WandaVision 1x03

© zenenfoto aus der WandaVision-Episode Now in Color (c) Disney+/Marvel
Herzlich willkommen bei den wöchentlichen Besprechungen zu WandaVision. Nach dem durchaus kontroversen Auftakt, dessen erster Teil nachträglich den Namen Filmed Before a Live Studio Audience erhalten hatte, geht es nun mit der dritten Folge Now in Color weiter. Wie der Titel schon verrät, sind wir nun in der Farbfernseh-Ära der 70er Jahren angekommen, was die Sitcom-Referenzen angeht. Es ist die Dekade des „Brady Bunch“ und „Mary Tyler Moore“, was sich auch im aktuellen Intro zeigt. In der zweiten Folge debütierte am Ende nicht nur die Farbe, sondern auch ein Babybauch bei Wanda (Elizabeth Olsen) und im Titelsong heißt es „One plus one is family“.
Weil man in einem Neunteiler nicht unbedingt viel Zeit zu verlieren hat und hier ohnehin nichts wirklich so ist, wie es scheint, wird die Schwangerschaft im Eiltempo abgehandelt, was vor allem Vision (Paul Bettany) nur schwer begreifen will. Denn der „Akt“ ist höchstens einen halben Tag her und doch scheint Wanda laut dem Doktor, der sie untersucht hat, im vierten Monat zu sein. Wenig später folgt der erste Tritt, was für circa sechs Monate spricht. Nach Visions Kalkulation würde das Baby in diesem Tempo schon nach drei Tagen geboren werden. Doch da hat sich die AI etwas verkalkuliert...
Baby Avengers
Zwischenzeitlich werden Babynamen diskutiert. Schnell mausern sich Tommy und Billy als Favoriten. Das sind tatsächlich auch die Namen der (magisch erzeugten) Kinder von Wanda aus der Comicvorlage. Als Speed (Tommy) und somit ganz nach seinem Onkel Piotr und Wiccan (Billy) wurden sie Mitglieder der Young Avengers, die Allan Heinberg und Jim Cheung im Jahre 2005 haben debütieren lassen. Wer die News um das Marvel Cinematic Universe aufmerksam verfolgt, der ahnt, dass die Young Avengers bereits Stück für Stück eingeführt werden und wurden. Cassie Lang (zukünftig Kathryn Newton), die Tochter von Scott Lang (Paul Rudd), ist bereits etabliert. In Hawkeye wird Hailee Steinfeld als Bogenschützin mitmischen und auch andere Junghelden wie America Chavez, Ironheart und Ms. Marvel werden bereits in Stellung gebracht und erscheinen entweder in kommenden Filmen oder den Disney+-Serien der Zukunft. Aber dazu mehr, sobald es mehr Infos gibt. Was ich damit sagen will: Es ist relativ offensichtlich, dass die jungen Helden in Phase vier und den kommenden Jahren im Mittelpunkt stehen werden.
Tatsächlich kommt es in der Folge zur Geburt von den Zwillingen, wobei alle überrascht sind, dass es zwei Kinder sind. Aber bereits die Schwangerschaft war ja ein Mysterium für sich. Ob Billy und Tommy aber über „WandaVision“ hinaus existieren werden, muss sich noch zeigen. Da es bislang entweder nach einer Simulation in Visions Geist oder einem kontinuierlichen Nervenzusammenbruch von Wanda aussieht, möchte ich hier noch keine Prognose abgeben.
Schwerter und merkwürdige Nachbarn

In der dritten Episode kann man bereits etwas besser spekulieren, was in Westview eigentlich los ist. Ein heißer Hinweis ist S.W.O.R.D. (in den Comics so etwas wie das Weltraum-Äquivalent von S.H.I.E.L.D.), deren Agenten Wanda und Vision eventuell unter Beobachtung haben. Allerdings sind weder Wanda noch Vision außerirdische Lebensformen. Die mysteriöse „Geraldine“ (Teyonah Parris) trägt etwa eine entsprechende Kette mit einem Schwertanhänger. Dass sie einen anderen echten Namen hat, ist nach dem Folgenende wohl klar. Agnes (Kathryn Hahn) und Herb (David Payton) scheinen Verdacht zu schöpfen und ohnehin auch mehr zu wissen. An anderer Stelle habe ich etwas vom Framework aus Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. als möglichen Aufenthaltsort von Westview gelesen. Das wäre natürlich eine nette Referenz, allerdings bezieht sich Kevin Feige bisher nicht so oft auf diese TV-Kontinuität.
Durch den Menschen im Bienenhüterkostüm denken manche vielleicht an AIM als Drahtzieher, wobei die Organisation auch schon in „Iron Man 3“ eine Rolle spielte und schnell abgefrühstückt wurde. Es könnte aber auch der Nazischurke Swarm sein, weil dieser, wie der Bienenhüter, von Bienen umgeben wird.
Hydra ist derweil in den Fakewerbungen immer wieder präsent. Sicherlich auch, weil Wanda und ihr Bruder durch Hydra-Experimente mit den Infinity Stones überhaupt erst ihre Kräfte erhalten konnten. Dazu kommt auch die Präsenz von Stark, die die Maximoff-Geschwister anfangs zu Schurken werden ließ. Stück für Stück kann man sich also zusammenpuzzlen, dass es genug Gründe für Wanda gibt, den Verstand zu verlieren und, wenn dann noch ein Machtpotential wie ihres vorhanden ist, bei dem bei falschen Wehen bereits die halbe Nachbarschaft den Strom verliert oder die Abflüsse brodeln, dann kann man auch verstehen, dass es womöglich besser ist, sie unter Beobachtung zu wissen.
Der tote Zwilling
Geraldine weiß mehr, als es scheint, denn wenn Wanda erwähnt, dass sie selbst ein Zwilling ist, spricht sie Ultrons Mord an Quicksilver (Aaron Taylor-Johnson) in „Avengers: Age of Ultron“ an. Wandas plötzliches Babyglück ist unterbrochen und sie will von „Geraldine“ wissen, woher sie davon weiß. Als sie keine passende Erklärung hat, befördert Wanda, die ein Lied aus ihrem Heimatland Sokovia singt, um die Babys zu beruhigen, die Geburtshelferin und Nachbarin kurzerhand in die reale (?) Welt zurück, die nicht nur in Farbe, sondern auch im 16:9-Format ist. Flankiert wird Geraldine bald von allerhand Agenten, wahrscheinlich welche von S.W.O.R.D., was sich leider nicht so einfach erkennen lässt. Aufklärung dürfte womöglich Folge vier bringen.

Doch was sagt uns Wandas Reaktion? Ist sie vielleicht diejenige, die diese Welt erschaffen hat? Eine mögliche Erklärung wäre, dass sie in Sokovia mit den amerikanischen Sitcoms groß geworden ist und sich nach diesem Vorbild in einen Fantasy-Kokon eingesponnen hat. Vielleicht möchte sie entsprechend gar nicht aus dieser ausbrechen? Das Zurückspulen in Folge zwei, als der Bienenhüter auftauchte, und auch eine Szene in diesem Kapitel rund um Vision, der ihr sagt, dass er glaubt, dass etwas nicht stimmen kann, was kurz danach in einem neuen Take abgeändert wird, befeuern diese Theorie ebenfalls. Vielleicht ist es bislang einfach in der echten Welt nicht gelungen, eine Lösung für den toten Geliebten zu finden. Plötzlich hat die Framework-Theorie, gemischt mit Wandas Hexenmagie, wieder etwas mehr Sinn, wobei ich das nach wie vor bezweifle. Eine weitere Frage, die mir durch den Kopf schwirrt: Wie mächtig ist Wanda in Westview? Was würde passieren, wenn ihrem Nachwuchs etwas geschieht? Kann sie - in diesem Nachbarschaftsrahmen - beliebig die Zeit zurückdrehen und alternative Geschichten schreiben? Oder lenkt jemand anders das alles?
Andere Theorien gehen in die Richtung, dass manche Nachbarn versteckte magische Marvel-Schurken sein könnten. Vor allem Dottie (Emma Caulfield Ford) und Agnes werden hier verdächtigt. Die Namen Nightmare oder Mephisto tauchen dabei auf. Doch auch hier muss man wohl abwarten. Persönlich bezweifle ich, dass man gleich zwei solcher Schwergewichte einführen würde, wobei durch die Verzahnung mit dem Marvel Cinematic Universe und „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ mindestens einer von beiden ein guter Schurkenkandidat wäre, wenn man nicht Wanda selbst in diese Rolle manövriert...
Sitcom-Emulation

Auch in der dritten Folge dient eine TV-Dekade des Genres Sitcom als Inspiration für die Handlung, nämlich die 70er. Schaut man sich die Poster und Interviews der Beteiligten zur Serie an, dann wird dieses Gimmick wohl noch durchgezogen, bis man die Gegenwart erreicht. Wie man an den Reaktionen der Leser und im Netz sehen konnte, spaltet das die Zuschauer, die das teilweise für einen interessanten Geniestreich halten, direkt davon abgeschreckt werden oder keine Geduld haben, sich auf das Experiment einzulassen, weil sie den Sinn dahinter nicht verstehen können oder wollen. Ich kann nachvollziehen, dass man das anstrengend findet, besonders auch in der frühen TV-Ära, wenn das Publikumslachen allgegenwärtig ist. Ich muss Showrunner Jac Schaffer allerdings ein Kompliment machen, denn mit viel Detailliebe wurden die großen Vorbilder von „The Dick van Dyke Show“, „Bewitched“, „I Love Lucy“ bis hin zu „The Brady Bunch“ bisher emuliert. Die meisten Dialoge zwischen Wanda, Vision und ihren Nachbarn sind durchaus cleverer, als der Ersteindruck es vermuten lässt, und haben doppelte Ebenen. Es stecken viele Details und Anspielungen drin (man könnte manchmal meinen, etwas zu viele und zu sehr versteckte).
Für mich persönlich ist die dritte Folge in dieser Hinsicht bisher die sehenswerteste gewesen, auch weil tatsächlich mehr zu den Hintergründen angedeutet wird. Neugierig bin ich allerdings erneut, wie die Zuschauer, die nicht so tief im MCU sowie den Comics und der TV-Geschichte drinstecken, das alles finden und wie viel sie verstehen. Fragt man sich etwa, ob Personen außerhalb der USA, die nach 2000 geboren wurden, je klassische Sitcoms der 50 bis 70er sehen konnten, kann es sein, dass das einfach nie der Fall war - und schon dann fehlt vielen sicherlich ein Referenzrahmen. Das soll nicht bedeuten, dass man so etwas nicht in die Handlung einbauen sollte, es kann aber dazu beitragen, das man irgendwann entnervt aufgibt.
Als Fan der wöchentlichen Ausstrahlung hätte ich es im Fall von „WandaVision“ übrigens nicht verkehrt gefunden, gleich die ersten drei Episoden zum Start zur Verfügung zu stellen, denn spätestens hier sollte man nun merken, ob die Serie das etwas für einen ist oder nicht. So musste man eben zwei Wochen Geduld beweisen, um zu sehen, wie es weitergeht. Dass man auf kleine Cliffhanger-Enden geht, finde ich ebenfalls in Ordnung, weil das die Vorfreude auf die kommende Woche steigert.
Fazit

Die WandaVision-Episode Now in Color führt nicht nur die Farbe in die Sitcom-Welt ein, sondern sollte auch dem letzten Zuschauer deutlich machen, dass etwas oder jemand hier eine künstliche Welt für Wanda und Vision erschaffen hat, die der mächtigen Magierin eine heile Welt vorgaukelt. Ob das geschieht, um eine Katastrophe durch ihre Kräfte in der echten Welt zu verhindern oder ob jemand sie in eine bestimmte Richtung positionieren will, ist nach drei Folgen noch völlig offen. Doch der Blick hinter die Kulissen nimmt langsam, aber sicher ordentlich an Fahrt auf. Kann das alles überhaupt nicht tragisch für Wanda enden?
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 22. Januar 2021(WandaVision 1x03)
Schauspieler in der Episode WandaVision 1x03
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