White Famous 1x01

© ay Pharoah (r.) und Jamie Foxx in „White Famous“ / (c) Showtime
Es ist ein beliebter Trend in der jüngeren Geschichte des TV-Genres Comedy, der in den letzten Jahren Aufwind erfahren hat: Man nehme einen talentierten Bühnenkünstler, der sich bereits in diversen Comedyclubs und/oder Specials beziehungsweise Sendungen bewiesen hat, stellt ihm oder ihr ein paar fähige Leute aus dem Fernsehgeschäft an die Seite und hofft, dass dabei eine Erfolgsgeschichte wie zum Beispiel Louis C. K.s Louie oder auch Pamela Adlons Better Things dabei herauskommt. Wobei es sich bei diesen beiden Kandidaten sicherlich um besondere Vertreter ihrer Zunft handelt, von denen eine erstaunliche kreative Energie und ein beeindruckendes Engagement ausgeht, während sie bei FX die perfekte Heimat für ihre Ideen gefunden haben.
Aber dann gibt es eben auch Beispiele wie den monströsen FOX-Flop Mulaney, von und mit Jungkomiker John Mulaney, den wohl sowohl der Sender als auch der verantwortliche Serienmacher am liebsten vergessen würden. HBO hat indes im Frühjahr 2017 mit Pete Holmes' Crashing - eine solide Serie über einen erfolglosen Comedian - zum aktuellen Trend beigetragen, während die famose Andrea Savage jüngst mit ihrem herrlichen I'm Sorry einen kleinen Volltreffer landen konnte. Die Liste kann man übrigens beliebig weiterführen mit Namen wie Aziz Ansari (Master of None), Donald Glover (Atlanta) oder Issa Rae (Insecure), allesamt sehenswerte Serien. Derartige, semiautobiografische Projekte scheinen in jüngster Zeit einfach einen Nerv bei vielen Senderverantwortlichen zu treffen.
Comedy is not kind
Das Subgenre „Comedian Goes TV“ boomt derzeit, denn im amerikanischen Raum gibt es ausreichend einzigartige Stimmen, die unterhaltsame und relevante Geschichten erzählen können. Ob Showtimes Neustart White Famous ebenfalls dazugehört, lässt sich nach der eher durchschnittlichen Auftaktepisode noch nicht wirklich sagen. Die Hauptrolle übernimmt hier das langjährige „Saturday Night Live“-Castmitglied Jay Pharoah (von 2010 bis 2016 mit dabei), der in der neuen Comedy von Tom Kapinos (Californication), Chris Spencer und Buddy Lewis zwar nur in gewissen Teilen seine eigene Geschichte erzählt, aber ohne Frage seine eigene, spezielle Art in die Erzählung mit einfließen lässt.
I wish I was a baller
Diese orientiert sich wiederum an den realen Erlebnissen von Koproduzent Jamie Foxx, die diesem als afroamerikanischer Schauspieler in Hollywood bis dato widerfahren sind. Pharoahs Charakter Floyd Mooney ist ein aufstrebender Stand-up-Komiker, der auf den großen Durchbruch wartet, dabei aber vor der schwierigen Entscheidung steht, was ihm sein beruflicher Erfolg wert ist und welche Opfer er dafür eigentlich bringen soll beziehungsweise vielleicht sogar bringen muss.
Zum einen sieht er sich selbst als aufgewecktes Mitglied und Sprachrohr der „Black Community“ in Amerika, deren Angehörige sich alltäglich immer wieder rassistischen Ressentiments ausgesetzt sehen. Zum anderen will Floyd aber auch seinen Pflichten als junger Vater nachkommen und für seinen Sohn sowie seine von ihm getrennte Frau da sein, indem er sie finanziell unterstützt. Um dies zu erreichen, muss er eventuell Entscheidungen bezüglich seiner Karriere treffen, die seiner Natur und Art widersprechen. Und diesen tagtäglichen Herausforderungen wohnen wir als Zuschauer bei, während Floyd große Ziele verfolgt und dabei durchaus sonderbare Alltagssituationen durchlebt.

Just do you
Mit Blick auf die „Konkurrenz“ in dem Genre bleibt einem fast gar nichts anderes übrig, als anzumerken, dass White Famous mit seiner Grundidee etwas spät dran ist und nun nur allzu gern mit auf den Zug aufspringen möchte. Ja, mit einem schwarzen Hauptcharakter bietet man den Zuschauern eine andere Perspektive als viele TV-Kollegen. Rein „mechanisch“ gesehen - sprich: wie die Geschichte erzählt wird und die Handlung strukturiert ist - bleibt der große Ahamoment aber aus. Die Hauptfigur präsentiert sich die meiste Zeit über als ziemlich unfehlbar und allwissend, offenbart dann aber schon bald ein Herz aus Gold, wenn es um seine Liebsten geht, sowie ein gesundes Selbstverständnis hinsichtlich ihrer Position in der schillernden Welt von Hollywood.
Ein Gespräch mit einem weisen Chauffeur öffnet Floyd zum Ende der Episode natürlich noch fix die Augen, wer er wirklich ist, dass er gewisse Pflichten hat, aber nie seine Wurzeln vergessen darf. Eine Szene wie diese ist völlig vorhersehbar, verwundert aber keinesfalls. Der gesamte Ansatz, wie der Hauptcharakter etabliert wird, ist eben etwas altbacken. An und für sich ist Jay Pharoah aber kein schlechter Hauptdarsteller und funktioniert in dieser Rolle, die Ausrichtung seines Charakters kann zwischenzeitlich aber recht nervig sein. Gleiches gilt übrigens für Jamie Foxx, der einen wirren Gastauftritt hat und sich in einer sehr absurden Rolle wiederfindet, was anscheinend amüsant sein soll, im Endeffekt aber komplett verpufft.
Golden opportunities
Dies gilt übrigens für viele Momente in der Pilotfolge von „White Famous“, die sich relevante gesellschaftliche Themen vornimmt und den Finger immer wieder in die Wunde legen will. Die Ambitionen dahinter sind klar zu erkennen, allein die Umsetzung lässt einige Male zu wünschen übrig. Man möchte provozieren, was gelingt, jedoch empfinde ich viele dieser provokanten Szenen - im Grunde genommen immer „Floyd Mooney vs. some white (racist) guy“ - oft etwas plump und viel zu gewollt. Vielleicht liegt es nur an mir, aber bestimmte Punkte, die sich die Macher vorgenommen haben, könnten wesentlich geschmeidiger und smarter angebracht werden.
Reach for your goal
Hinzu kommt ein Hauch von klassischer Doppelmoral, versucht „White Famous“ doch immer wieder politisch und aufklärerisch zu sein, wenn es um Alltagsrassismus und die Ungleichbehandlung im Showgeschäft geht, während im gleichen Atemzug Frauenfiguren wie ein Stück Fleisch dargestellt werden. In der Auftaktfolge gibt es gleich mehrere Nacktszenen, deren Sinn sich mir nicht wirklich erschließt. Eine am Anfang der Folge soll wohl vermitteln, dass unser Protagonist stets einen Treffer landen kann und diesen Umstand genießt - obwohl er eigentlich unbedingt wieder mit der Mutter seines Sohnes zusammenkommen möchte? Die zweite, sehr explizite Szene dieser Art dient wiederum nur, um die Verrücktheit und Zügellosigkeit von Jamie Foxx zu unterstreichen, der wiederum im Rahmen eines Gags um sein leicht verhülltes Gemächt nicht blank ziehen muss, weil er eben Jamie Foxx ist.
Es bleibt ein eigenartiger Nebengeschmack bei der Sichtung von White Famous hängen, einer Serie, der man anmerkt, dass sie wie ihre Hauptfigur große Pläne hat, aber eben auch wie ihre Hauptfigur nicht so recht zu wissen scheint, wie man diese erreichen kann. Wirklich schlecht ist das Format ja nicht, neben erprobten Namen hinter der Kamera konnte man auch ein paar interessante Nebendarsteller gewinnen, darunter Steve Zissis, Stephen Tobolowsky und im späteren Verlauf Michael Rapaport, Jack Davenport und Natalie Zea. Aber so richtig überzeugt wird man eben auch nicht, denn neben all der halbgaren Gesellschaftskritik fehlt „White Famous“ schlichtweg auch eine ordentliche Portion Charme und Witz.
Trailer zu „White Famous“:
Verfasser: Felix Böhme am Montag, 16. Oktober 2017(White Famous 1x01)
Schauspieler in der Episode White Famous 1x01
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