Die Männer in We Are Men streben danach, sich von der Diktatur der spaßfeindlichen Frauen zu befreien. Als Lohn winkt ihnen immerhin bedeutungsloser Sex! Je nach geistigem Reifegrad ist die Comedy ein bisschen zum Lachen - oder doch eher zum Weinen.

Die Protagonisten von „We Are Men“ verbringen einen Großteil ihrer Zeit am Pool. / (c) CBS
Die Protagonisten von „We Are Men“ verbringen einen Großteil ihrer Zeit am Pool. / (c) CBS

Rob Greenberg hat schon Episoden für Frasier geschrieben und für Serien wie Happy Endings oder How I Met Your Mother Regie geführt. Für letzteres Format hat Greenberg auch über lange Jahre hinweg als Produzent gearbeitet. Der Mann ist also ein alter Hase im Serienbusiness.

Vielleicht ist es ihm ja deswegen gelungen, das recht hochkarätige Schauspielerquartett aus Tony Shalhoub (Monk), Jerry O'Connell, Kal Penn und Christopher Nicholas Smith für We Are Men zu verpflichten. Leider hat Greenberg aus seinen früheren Formaten nur das Platteste herausgesucht, um es in seiner neuen - vor antiquierten Stereotypen triefenden - Testosteroncomedy zu verwenden. Dementsprechend wird die Pilotepisode von „We Are Men“ ihren Darstellern leider in keinster Weise gerecht.

Déjà-vu!

Die Geschichte von We Are Men beginnt mit einer Szene, die sonst auch gerne das Ende eines fiktiven Formates einleitet: Ein Mann platzt völlig außer Atem in eine Kirche, um die Braut vor dem größten Fehler ihres Lebens zu bewahren - und sich dann umgehend mit ihr aus dem Staub zu machen. Doch im Fall von Greenbergs Serienneuheit ist der Protagonist derjenige, der verlassen und bedröppelt am Altar zurückbleibt. Dies wäre vielleicht ein ganz erfrischender Twist gewesen, wenn er sich nicht genau so bereits in Happy Endings ereignet hätte...

Auf jeden Fall verschlägt es Carter (Smith), den Verlassenen - der das Seriengeschehen übrigens aus dem Off kommentiert - nach einem Umweg über sein Elternhaus in ein „quality furnished short-term housing“-Arrangement.

Gestatten, die Männer

Dieses Heim für „Verlassene und Geschiedene“ erweckt den Eindruck einer höherklassigen Ferienanlage inklusive einer Reihe von attraktiven weiblichen Statistinnen, die sich am Pool aalen. Auch vier Männer leben dort und genießen die Sonne von Los Angeles in vollen Zügen. In Form einer knackigen Einführung werden sie den Zuschauern im Schnelldurchlauf vorgestellt: Neben dem am Altar verlassenen Carter, der bislang nur mit einer Frau geschlafen hat (welch' Schande!), zählt dazu noch Stuart (O'Connell), der eine viel zu gute Scheidungsanwältin geheiratet hat, die nun zu allem Überfluss auch seine zweite Ehefrau erfolgreich vor Gericht vertritt. Er ist Speedo-affin und arbeitet als erfolgreicher Frauenarzt.

Auch der erfolgreiche Geschäftsmann Frank (Shalhoub) hat bereits Erfahrungen mit Eheschließungen gesammelt, ist aber alle vier Male auch wieder geschieden worden. Dies erweist sich für ihn als wahrer Glücksfall und er verbringt jetzt seine Zeit damit, blutjungen Asiatinnen nachzustellen. Ebenso wie Gil (Penn als Nummer vier: „his wife caught him having the world's worst affair“) kommt Frank sein zeitintensiver Job im Serienpiloten zum Glück nicht in die Quere. Genauso wenig spielen übrigens Geldprobleme eine Rolle. Obwohl die Wohnanlage der Männer nämlich sicher nicht umsonst ist, kann Carter sich das Leben dort problemlos finanzieren - obwohl er arbeitslos ist.

Geschlechterrollen

Doch die Frage, wie es berufstätigen Männern möglich sein sollte, ihre Tage wahlweise im Whirlpool, auf der Sonnenliege oder in irgendwelchen Restaurants auf der Pirsch nach Frauen (Asiatinnen!) zu verbringen, wird von einer anderen Problematik noch weit in den Schatten gestellt. Carters Fastfrau Sara (Fiona Gubelmann) tut es den anderen längerfristigen Partnerinnen der guyfriends insofern gleich, als dass sie deren Selbstverwirklichung im Wege steht. Sie will sich nur auf irgendwelchen Ökomärkten herumtreiben und verhindert somit das, was Männern generell wirklich am Herzen liegt: fettige Burger, kindische Spielereien und schneller, bedeutungsloser Sex.

Während die Männer in We Are Men zu stumpfsinnigen Vögelmaschinen degradiert werden - wobei jede monogame Regung von Gil und Carter zu lächerlichem Unsinn abgestempelt wird - handelt es sich bei Frauen generell um manipulative Todesfallen. Mit ihnen kann man generell nur langweiligen Freizeitaktivitäten nachgehen.

Erst möchte Carter trotz der weisen Ratschläge der neuen Freunde seine Ex Sara zurück - wodurch er sich in gewisser Weise als ein ebenso „bemitleidenswerter“ Typ outet wie Gil. Doch während auch Gil - ausgerechnet von seiner Tochter - auf den Pfad der Tugend (aka den Pfad des Quickies) zurückgeführt wird, kann sich auch Carter am Ende noch zu der „richtigen“ Entscheidung durchringen. Deswegen lässt er beim zweiten Hochzeitsversuch wiederum seine Sara alleine am Altar stehen. Nur so kann Carter nämlich endlich seine Traumkarriere als Basketballtrainer in Angriff nehmen, mit der Sara selbstverständlich und nie im Leben einverstanden gewesen wäre.

Die Hochzeit ist abgewendet - zum Glück wird in %26bdquo;We Are Men%26ldquo; am Ende alles gut. © CBS
Die Hochzeit ist abgewendet - zum Glück wird in %26bdquo;We Are Men%26ldquo; am Ende alles gut. © CBS

In Gestalt von Franks bildhübscher Tochter Abby (Rebecca Breeds), bei der es sich - nein, wer hätte das gedacht - auch um einen Basketballfan handelt, deutet sich zwar doch noch eine Chance für Carter und die Liebe an. Leider zeichnen sich die kommenden Ereignisse hier aber so platt, unausweichlich und fantasielos ab, dass auch diese Aussicht kaum optimistisch stimmt.

Fazit

Einige der albernen Begebenheiten, die sich im Umfeld der vier männlichen Singles aus We Are Men ereignen, sind durchaus drollig. Während die Wortwitze oft nicht den gewünschten Effekt haben, entfleuchte der Rezensentin an einer Stelle gar der Hauch eines Lachers. Leider verblasst ein Großteil des Humors in Anbetracht der Tatsache, dass die Grundprämisse der Comedy ganz furchtbar hinkt. Das, was den Protagonisten im Leben fehlt, sind nicht etwa Glück oder gar Geborgenheit, sondern lediglich One-Night-Stands. Und diese omnipräsente Bekenntnis zur Triebgesteuertheit wirkt dann doch reichlich leer und traurig.

Es darf zwar davon ausgegangen werden, dass sich in den künftigen Episoden - zumindest aufseiten von Gil und Carter - wieder das Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Nähe bemerkbar machen wird (haha, ich spreche nicht von Sex). Doch im Ganzen sind die Figuren der Serie dennoch allzu eindimensional, um sie ins Herz schließen zu können. Das liegt allerdings nicht in den Schauspielern begründet, die ihr Bestes zu geben scheinen. Einzig Fiona Gubelmann wirkt als Sara so gekünstelt quengelig und nervtötend, dass man sie sich nie und nimmer als echte Frau vorstellen wollen würde. Womit die Schauspielerin aber wiederum ausgezeichnet dem gezeigten Geschlechterbild entspricht...

Ach, Mr. Greenberg. Es wäre irgendwie beruhigend, wenn Sie mit dieser Aneinanderreihung von sexistischen Klischees der Männer und Frauen keinen Erfolg haben würden. Ob die Gesellschaft dazu bereit ist, sich zugunsten ein paar billiger Lacher von diesem dahinplätschernden Stumpfsinn berieseln zu lassen, werden die Quoten zeigen...

Diese Serie passen auch zu «We Are Men»