Watson 1x01

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Das passiert in der Pilotfolge der Serie „Watson“
Nachdem Sherlock Holmes und sein Erzfeind Moriarty (Randall Park) die Reichenbach-Wasserfälle hinabgestürzt sind, versucht sich Dr. Watson (Morris Chestnut) in der Serie Watson als Chef einer von seinem verschwundenen Freund finanzierten Klinik ein neues Leben aufzubauen. Doch schon bald steht er in seinem ersten medizinischen Fall vor einem Rätsel, für dessen Lösung er sein ganzes detektivisches Geschick benötigt...
Kein Spin-off zur Serie „Elementary“
Wenn ein Produzent wie Craig Sweeny eine Serie mit dem Titel „Watson“ auf den Weg bringt, leuchten bei gestandenen „Sherlock-Holmes“-Fans zunächst einmal die Augen. Das liegt natürlich vornehmlich am Serienknaller Elementary, der bis heute als eine der besten Neuinterpretationen des Stoffes überhaupt gilt.
Das extravagante Spiel von Jonny Lee Miller und seiner charmanten Partnerin Lucy Liu lockten zwischen 2012 und 2019 Millionen Zuschauende vor die Fernseher, bis das Format schließlich nach sieben Staffeln endete. Insofern war es nur legitim, an ein Spin-off zu denken, als eine Serie angekündigt wurde, die sich um Holmes' Sidekick drehen sollte.
Dass diese Vermutung falsch war, stellte sich im Laufe der nächsten Zeit allerdings schnell heraus. Dennoch erwarteten viele Fans eine spannende Krimiserie mit kniffligen Fällen, einem Schuss Ironie und mit ausgeprägtem Mitrate-Feeling.
Weder Medical-Drama noch Krimi
All das ist „Watson“, ausgehend von der Pilotfolge, allerdings nicht. Im Gegenteil dazu ist das neue Format anscheinend vordergründig eine Medical-Dramaserie, wenn auch der ungewöhnlichen Art. Hier stehen nämlich am Ende nicht die Heldinnen und Helden im weißen Kittel und blauen Kasack im Fokus, sondern ein im Stil von NCIS zusammengestelltes Ärzteteam, das Menschen vom Konferenztisch und aus dem Labor heraus heilen kann.
Klingt komisch, findet Ihr? Ist es stellenweise auch, zumal sich der Sympathiefaktor von Watsons Mitstreitern in Grenzen hält. Da wäre zum Beispiel Dr. Sasha Lubbock (Inga Schlingmann), die sich so betont geheimnisvoll und frech gibt, dass sie in jedem anderen Krankenhaus trotz ihrer viel zu selbstverständlichen Brillanz mit großer Sicherheit gefeuert worden wäre. Dann wären da ebenfalls noch die Croft-Zwillinge (deren Name sich womöglich auf Holmes' Bruder Mycroft bezieht), zwei Junggenies, die aber mit der Genialität ihres Chefs nur schwer mithalten können. Ob Figuren dieser Couleur glaubwürdig sind, muss das Publikum entscheiden, innovativ ist das indes allemal nicht.
Als Nächstes präsentiert die Serie mit der von Rochelle Aytes toll gespielten Dr. Mary Morstan Watsons Ex, die als Chirurgin in seinem „Holmes Hospital“ arbeitet. Als einzig interessante Figur entpuppt sich der undurchsichtige Shinwell Johnson (Ritchie Coster), den man ebenfalls aus den Romanen kennt.
Sowohl Morstans als auch Johnsons Figur werden gut in die Moderne übertragen, wobei die grundlegenden Charaktere erhalten bleiben. Das trifft aufgrund der schwachen Darstellungsweisen auf den Rest des Teams leider nicht zu. Man gibt sich jung und smart, ohne dabei auch nur annähernd ein ähnliches Gefühl zu erreichen, wie wir es etwa von den beliebten Wissenschaftsteams aus dem „NCIS“- oder CSI: Crime Scene Investigation-Franchise kennen.
Doch nicht nur das drückt auf die Stimmung. Die Pilotfolge dreht sich im Großen und Ganzen um einen medizinischen Fall, der mit mehr oder minder nachvollziehbaren detektivischen Mitteln gelöst wird. Hierbei wird deutlich, dass sich Sweeny offenbar nicht entscheiden konnte, ob er nun eine Krimiserie oder ein Medical-Drama erschaffen wollte.
Nichts greift

Der angestrebte Mix greift jedenfalls leider überhaupt nicht, weil weder im Besprechungsraum noch bei Watsons persönlichen Nachforschungen in irgendeiner Form Spannung aufkommt. Die Geschichte plätschert durchzogen von „Medicalbabble“ (man verzeihe die Anspielung auf Star Trek) vor sich hin und führt nie wirklich zu einem narrativen Höhepunkt.
Ein großes Manko ist außerdem ebenfalls, dass man zu der „Patientin der Woche“ namens Erika (Anjelica Bette Fellini) keine richtige Beziehung aufzubauen vermag. Zwar ist sie schwanger und könnte ihr Kind verlieren. Doch um wirklich mit ihr mitfühlen zu können, erhält die Figur zu wenig Screentime. Dafür erfahren wir in einem Dialog zwischen ihr und Watson mehr über die Hauptfigur der Serie.
Das geht einerseits insofern in Ordnung, weil uns auf diese Weise zumindest ein lästiger Flashback erspart bleibt. Andererseits rückt dies den Fokus eben auf Watson und lässt Erika mehr wie Beiwerk wirken. Doch gerade um ihre Rettung sollte es ja gehen. Befriedigend ist das alles daher nicht.
Moriarty
Den größten Bock schießt die Episode allerdings in der letzten Szene, in der wir erfahren, dass Moriarty noch lebt. Wie passend der Schauspieler für die Figur ist, sei einmal dahingestellt. Randall Park wirkt einfach nicht wie ein genialer Gentleman-Verbrecher; darüber hinaus ist sein Auftritt auch noch viel kurz. Die Frage, was Johnson ihm bei ihrem heimlichen Treffen in einem Lift übergibt, soll Neugier wecken und als Cliffhanger in den übergreifenden Story-Bogen einführen.
Ob dies gelingt, wird sich in den kommenden zwölf Episoden noch zeigen, für die Pilotfolge gilt jedoch, dass die Szene schon deshalb schlecht getimt ist, weil sie das Happy End zerstört. Dramaturgisch betrachtet ist das Finale insofern unglücklich gesetzt. Wir wussten schließlich bereits, dass Moriarty überlebt hat, denn sonst gäbe es schließlich keinen Antagonisten, den die Serie aber geradezu heraufbeschwört.
Insofern hätte man der Folge nach hinten raus entweder fünf bis zehn Minuten mehr Laufzeit gönnen dürfen, um die Einführung des Erzgauners sorgfältiger und weniger „Larifari“ zu gestalten, oder ihn schon früher einführen müssen. Ob das aber den durchwachsenen Gesamteindruck insgesamt in ein positiveres Licht gestellt hätte, darf anhand der anderen Mängel durchaus bezweifelt werden.
Fazit
Nein, das war nichts. „Watson“ ist nicht Fleisch und nicht Fisch, ist weder Medical- noch Crime-Drama. Die meisten Figuren wirken bisher dröge und wie auf dem Reißbrett kreiert, der medizinische Fall ist langweilig und es wird kein richtiger Bezug zur Patientin hergestellt.
Für eine Krimiserie ist das Finale wiederum zu dünn. Moriarty ist ein nichtssagender Widersacher, der mit einem vielsagend bedruckten Poloshirt in einer Gondel sitzt und sich geheimnisvoll zu geben versucht. Wenn man schon ein Genius wie ihn auf den Protagonisten loslässt, sollte dessen Einführung zumindest auch in Form eines Knalleffekts stattfinden. Diese Chance versäumen Sweeny und Regisseur Larry Teng beinahe schon sträflich, so dass die in der ersten Szene gezeigten Reichenbachwasserfälle dahinplätschern wie ein undichter Wasserhahn.
Wir verteilen daher nur zweieinhalb von fünf Fallakten.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 28. Januar 2025Watson 1x01 Trailer
(Watson 1x01)
Schauspieler in der Episode Watson 1x01
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