
Die Auftaktepisode der neuen Netflix-Comedy Wet Hot American Summer ist so vollgestopft mit namhaften Darstellern und berühmten Cameo-Auftritten, dass etablierte Film- und Serienstars wie Elizabeth Banks, Christopher Meloni oder Kristen Wiig darin noch gar keinen Platz finden. Die Serie ist als Prequel zur gleichnamigen Kultkomödie angelegt und erzählt die Geschichte des ersten Tages in Camp Firewood.
Perpendicularity is your friend
Im Film aus dem Jahre 2001 wurde die Story des letzten Tages erzählt, und schon damals war es absurd, dass die weitgehend unbekannten Darsteller Teenager spielten. Seitdem sind 14 Jahre vergangen, während die gleichen Schauspieler nun sogar in Rollen schlüpfen, die zwei Monate jünger sind. Dazu gibt es sogleich in der ersten Szene einen Metakommentar von Campleiter Mitch (H. Jon Benjamin): „Now, you're all 16 or 17 years old.“ Er fährt fort, indem er eine lange Liste von sexuellen Praktiken wie The Bavarian Pretzel oder Denver Omelettes aufzählt, die im Kontakt zwischen Campern und Aufsichtspersonal verboten seien.
Seine Assistentin (und nicht ganz so geheime Liebhaberin) Beth (Janeane Garofalo) unterbricht ihn, um die Angestellten nicht auf noch dümmere Gedanken zu bringen: „Any skin-to-skin contact is a no-no.“ Über diese sehr gewöhnliche Anweisung kriegen sich die Counselors kaum noch ein. Sie alle finden Beth furchtbar witzig, wobei sie das gar nicht sein will: „It's a very dry wit.“ Unterbrochen wird die Eingangsszene, die in wenigen Minuten den absurden Ton dieser Comedy etabliert, durch die Ankunft des selbsternannten bad boy Andy (Paul Rudd), der sein Motorrad unsanft auf dem Rasen parkt und sogleich Katie (Marguerite Moreau) in Augenschein nimmt.
Neben den grotesken Ereignissen und den noch viel lachhafteren Charakteren bezog der Film seinen Witz vor allem aus den absurd vielen Dingen, die an nur einem Tag passierten. Im Übrigen sei jedem dieser Film wärmstens empfohlen, natürlich ist er in der Netflix-Bibliothek zu finden. Auch in der Serie deutet sich bald an, dass lächerlich viele Handlungsbögen in nur einem Tag untergebracht werden. Mit der Ankunft der Camper nimmt die Episode endgültig Fahrt auf.
Zusätzliches Konfliktpotential liefert die wohlhabende Konkurrenz von Camp Tigerclaw, die von Josh Charles als dreifach polobehemdeter Blake angeführt wird. Während sich Camp Firewood längst im Vergnügungsmodus befindet, beobachten die ausschließlich in Pastellfarben gekleideten Schnösel - zu ihnen gehören neben Blake auch Graham (Rich Sommer und Warner (Eric Nenninger) - argwöhnisch das Geschehen. Vor allem Blake wird von Eifersuchtsanfällen angetrieben. Laut eigener Aussage ist er mit Katie zusammen, weshalb er Andys Avancen überaus misstrauisch gegenübersteht.
My dick is a state of the art broadcast facility
Diese eigenen Aussagen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, was nicht nur für die Bewohner von Camp Tigerclaw gilt. Auch der bemitleidenswerte Coop (Michael Showalter) ist der Illusion aufgesessen, dass er mit Donna (Lake Bell) zusammen ist, obwohl er sie seit einem Jahr weder gesehen noch von ihr gehört hat. Als sie endlich im Camp ankommt, fällt die Begrüßung dementsprechend peinlich aus. Er geht dabei sogar auf die Knie, um seiner Freude über ihre Ankunft Nachdruck zu verleihen.
Es gibt in dieser Auftaktepisode eigentlich keine Szene, die nicht auf irgendeine Art - sei es nun auf absurde, groteske oder einfach nur warmherzige - witzig wäre. Das liegt nicht nur an den abgefahrenen Ideen der beiden Autoren Showalter und David Wain, sondern auch an den vielen grandios verqueren Figuren, die alle einem Klischee entsprechen, aber so überzeichnet sind, dass sie den Beschränkungen dieses Klischees locker entkommen. Es gibt einen Rülpswettbewerb, eine zarte Romanze, mehrere hochnotpeinliche Begegnungen und endlos viele berühmte Gesichter. Um davon nur ein paar zu nennen, die im Text keine Erwähnung fanden: Bradley Cooper, Amy Poehler, John Slattery, Ken Marino, Joe Lo Truglio, Michael Ian Black, Zak Orth - die Planungen für die Dreharbeiten müssen ein echter Albtraum gewesen sein.
Am Ende wird der sowieso schon überfrachtete Plot - ganz im Geiste des Films - mit zwei weiteren Handlungsbögen bereichert. Der pflichtbewusste Counselor Greg (Jason Schwartzman) erfährt, dass sich das Camp in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Überdies laden Mitarbeiter eines Chemiekonzerns außerhalb der Campumzäunung schleimig-grünen Giftmüll ab. Es ist also alles angerichtet für sieben weitere Episoden voller exzentrischem Sommerspaß, wenngleich abzuwarten bleibt, ob sich das Rezept des 97-minütigen Films auch auf eine vierstündige Serie ausweiten lässt. Die überaus vielversprechenden Grundsteine wurden dafür jedenfalls gelegt.