
© it seiner Selbsteinschätzung hält Diplo (James Van Der Beek) nicht hinter'm Berg. / (c) Viceland
Mit dem sehr frühreifen Teenie-Drama Dawson's Creek ging der Stern des Jungschauspielers James Van Der Beek rasant auf. Trotz zahlreicher Engagements konnte er jedoch nie wieder an diesen Erfolg anknüpfen. Bis heute ist sein Name untrennbar mit der Figur des schöngeistigen Dawson Leery verbunden, der so gerne mit Joey Potter (Katie Holmes) zusammensein und ein großer Filmemacher werden wollte. Immerhin bewies Van Der Beek genug Großmut, sich selbst zu karikieren: Im Kevin-Smith-Film „Jay and Silent Bob Strike Back“ spielte er neben Jason Biggs aka „The Piefucker“ den verzweifelten Schauspieler, der immer nur auf diese eine Rolle reduziert wird.
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Was während und nach „Dawson's“ kam, war nicht alles schlecht. Die Filme „Varsity Blues“ und „The Rules of Attraction“ dürften auch heute noch mit Wertschätzung bedacht werden, jedoch sind beide auch schon über 15 Jahre alt. Längere Engagements im Fernsehen waren Van Der Beek nur in der Comedy Don't Trust the B---- in Apartment 23, in der er sich selbst spielte, und dem CBS-Rohrkrepierer CSI: Cyber vergönnt. Vielleicht hat er sich deshalb nun einem eigenen Projekt zugewendet. Es hört auf den Namen What Would Diplo Do? und läuft auf dem multinationalen Kabelsender Viceland.
Ob dies nun Van Der Beeks Rückkehr zu altem Glanz wird, muss nach Sichtung der Pilotepisode leider stark angezweifelt werden. Schon das Sujet sorgt wahlweise nur für müdes Schulterzucken oder blankes Unverständnis. Da nimmt sich ein Schauspieler also eines weltweit erfolgreichen Musikstars an, um ihn irgendwie durch den Kakao zu ziehen, aber auch nur ein bisschen, sitzt ebenjener Musiker doch selbst im Produzentenstab. Was sich Van Der Beek und Diplo von dieser merkwürdigen Kooperation erhoffen, ist unklar. Vielleicht ja gar nicht mehr als eine amüsante Comedyserie.
Das gelingt ihnen in der von Van Der Beek geschriebenen Episode The Beef so mittel. Ganz annehmbare Witze sind meist dann zu finden, wenn Diplo seine nicht besonders intelligenten Bonmots in die Kamera spricht. Er räsoniert dann beispielsweise darüber, wer wohl die meisten Follower gehabt hätte, Buddha oder Jesus. Wenn es ihm nicht gut geht, zieht er sich in seinen happy place zurück, wo ebensolche Gedanken formuliert werden. Das Gegenteil davon ist eine von Ninjas bevölkerte Traumwelt, gegen die sich Diplo ganz alleine wehren muss.
Heraufbeschworen werden diese wenig erfreulichen Ausflüge zumeist durch die Konkurrenz zu Calvin Harris, dem Diplo-Pendant aus England. Über Twitter ergehen sich die beiden in einem kindischen Streit, der am Ende der Episode jedoch überraschend erwachsen aufgelöst wird. Der große Rest beschäftigt sich mit einer comedytypischen Verwechslungsgeschichte, die ebenfalls in Heiterkeit endet. So bleibt ein ähnlich verwirrter Eindruck wie vor der Sichtung. Als Zuschauer ist man am Ende der Antwort auf die Frage, was mit What Would Diplo Do? beabsichtigt ist, genauso nahe.