dem Sofa schlafend in einer mit Aschenbechern dekorierten Wohnung treffen. Doch auch er wird schnell hofiert, in seinem Fall von einer Politikerin, die den Mörder ihres Bruders finden will. Dennoch: Thomas hat erst eine Verabredung mit seiner Frau, auf dem Friedhof, wie wir schnell in einer voraussehbaren Wendung feststellen. Immerhin versuchen die Drehbuch-Autoren nicht zu verschleiern, dass sie die Fakten und düsteren Geheimnisse für uns zügig und ohne störendes intellektuelles Beiwerk abarbeiten. Könnte ja noch jemand nachdenken müssen - das muss ja nicht sein...
Es geht in die erste Runde, Thomas und Helene treffen sich auf dem Parkplatz, auf dem sie sich direkt und in Unwissenheit, wen sie vor sich haben, miteinander anlegen. Wer am Ende die Oberhand behält, ist unklar, deutlich wird aber, dass wir es mit zwei sturen Dickschädeln zu tun haben. Nun, wohl oder übel müssen die beiden jetzt eben zusammenfinden. Das geht natürlich über die eine Gemeinsamkeit, die wir von Anfang an gesehen haben: Sie brennen für ihren Beruf und wollen die Besten sein.
Das wiederum geht ab sofort aber nur, wenn man ihnen das Liebespaar abnimmt. Denn in ihrer neuen Heimat, dem verschlafenen Küstenort Hvide Sande, müssen sie einen Mord aufklären, der sich nun zum ersten Mal jährt. Ein deutscher Tourist wurde tot im Hafenbecken aufgefunden, die Hintergründe sind immer noch unklar. Doch die Polizei ist sich sicher, dass die Einheimischen mehr wissen, als sie zugeben wollen. Nun soll das sympathische Paar den Lokalen das eine oder andere Geheimnis aus der Nase ziehen.
Der Start in die Mission läuft - natürlich - alles andere als glatt. Statt im gemütlichen Sommerhaus landen sie zwangsweise auf dem Campingplatz. Im engen Wohnwagenbett wird dann auch noch eine Spinne aufgefunden und das war es dann auch mit der Nachtruhe. Immerhin findet Thomas auf seinem Beruhigungsspaziergang direkt am Fundort der Leiche eine seltsame Party vor, während Helene sich aufmacht zum Leuchtturm. Wir verlassen die beiden stilecht für einen Krimi dieses Kalibers: in potentieller Lebensgefahr, ohne jedoch einen Moment wirklich Sorge haben zu müssen, dass unsere Hauptdarsteller vor der ersten Klappe das Zeitliche segnen könnten.
Wie kommt es rüber?
Was die Drehbuch-Autoren von White Sands uns an Klischeeschleudern zumuten, reicht der dänischen Serienmacherriege nicht zur Ehre. Aus dem Land sind wir schon so viel Starkes gewöhnt, dass die Fallhöhe natürlich besonders hoch ist. Dafür können Helene und Thomas nichts, die uns ja vor allem nur harmlos-leicht unterhalten wollen. Dabei treffen sie einen Sweet Spot, der weder zum Fremdschämen noch zum Nachdenken anregt. Durch eine bis zwei Episoden der dänischen Serie kommt man ganz bequem, während weitere, leichte Abendtätigkeiten durchaus Platz finden.
Was auf der Positivseite zu verbuchen ist, ist die Chemie zwischen den beiden zentralen Darstellern. Für die kann man schon am Ende der ersten Episode gegen jede Wahrscheinlichkeit die Daumen drücken. Sowohl, dass sie den Fall knacken, als auch dass sie zueinander finden. Was sie vermutlich wohl auch beides tun werden, wenn man von der Vorhersehbarkeit der Pilotepisode auf das Staffel-Finale schließen kann...
Ebenfalls gut umgesetzt ist in den ersten Episoden immerhin die Gemeinschaft des Städtchens, in der jeder natürlich eine offensichtliche und eine versteckte Stellung innehat.
Für einen Binge-Abend, an dem Abschalten höher als Anregen geschrieben wird, bietet sich die Serie durchaus an. Etwas Krimi, etwas Romantik, etwas Skandinavien-Flair - das, was sie offenbar ausgezogen sind zu erreichen, machen die Serienmacher durchaus solide.
Ab sofort ist White Sands in der ARD-Mediathek zu streamen.