White Collar 6x03

In der letzten White Collar-Episode klang es schon an, in Uncontrolled Variables wird deutlich, dass Neal (Matt Bomer) und Keller (Ross McCall) zwei Menschen sind, die aus ähnlichen Ausgangssituationen total unterschiedliche Dinge gemacht haben.
Ungleiche Zwillinge
Neal und Keller haben eine ziemlich ähnliche Biographie. Beide sind Betrugskünstler, die geschnappt worden sind und sich als Informanten und verdeckte Mitarbeiter für eine Organisation zumindest einen Teil ihrer Freiheit zurückerkaufen konnten. Doch in der Episode Uncontrolled Variables stellt sich heraus, dass sie nicht unterschiedlicher sein könnten.
Der aktuelle Fall zwingt Neal dazu, seine immer erfolgreiche Flirttechnik hervorzukramen. Das ist nichts Neues, das haben wir in der Serie White Collar schon unzählige Male gesehen. Neal ist ein Meister der Manipulation, ob mit Flirt oder ohne. Und diese Technik wendet er besonders gerne an, wenn er Peter (Tim DeKay) damit in den Schatten stellen kann.
Peter ist ein durch und durch sympathischer Mann, hat aber eben nicht den strahlenden Charme, auf den Neal sich immer wieder verlassen kann. Um Peter schätzen zu lernen, muss man oft zweimal hinschauen, während Neal Menschen in Sekunden um den Finger wickeln kann. Dieser Gegensatz und vor allem Peters Ärger gepaart mit Neals Stolz sind immer wieder sehenswert und für einen Gag gut.
Doch hinsichtlich seiner Manipulationen hat Neal auch enge Grenzen. Er wägt den Schaden für die anderen und den Nutzen für sich selbst immer genau ab. Jedes Mal, wenn wichtige Bestandteile des Lebens eines anderen gefährdet waren, haben wir gesehen, wie er in eine moralische Ecke getrieben wurde. So geht es ihm auch mit Amy (Laura Ramsey). Der Trick, den Keller und er ihr spielen, wird sie vermutlich ihren Job kosten und das liegt Neal schwer im Magen. Er versucht alles so zu drehen, dass sowohl das FBI als auch Amy gut aus der Sache herauskommen.
Erinnert das jemanden an eine gar nicht so weit in der Vergangenheit liegende Situation? Genauso hat es einst mit Rebecca (Bridget Regan) angefangen. Durch Neals Diebstahl hat sie ihren Job verloren und dann kam eins zum anderen. Nur leider war Rebecca, für die Neal aufrichtig Gefühle entwickelt hat, eine international gesuchte Mörderin und Betrügerin. Erst zu Beginn dieser Staffel landete sie tot auf dem Bürgersteig. Die ganze Sache dürfte Neal also noch nachhängen.
Statt sich angesichts dieses Betrugs enttäuscht und verbittert von der Moral abzuwenden, bleibt Neal sich treu und kümmert sich auch um Amy.
Anders geht da Keller vor. Das Schicksal der jungen Angestellten ist ihm egal. Er hat keine Skrupel direkt nach einem Messer zu greifen als sie querschießt und damit nicht nur ihren Job, sondern auch ihr Leben zu bedrohen. Wir kennen ihn ja schon etwas länger, wie Elizabeth seinen Interpol-Handhaber Luc (Isaach De Bankole) in der Episode Uncontrolled Variables erinnert, hat er sie einst entführt. Auf dem Weg zum eigenen Erfolg kennt Keller keine Moral und kein Mitgefühl.
Im Gespräch mit Neal erlaubt er uns einen Blick in seine Psyche. Er ist ein verbitterter Mann, der keinen Ausweg mehr sieht und sich keine Chance auf Freiheit gibt. Er bezweifelt, dass Organisationen wie Interpol und das FBI sich an die Zusagen halten, die sie Kriminellen wie ihm oder Neal gegenüber machen. Und selbst wenn sie von dieser Seite aus in die Freiheit entlassen werden sollten, sieht er keine schöne Zukunft für sich und Neal.
Bisher hat die Pink-Panther-Vereinigung sich vor allem wie eine Runde schillernder Trickdiebe dargestellt, die einen aufsehenerregenden Bluff nach dem nächsten aus dem Ärmel ziehen. Doch in Kellers Worten klingen sie eher nach Mafia, Ausstieg unmöglich, auf Betrug steht Tod. Und nicht nur das eigene Leben ist bedroht, sollte der Verräter, in dem Falle Neal, es schaffen, sich abzusetzen, würden die Pink Panther auch aus dem Knast heraus diejenigen jagen und töten, die Neal nahestehen.
Damit trifft Keller genau ins Schwarze. Neal kann auf sich alleine aufpassen, er geht Risiken ein, weil er weiß, dass er untertauchen kann, bereit ist, ein völlig neues Leben zu beginnen, anderswo. Dasselbe gilt wohl auch für Mozzie (Willie Garson). Doch Elizabeth (Tiffani Thiessen) und Peter sind anders, besonders jetzt, wo sie Eltern werden. Diese Idylle sieht Neal nun bedroht. Kann er jemals sein Glück finden, wenn er weiß, dass er das Leben derer damit zerstört, die er liebt? Die letzte Szene lässt uns vermuten, dass Neal ins Grübeln kommt und Keller damit genau das erreicht hat, was er wollte.
Unterschiede
Doch genau diese Unterschiede, die Tatsache, dass Neal fähig ist, mit Amy mitzufühlen, obwohl er gerade erst Rebecca ausgesessen ist, zeigt, wie sehr er es verdient hat, in die Freiheit zu kommen. Er war nie so brutal wie Keller und er hat sich auch nicht von den Ereignissen fertig machen lassen. Das FBI hat ihm schon einmal die versprochene Freiheit versagt, doch Neal weigert sich, aufzugeben. Er ist nicht naiv, aus jeder Niederlage lernt er. Dieses Mal hat er einen Vertrag aufgesetzt, der wasserdicht ist. Doch er lässt sich von diesen Erfahrungen nicht davon abhalten, mit Peter und den anderen befreundet zu sein und ihnen zu vertrauen.
Neal und Peter haben sich angefreundet. Keller und sein Handhaber Luc sind meilenweit davon entfernt. Die beiden sind wie ein unangenehmer Gegenentwurf zu Neal und Peter. Beide haben fragwürdige Moralvorstellungen und nicht den freundlichste Umgangston. So viele wunderbare Abenteuer wären uns entgangen, wenn Neal und Peter die Welt ähnlich sehen würden. Es ist auch ein bisschen eine Gesellschaftskritik, die die White Collar-Autoren da unvorbereitet auf uns loslassen. Keller und Luc spielen irgendwie falsch, doch welches Ziel genau sie verfolgen und ob sie überhaupt aus freiem Willen unter einer Decke stecken oder eine Zweckgemeinschaft mit unterschiedlichen Zielen sind, das wissen wir noch nicht.
Wer sich hingegen ganz wunderbar versteht sind Elizabeth und Diana (Marsha Thomason), die sich über die gemeinsame Erfahrung oder Erwartung der Mutterschaft annähern. Das ist einerseits schön, weil es Elizabeth Gelegenheit gibt, ihre Sorgen zu äußern, aber es ist auch schön weil die White Collar-Autoren damit ihren Weg weiterverfolgen, zum Ende hin alles auf einen idyllischen Abschluss vorzubereiten.
Fazit
Die Episode Uncontrolled Variables hat starke Seiten zu bieten, besonders die Gegenüberstellung von Neal und Keller als zwei Informanten, die mit ihrer Situation unterschiedlich umgehen. Aber auch die Figur Amy macht Spaß, denn sie zeigt, dass Neal durch seine Manipulationen das Leben seiner Opfer umlenkt, auch wenn er alles versucht, ihnen keinen Schaden zuzufügen. Nicht zuletzt sind die Szenen zwischen Diana und Elizabeth sowie zwischen Mozzie und Peter wieder großartig, mit genau dem richtigen Anteil an Herz und Komik.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 21. November 2014(White Collar 6x03)
Schauspieler in der Episode White Collar 6x03
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