White Collar 6x06

White Collar 6x06

Die Serie White Collar verabschiedet sich mit einem großen Coup, einer überraschenden Wendung der Ereignisse und jeder Menge kleiner Extras. Das Finale Au Revoir hätte man kaum besser machen können.

Ein großer Coup zum Abschied in der Serie „White Collar“ / (c) USA
Ein großer Coup zum Abschied in der Serie „White Collar“ / (c) USA

Sechs Staffeln lang haben wir dem ungleichen Traumduo Neal (Matt Bomer) und Peter (Tim DeKay) dabei zugesehen, wie sie Betrüger festsetzen, sich immer mehr vertrauen, dann wieder böse hintergehen und am Ende doch mehr als Freunde sind. Ja, sie waren in der Tat wie ein Vater-Sohn-Gespann. Sie hatten oft unterschiedliche Einsichten, haben sich der Sichtweise des anderen langsam angenähert und mit der Episode Au Revoir verlassen wir sie an einem Punkt, an dem der eine über den anderen milde lächelt und sich freut, in der Gewissheit, dass er seinen Weg schon gehen wird.

Der größte Bluff von allen

Die Zusammenarbeit mit den Pink Panthern, einer legendären Diebesbande, haben die White Collar-Macher sich aus gutem Grund für die Finalstaffel aufbewahrt. In der ersten Hälfte der Episode Au Revoir sehen wir Neal und Peter, wie sie gemeinsam mit den anderen Pink Panthern an einem riesigen Coup arbeiten, im Geheimen aber jeder sein eigenes Programm verfolgt. Das ist „White Collar“ at its best. Peter will, wenig überraschend, die bösen Jungs mithilfe seines Kontaktmannes dingfest machen, während Neal dem nichts entgegenzusetzen hat, aber einen kleinen Seitenplan verfolgt. Von der riesigen Diebesbeute will er einen kleinen, aber immer noch beeindruckenden Teil abzwacken. Das ist der Grund, wieso er Mozzie (Willie Grason) bisher aus dieser Angelegenheit herausgehalten hat: Er braucht einen Vertrauten, der nichts mit der Angelegenheit zu tun hat.

Doch der große Bluff ums Geld ist nur die Vorlage für einen noch größeren Coup, Neals Abschiedgig für uns und Peter.

Vorboten eines Todes

Der Anfang der Episode könnte nicht voller gepackt sein mit Andeutungen auf einen drohenden Tod. Dass wir eine emotionale June-Szene erleben, darf man noch unter Abschiedsmelancholie zählen. Wir werden daran erinnert, dass nichts von alledem möglich gewesen wäre, wenn June (Diahann Carroll) Neal nicht aufgenommen hätte und ihn mit den luxuriösesten Dingen versorgt hätte. Nie hätten wir Neal in den wunderbaren Anzügen gesehen, wenn June nicht den Kleiderschrank ihres verstorbenen Mannes geöffnet hätte. Was für wundervolle Szenen uns vor beeindruckender Kulisse entgangen wären, wenn June Neal nicht in ihre Villa geladen hätte. Es ist also nur gerechtfertigt, dass Neal sich bei seiner Wohltäterin verabschiedet, auch wenn er es in typischer Neal-Manier mit der Ankündigung macht, dass sie sich morgen sehen werden.

Auch Elizabeths Bitte, ihren Ehemann sicher zu halten, kann man angesichts des Serienfinales kaum ohne Subtext genießen. Neal verspricht, Peter unter allen Umständen zu beschützen. Da darf man schon ziemlich sicher davon ausgehen, dass ein entscheidender Moment der Veränderung bevorsteht.

Doch, bevor es so weit ist, schenken uns die White Collar-Autoren uns noch einige farbenfrohe und erinnerungswürdige Szenen. Neals letztes Kostüm ist ein Pilot-Wachmann-Doppel. Ein letztes Mal verschafft er sich Eingang in einen geschlossenen Bereich, indem er eine schöne Frau umgarnt und sie errötend zurücklässt. Ein letztes Mal verwandelt er sich innerhalb weniger Sekunden, dieses Mal vom Piloten zum Wachmann, und nimmt dabei nicht nur das Äußere, sondern auch die passende Attitüde an.

Die Pink Panther und der Trickser Keller (Ross McCall) finden ihre Strafe, schnell und schmerzlos. Die White Collar-Macher verlieren in der Episode Au Revoir wenig Zeit damit, uns Nebensächlichkeiten zu erklären. Es geht um das Ende derer, die wir lieben gelernt haben in den sechs Staffeln der Serie.

Der untote Wahlfranzose

Was ist also passiert? Nach einigen emotionalen Szenen, in denen Mozzie sich vor Verzweiflung in Verschwörungstheorien versteigt und Peter plötzlich pünktlich nach Hause kommt, erfahren wir die Wahrheit.

Doch die Wahrheit für die Agenten steht schon früher fest. Diana (Marsha Thomason) hat einen Job in Washington und damit in der Nähe ihrer Eltern angenommen, Jones (Sharif Atkins) wird befördert und Peter und Elizabeth freuen sich über die Geburt ihres kleinen Neals.

Deutlicher, dass auch die White Collar-Autoren die Verbindung zwischen Neal und Peter als Quasi-Vater-Sohn-Beziehung gesehen haben, können sie es kaum darstellen. Mozzie steht wieder mit Kartentricks im Park, doch wir dürfen uns ziemlich sicher sein, dass er den verlorenen Rest der Beute, immerhin auch mehrere Millionen Dollar, sein Eigen nennen kann. Neal hat seinen besten Freund also zwar alleine, aber steinreich zurückgelassen.

Doch es wäre nicht White Collar, wenn das Offensichtliche wirklich das Ende wäre. Peter erinnert sich an die mysteriöse Zusammenkunft zwischen Neal und der Dame und nutzt den Schlüssel, der ihm nach Neals Tod übergeben wurde, um den Container zu öffnen. Es ist mehr als eindeutig: Neal wollte, dass Peter es herausfindet. Er hat sich nach Frankreich abgesetzt und ist damit außerhalb von Peters Zuständigkeit. Der FBI-Agent darf seinen Freund, seinen Ersatzsohn, lächelnd seinem eigenen Leben überlassen. Es war eigentlich klar, dass Neal nicht einfach in ein legales Leben überwechseln kann. Das Ende, das er nun für die Zusammenarbeit mit Peter gewählt hat, ist das einzige, das uns ein Happy End auf Dauer in Aussicht stellt.

Was ist mit Mozzie?

Wir wissen also, dass die beiden Hauptfiguren bekommen haben, was sie gerne wollten. Peter hat seinen festen Job und seine kleine Familie, Neal kann seinem Lifestyle nun endlich in einer Stadt frönen, die noch besser zu ihm passt als New York. Doch was weiß Mozzie? Ist seine Trauer nur Teil des großen Bluffs, damit Peter keinen Verdacht fasst? Oder wird er das ab einem gewissen Moment?

Es gibt kleine Zeichen, die darauf deuten könnten, dass Neal seinen engsten Freund nicht so unwissend zurückgelassen hat. Mozzie verabschiedet sich nach seinem Besuch bei Elizabeth mit den Worten von Peter, dass sie sich sehen würden. Doch genau das hatte Neal auch als Abschied zu June gesagt. Es wäre doch schön, wenn Mozzie sich noch von Elizabeth verabschieden und den kleinen Neal treffen wollte, bevor er seinem Freund folgt. Auch die Spielkarte, die Peter am Ende im Container findet, kann man auf mehrere Arten lesen.

Fazit

Au Revoir ist ein wunderbares Ende für eine bezaubernde Serie über Tricks und Freundschaften geworden. Wir haben ein Happy End für alle Figuren bekommen und trotzdem ist genügend Spielraum für eigene Theorien geblieben. Was für ein Glück, dass diese, wenn auch kurze, Abschiedsstaffel noch drin war.

Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 19. Dezember 2014

White Collar 6x06 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 6
(White Collar 6x06)
Titel der Episode im Original
Au Revoir
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 18. Dezember 2014 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 13. Januar 2020
Autoren
Jeff Eastin, Julian Meiojas, Eddie Serrano
Regisseure
Sanford Bookstaver, John T. Kretchmer

Schauspieler in der Episode White Collar 6x06

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