
© ??When We Rise“ / (c) ABC
Die Miniserie When We Rise spielt in Zeiten des Umbruchs und der Aufruhr in der LGBT-Gemeinschaft. Der Kampf um Gleichberechtigung und Freiheit wird noch uneinheitlich an vielen verschiedenen Fronten gekämpft und befindet sich erst auf dem Weg zu einer machtvollen Formation. Das ABC-Drama erzählt die Geschichten dreier junger Menschen, die mit ihren ganz individuellen Problemen hadern und sich entscheiden müssen, wo ihr Platz in dieser Freiheitsbewegung ist.

Hintergrund
Ausgelöst durch die Polizeirazzia in der New Yorker Bar Stonewall Inn, beginnt die Schwulen- und Lesbenbewegung Fahrt aufzunehmen. Grund für die Auseinandersetzungen ist das Gesetz, welches besagt, dass Kneipen, die von Schwulen besucht werden, keine Lizenz erhalten, Alkohol auszuschenken. Da sich einige Barbesitzer jedoch nicht daran halten, sind solche Razzien keine Seltenheit. Bei der besagten Razzia in New York kommt es allerdings zum ersten Widerstand und zur Vertreibung der Polizisten. Dieses Ereignis macht schnell die Runde und öffnet die Türen zur ersten Gay-Pride-Kampagne. When We Rise spielt also in diesem spannungsgeladenen und hoffnungsvollem Umfeld auf dem Weg in eine neue Ära. Eine symbolträchtige Figur dieser Revolution war Harvey Milk („Milk“), erster offiziell schwuler Politiker in den USA.
Die Geschichten
Ken

Ken (Jonathan Majors) ist ein schwarzer und schwuler Navy-Officer, dessen Karriere vielversprechend scheint. Auch wenn er eigentlich gleich zwei Eigenschaften verkörpert, die ihn an den Rand der Gesellschaft drängen, hat er ein ziemlich selbstbewusstes Auftreten. Auch wenn er scheinbar weiß wer er ist, erleichtert dies den Umgang mit einem Tabuthema nicht, schon gar nicht beim Militär. Er ist verliebt in Michael, einen gleichgesinnten Kameraden. Als dieser während einer Mission durch Kens Anweisungen zu Tode kommt, verliert dieser mit einem Mal jegliche Freude. Im Nachgang an die Vorfälle wird er nach San Francisco versetzt. Ab diesem Zeitpunkt begibt er sich bei Landgängen auf die Suche nach Antworten und den Sinn seines Lebens, sei es in der örtlichen Kirche oder einer Szenebar, in der man die Aufbruchsstimmung förmlich fühlen kann.
Roma

In Togo ist das Händchenhalten zwischen Frauen in der Öffentlichkeit eine normale Sache, die keinerlei sexuellen Bezug hat. Doch in San Francisco ist es ein Statement. Diese Erfahrung muss Roma (Emily Skeggs) beim Verlassen des Friedenskorps machen. Sie bricht auf nach San Francisco, um sich dort der Frauenbewegung anzuschließen. Bei ersten Treffen der National Organisation for Women wird ihr jedoch klar, dass ein Teil der Anwesenden nicht nur für Frauenrechte, sondern für die Rechte lesbischer Frauen im Besonderen eintritt. Da Roma ihre eigene Vorliebe für Frauen hinter Feminismus versteckt, führt dieser Umstand zu reichlich inneren Konflikten. Um mit Leidenschaft für ihre Ideale einzustehen, muss sie zunächst lernen, sich selbst zu akzeptieren.
Cleve

Der Junge aus Arizona hat Eltern, die ihn lieben. Doch das reicht nicht aus, wenn sie seine Homosexualität nicht verstehen. Als Cleve (Austin P. McKenzie) seinem Vater davon erzählt, verspricht dieser ihm, er könne ihn heilen. Immerhin ist er Psychiater. Und wenn es sein muss, könne er auch Elektoschocks anwenden - ein damals weit verbreitetes Mittel, um den Dämon Homosexualität aus den Gehirnen zu vertreiben. Des Versteckens müde verlässt Cleve seine Heimat und macht sich ebenfalls auf den Weg nach San Francisco. Er glaubt dort frei sein und das Leben führen zu können, das er möchte. Vor Ort ereilt ihn die ernüchternde Wahrheit. Das bunte Leben existiert, aber es hat seinen Preis. Nämlich nächtliche Übergriffe in dunklen Seitenstraßen, Prostitution, um nicht auf der Straße zu landen und ein Kampf für Freiheit, der noch in den Kinderschuhen steckt.
Im Laufe der ersten Episode stellen die Beteiligten fest, dass sich ein gemeinsamer Kampf am Ende auszahlt. Auch wenn sich die einzelnen Beweggründe unterscheiden, sind die Forderungen in ihrer ideellen Natur doch eigentllich gleich. Im bewegten Umfeld einer einschlägigen Bar treffen die Protagonisten aufeinander und der Grundstein für einen vereinten Protest der Frauen-, Friedens- und Gay-Bewegung ist gelegt.
Die Wirkung
Die Schicksale der unterschiedlichen Charaktere sind spannend erzählt und in ihrer Komplexität der Handlung angemessen. Die Stimmung des Aufruhrs und die Energie der Wandlungen ist greifbar, wenngleich die Dramatik der Situationen gern schärfer dargestellt werden darf. Die schauspielerischen Leistungen sind glaubwürdig und überzeugend. „When We Rise“ ist zumindest bisher eine dem Thema angemessene Darstellung der Ereignisse. Die Pilotfolge macht neugierig und Lust auf mehr.