What We Do in the Shadows: Review der Pilotepisode

What We Do in the Shadows: Review der Pilotepisode

Unter Kennern gilt die neuseeländische Vampir-Mockumentary What We Do in the Shadows alias 5 Zimmer Küche Sarg als Meisterwerk der Komik. Der amerikanische Kabelsender FX hat den Film nun einer Serienadaption unterzogen. Mit Erfolg?

Harvey Guillen und Kayvan Novak in „What We Do in the Shadows“ (c) FX
Harvey Guillen und Kayvan Novak in „What We Do in the Shadows“ (c) FX
© arvey Guillen und Kayvan Novak in „What We Do in the Shadows“ (c) FX

Hinge mein Leben davon ab, jemanden mithilfe eines Filmes zum Lachen bringen zu müssen - wie auch immer ein solches Szenario zustande kommen könnte -, fiele meine Wahl fraglos auf „What We Do in the Shadows“. Oder, wie man aufgrund des Geltungsdranges eines deutschen Übersetzers hierzulande leider sagen muss: „5 Zimmer Küche Sarg“. Die neuseeländische Vampir-Mockumentary von und mit Taika Waititi („Thor: Ragnarok“) und Jemaine Clement (Flight of the Conchords) ist ein schier bodenloses Füllhorn genialer Einzeiler und verrückter Einfälle - eine triumphale Mischung aus „Mann beißt Hund“, „Interview mit einem Vampir“ und The Office.

Auch beim amerikanischen Kabelsender FX scheint es Fans des Films zu geben, denn, wie im Herbst 2017 bekannt wurde, würden Waititi und Clement die Chance erhalten, ihr Meisterwerk als Serie neu zu erfinden. Normalerweise müsste einem eine solche Nachricht Sorgen bereiten, doch, da die zwei geistigen Väter auch beim Ableger verantwortlich zeichnen durften, konnte dieser eigentlich nur gut werden. Nun liegt das Resultat endlich vor - und die Vermutung hat sich klar bestätigt.

Vampire wie du und ich

Statt in Wellington spielt die Geschichte diesmal in New York, aber nicht etwa in coolen Vierteln wie Manhattan oder Brooklyn, sondern in Staten Island, der buchstäblichen Mülldeponie des Big Apple. Hier hausen die Vampire Nandor (Kayvan Novak), Laszlo (Matt Berry) und Nadja (Natasia Demetriou), die vor knapp zweihundert Jahren Segel in die neue Welt setzten, um dem höheren Zweck zu dienen: die Menschheit global auszurotten. Daraus wurde leider nichts, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Geschöpfe der Nacht es ziemlich gemütlich angehen lassen. Den lästigen Haushalt in ihrer kleinen WG erledigt der Sklave Guillermo (Harvey Guillen), der hofft, eines Tages von ihnen verwandelt zu werden, um auch unsterblich zu sein.

So weit nicht viel Neues im Vergleich zur Filmvorlage, abgesehen vom Geschlechtertausch, was die Sklavenrolle angeht. Und tatsächlich blieben auch andere Aspekte bewusst unverändert, beispielsweise der beschwingte Titelsong „You're Dead“ von Norma Tanega. Allerdings heißt das nicht, dass Waititi und Clement keine neuen Ideen mehr hätten, denn von diesen finden sich im Pilot bereits erstaunlich viele. Besonders clever ist dabei die Etablierung einer neuen Gattung von Vampiren, den sogenannten energy vampires, die ihren Opfern mithilfe ihrer todlangweiligen Ausstrahlung jeden Lebensmut aussaugen.

Natasia Demetriou als Nadja und Matt Berry als Laszlo in What We Do in the Shadows
Natasia Demetriou als Nadja und Matt Berry als Laszlo in What We Do in the Shadows - © FX

Höhepunkt der alles andere als enttäuschenden Auftaktepisode ist der Auftritt von Baron Afanas, einem gefürchteten Vampirlord aus der alten Welt, der in die Vereinigten Staaten einzieht, um zu prüfen, wie das Projekt „Menschheitsvernichtung“ so vorankommt. Ein Schock für Nandor, Laszlo und Nadja, zumal zwei von ihnen eine besondere Vorgeschichte mit der schaurigen Gestalt haben. Um den Baron milde zu stimmen, werden kurzerhand zwei Jungfrauen beim örtlichen LARP-Club aufgegabelt. Mit Glitter und Krepppapier soll zusätzlich Stimmung aufkommen.

Es sind Details wie diese, welche What We Do in the Shadows, die Serie, oder „What We Do in the Shadows“, den Film, so einzigartig machen. Sich auf den profanen Alltag von mythischen Blutsaugern zu konzentrieren und mithilfe eines fiktiven Dokumentarteams allerhand absurde Kommentare aus ihnen herauszukitzeln, mag zunächst zwar nach einem Konzept klingen, das sich schnell ermüdet, aber selbst das eingangs erwähnte The Office brachte es ja auf neun Staffeln (und das mit einer deutlich unspektakuläreren Thematik). Am Ende hängt ohnehin viel vom Charme der Darstellerriege ab. Und auch, wenn es schade ist, dass Waititi und Clement selbst nicht mitspielen, weiß die neue wirklich zu bestechen.

Fazit

Einen durch und durch perfekten Film zur Serie zu verarbeiten, ist eigentlich ein Sakrileg, hauptsächlich motiviert durch Gelddurst. Taika Waititi und Jemaine Clement kann man diesen Vorwurf eher nicht machen, denn, statt ihren Indiehit für FX neu aufzulegen - bei welchem er wahrscheinlich von kaum mehr als einer halben Million Menschen gesehen wird -, könnten die beiden Neuseeländer genauso gut weiter Marvel-Streifen inszenieren oder Disney-Songs komponieren (was sie aber auch so tun werden). Dass sie What We Do in the Shadows wiederbeleben wollten, beweist, dass es sich hierbei um ein echtes Herzensprojekt handelt. Und das spürt man beim Zuschauen ohne den geringsten Zweifel.

Statt sich auf ihren alten Ideen auszuruhen, erweitern Waititi und Clement ihren Vampirkosmos sogar, während Humor und Atmosphäre ganz klar am Original verhaftet bleiben. Dass die drei Serienvampire im Vergleich zu den Filmvampiren nun sogar noch eine echte Mission haben, nämlich die Auslöschung Amerikas, sorgt für zusätzliche Spannung. Gleichermaßen verdienen die Macher ein Kompliment für ihren Mut, den Bösewicht der Serie derart abscheulich zu gestalten. Ja, gegen Baron Afanas kann selbst Nosferatu einpacken. Auf diese Weise umgeht What We Do in the Shadows gekonnt die Gefahr, auf lange Sicht zu albern zu erscheinen. Alles in allem ein absoluter Volltreffer!

Der offizielle Trailer zur FX-Serie „What We Do in the Shadows":

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