Warrior 1x01

Warrior 1x01

Martial-Arts-Serien sind in den heutigen Medien eine Rarität. Mit Warrior präsentiert uns Cinemax nun eine solche Serie, die dazu noch auf den Aufzeichnungen des legendären Darstellers Bruce Lee basiert. Doch kann diese traumhafte Kombination die Zuschauer umhauen?

Andrew Koji in „Warrior“ (c) Cinemax
Andrew Koji in „Warrior“ (c) Cinemax
© ndrew Koji in „Warrior“ (c) Cinemax

Als Ah Sahm (Andrew Koji) in der Episode The Itchy Onion im Auftakt von Warrior nach einer langen Überfahrt San Francisco im Jahr 1878 betritt, breitet sich vor ihm statt des Landes der unendlichen Möglichkeiten eine rapide wachsende Metropole im Tumult aus. Als talentierter und selbstbewusster Kämpfer erregt er nach einer handfesten Meinungsverschiedenheit die Aufmerksamkeit einer chinesischen Gang, die ihn prompt für ihre Zwecke rekrutiert und somit in die aufblühenden Tong-Kriege hineinwirft, die Chinatown zu erschüttern drohen.

This isn't China. It's Chinatown.

Während sich Ah Sahm mit dem rauen Klima der Stadt vertraut macht und dabei unter die Fittiche von Young (Jason Tobin), dem Sohn des Bosses, genommen wird, ist dies für den irischstämmigen Polizisten Bill O'Hara (Kieran Bew) bereits ein Alltag, in dem dieser so schnell wie möglich aufsteigen will. Doch die erhoffte Beförderung schleudert ihn mitten in das Pulverfass von Chinatown, in dem es beinahe unmöglich erscheint, die Balance zu halten.

Das liegt unter anderem daran, dass sowohl bestimmte Vertreter der städtischen Administration als auch Gangmitglieder nicht an einem Frieden interessiert sind, um sich im gleichen Zug mit illegalen Verdiensten wie Opiumhandel die Taschen vollzuschlagen. Ebenso befeuert Kriegsveteran Dylan Leary (Dean Jagger) die brodelnden Unruhen, indem er die weiße Arbeiterbevölkerung gegen die chinesischen Immigranten aufwiegelt und somit die ohnehin schon angespannte Stimmung in der Stadt weiter aufheizt.

Ah lernt neben Young in der Bordellbesitzerin Ah Toy (Olivia Cheng), die ein dunkles Geheimnis verbirgt, eine erste Verbündete kennen, die ihn mit Informationen bezügliches des eigentlichen Grundes seiner Reise nach Amerika unterstützt: seine Schwester zu finden. Diese entdeckt er als Mei Ling (Dianne Doan) - also unter neuem Namen - bei einer rivalisierenden Gang. Doch zu Ahs Überraschung befindet sie sich dort in einer gehobenen Position und teilt das Bett mit deren Anführer. Sehr zu seinem Missfallen macht sie ihm klar, dass sie seine Hilfe weder annehmen will noch einer Rettung bedarf und aufgrund diverser Ereignisse in China nicht einfach so gewillt ist, sich mit ihrem Bruder auszusöhnen. Für Ah werden die Karten nun neu gemischt und so muss er sich an die neue Situation anpassen und seinen Platz in Chinatown inmitten des Chaos finden.

Big Trouble in Little China

Warrior wurde um ein achtseitiges Skript von Kampfsportlegende und Schauspieler Bruce Lee in Zusammenarbeit mit dessen Tochter Shannon aufgebaut und um diese Idee wurden die in den westlichen Ländern wenig bekannten Bandenkriege und die aufgeheizte Stimmung speziell in San Francisco im späten 19. Jahrhundert nun aus der Sicht eines chinesischen Immigranten inszeniert. Aufgrund des baldigen Abschieds des fantastischen Into the Badlands wird eine Stelle im ohnehin unterrepräsentierten Bereich das Martial-Arts-Genres frei. „Warrior“ könnte diese Lücke füllen, verlässt sich im Vergleich zu „ItB“ auf eine bodenständigere Ästhetik und auf vom Realismus geprägte Kämpfe.

Hier und da fühlt man sich in den dreckigen und überzeugend lebendigen Kulissen San Franciscos auch ein wenig an den rohen Charme von Deadwood erinnert, erkennt aber inhaltlich und stilistisch zusammen mit der einen oder anderen Hommage deutlich die Handschrift von Banshee-Autor Jonathan Tropper. „Warrior“ beinhaltet jede Menge Action, zeigt ordentlich viel nackte Haut und scheut, wie spätestens am Ende der Episode deutlich wird, auch nicht vor recht deftiger Gewaltdarstellung zurück. Daher verdient es sich - ebenso wegen einer stetigen Kaskade an Flüchen - seine TV-MA-Einstufung (MA=„Mature Audiences“, also erwachsene Zuschauerschaft) definitiv. Ob Bruce Lee eine solch explizite Darstellung im Sinn hatte, wage ich zu bezweifeln, doch dieser Schritt ist im Kontext moderner Anpassungen an das Publikum und dessen Erwartungen nachvollziehbar und auch im Hinblick auf die historischen Gegebenheiten durchaus passend.

Die knapp über 60 Minuten lange Pilotepisode ist allerdings keineswegs ein reines Actionfeuerwerk, sondern verbringt einen Großteil mit Exposition und dementsprechend mit der Etablierung des Settings, aber vor allem auch der sehr großen und bisweilen unübersichtlichen Menge an Charakteren. Da wären nicht nur die beiden rivalisierenden chinesischen Gangs, sondern auch noch die Polizei und die Administration der Stadt, diverse bisher neutral anmutende Figuren rund um das Bordell sowie Chaosfaktoren in der Arbeiterklasse, die allesamt zur Destabilisierung der Situation beitragen. An und für sich ist das keine schlechte Sache, denn man merkt, dass viel Mühe darin geflossenen ist, die Mechanismen der Stadt anhand multipler Perspektiven als Teil des Mikrokosmos ausreichend umfangreich zu gestalten. Solange man sich nach der Vorstellung der zahlreichen Mitspieler nun in den weiteren Episoden auf etwas weniger Charaktere konzentriert, um ersteren mehr Zeit einzuräumen, dürfte das Konzept auch durchaus aufgehen.

Olivia Cheng in Warrior
Olivia Cheng in Warrior - © Cinemax

Schauspielerisch ist das Ganze über weite Strecken ordentlich, wenngleich insbesondere Andrew Kojis Dialoge manchmal etwas unbeholfen flach daherkommen. Dafür bringt er aber während der vergleichsweise kurzen und manchmal im wahrsten Sinne des Wortes knackigen Kampfszenen eine gewisse physische Präsenz auf den Bildschirm, die das ein Stück weit ausgleicht. Bruce-Lee-typische Bewegungen und Gesten hat er gekonnt in sein Repertoire aufgenommen, so dass der Geist des Schöpfers in vielen Szenen bewahrt wird oder sich gar deutlich zeigt. Der Rest des Cast, wie beispielsweise Jason Tobin, Olivia Cheng, Kieran Bew und Dianne Doan, besteht aus unverbrauchten Gesichtern, die gleichzeitig nicht unerfahren sind.

Die Geschichte nimmt sich selbst ernst und es weht nur ein ganz dezenter Hauch von Pulp. Ob dieser Ansatz der Serie guttut, kommt dabei ganz auf die Qualität der Drehbücher der künftigen Episoden an. Technisch ist der Einstand durchaus hochwertig produziert, die authentisch wirkenden Sets und auch die Kostüme mit ihrem leicht modernen Anstrich vermitteln eine atmosphärische Mischung aus lebhafter und lauter Western- und Großstadt. Dialog- und Charaktertiefe auf einem Niveau von Peaky Blinders sollte man nicht unbedingt erwarten, bekommt dafür aber die zu erhoffende Portion Backenfutter und stilisierte Action, die durch die Früchte der Idee von Bruce Lee möglich erschien.

Fazit

Im Guten wie im Schlechten ist Warrior eine für Cinemax relativ typische Produktion: Das bedeutet, man kennt seine Zielgruppe genau und peilt ein Stück weit eine gewisse Nische an. Ebenso geht man von vornherein davon aus, dass aufgrund der expliziten Formel hiermit keine breite Masse angesprochen wird. Diejenigen, für die es gemacht ist, dürften dafür aber großen Spaß an dem turbulenten Spektakel haben.

Warrior ist Stoff für Martial-Arts-Fans und für alle, denen das raue Setting eines San Franciscos des späten 19. Jahrhunderts zusagt und die darüber hinaus Lust auf schick choreografierte, bodenständige Action haben sowie sich darauf freuen, die Kampfphilosophie von Bruce Lee noch einmal zum Leben erweckt zu sehen. Mit der ausgiebigen Exposition und der Vielfalt an Figuren schafft man sich ein ordentliches Fundament und viel Potential für die kommende Staffel. Solange man nicht ein paar zu holprige Dialoge auf die berühmte Goldwaage legt oder allzu anspruchsvolles Drama erwartet, bietet die Serie einen sicherlich hohen Unterhaltungsfaktor.

Abschließend noch der Trailer zur neuen Martial-Arts-Serie von Cinemax, „Warrior" (nach der Idee von Bruce Lee):

Verfasser: Tim Krüger am Montag, 8. April 2019

Warrior 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Warrior 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Krieg der Tongs
Titel der Episode im Original
The Itchy Onion
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 5. April 2019
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 14. Juni 2019
Autor
Jonathan Tropper
Regisseur
Assaf Bernstein

Schauspieler in der Episode Warrior 1x01

Darsteller
Rolle
Andrew Koji
Olivia Cheng
Dianne Doan
Joanna Vanderham
Hoon Lee
Langley Kirkwood
Christian McKay

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?