WandaVision 1x01

WandaVision 1x01

Mit WandaVision präsentiert Disney+ nicht nur die erste Marvel-Cinematic-Universe-Streamingserie, sondern auch einen Comedy-Wolf-im-Schafspelz. Etwas stimmt hier ganz gehörig nicht bei Wanda und Vision in ihrer Vorstadtidylle...

Szenenfoto aus WandaVision (c) Disney+
Szenenfoto aus WandaVision (c) Disney+
© zenenfoto aus WandaVision (c) Disney+

Hört oder liest man Interviews mit Marvel Studios-Boss Kevin Feige, dann betont er gerne, dass man bei jedem neuen Projekt gleichzeitig etwas Neues wagen möchte und das auch getan hat. Das ist mit den bisherigen Werken des Marvel-Cinematic-Universe durchaus gut gelungen. Gewisse Fortsetzungen muss man dabei vielleicht ausklammern. Aber immer wieder experimentiert man mit Ideen und Genres und erreicht so unerwartete Resultate.

Wäre die Coronavirus-Pandemie nicht dazwischengekommen, dann wäre wohl das vermeintlich konventionellere Format The Falcon and the Winter Soldier die erste Marvel-Serie bei Disney+ geworden. So ist es nun doch WandaVision geworden. Eine Serie, die zumindest in den ersten Folgen eine Reise durch die amerikanische Sitcom-Geschichte unternimmt und dabei Wanda Maximoff (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) als Vorstadtpaar präsentiert, das nicht so recht weiß, wie es eigentlich dort hingekommen ist. Immer wieder blitzen Momente durch, die andeuten, dass etwas nicht stimmt und spätestens beim Abspann wird dann auch dem letzten Zuschauer klar, dass hier etwas im Argen liegt.

Wie ist das möglich?

Treue Zuschauer des Marvel-Cinematic-Universe wissen nämlich, dass das, was sie hier geboten kriegen, sich mit ihrem Kenntnisstand um das Schicksal der Figur Vision schwer erklären lässt. Thanos (Josh Brolin) hat Vision im Kampf nämlich seinen Mind Stone aus der Stirn entfernt und ihn so zu einem leblosen Etwas gemacht, was Wanda schwer mitgenommen hatte. Natürlich wissen wir auch, dass die Helden den Tag gerettet haben und Captain America die Infinity Stones in Sicherheit gebracht hat. Wie genau Vision nun also in dieser typisch amerikanischen Vorstadt ein gemeinsames Leben mit der Scarlet Witch verbringen kann, ist ein Geheimnis, das in der Serie womöglich geklärt wird.

Worum geht es in WandaVision?

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Disney+ - © Disney+

Oberflächlich wird uns in den ersten beiden Folgen von „WandaVision“ eine Vermischung der beiden Marvel-Figuren mit einer schwarz-weißen Sitcom-Welt präsentiert, die von der Rollenverteilung altmodischer kaum sein könnte. Auch das Bildformat bleibt passenderweise in 4:3 und wir sehen, wie Wanda den Haushalt (mit einer großen Portion Magie) schmeißt, Nachbarn vorbeischauen und mehr über die Bewohner des Hauses erfahren wollen und weitere Sitcom-Tropen. Ein Herz im heimischen Küchenkalender sorgt etwa für Verwirrung: Hat das Paar Jahrestag? Nein, es handelt sich um einen Termin mit den Harts zum Abendessen- also dem Chef (Fred Melamed) von Vision in seinem undefinierbaren Job und dessen Ehefrau (Debra Jo Rupp). Wanda muss improvisieren und statt eines romantischen Essens nun ein Dinner für vier hervorzaubern. Das tut sie wortwörtlich mit etwas Hilfe der Nachbarin Agnes (Kathyn Hahn), die sie mit den Zutaten versorgt, aber dann abserviert.

In der zweiten Episode lernt man weitere Menschen aus der Nachbarschaft kennen. So etwa die Königin der Vorstadt-Sackgasse, Dottie (Emma Caulfield, Buffy the Vampire Slayer), mit der man es sich nicht verscherzen sollte, wenn man in der Nachbarschaft ein angenehmes Leben haben will. Dottie organisiert eine Talentshow, während Vision bei der Nachbarschaftswache vorbeischaut und dort einen Kaugummi verschluckt, welcher dann dafür sorgt, dass er sich bei der geplanten Zaubervorführung wie ein Betrunkener benimmt.

Was soll das alles?

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Die Grundhandlung der ersten beiden Folgen orientiert sich jeweils tatsächlich sehr stark an Old-School-Sitcoms vergangener Jahrzehnte, was die Geduld von Gelegenheitszuschauern womöglich herausfordern könnte. Denn so bietet man nur wenige Momente, die Hinweise darauf geben, dass Wanda und Vision in einer Art Experiment gefangen zu sein scheinen. Die Sitcom-Elemente selbst sind bewusst altmodisch gestaltet, wirken manchmal aber auch bemüht clever, was Wortspiele und Dialoge angeht. An manchen Stellen wurde ich daran erinnert, wie Aaron Sorkin in Studio 60 on the Sunset Strip versucht hat, Sketch-Comedy zu schreiben und die Resultate eher ernüchternd waren. Ganz so schlimm ist es in WandaVision nicht. Aber es ist dennoch bemerkenswert, dass man mehrere Episoden einer solchen Struktur widmet. Da ist bei manchen Zuschauern Geduld gefragt.

Ist man mit einigen Comicwerken vertraut oder denkt den Verlustmoment in „Avengers: Endgame“ weiter, kann man ahnen, in welche Richtung es gehen könnte. Die bereits genannten Momente, in denen Wandas Welt ins Straucheln gerät, deuten auf eine Art Nervenzusammenbruch hin. Hat sich die mächtige Wanda vielleicht eine alternative Lebensrealität erstellt, um den Verlust ihres Partners zu kompensieren? Steht sie unter Beobachtung bei S.H.I.E.L.D. oder einer anderen Organisation? In Comicvorlagen wie „House of M“ ist das Schaffen einer alternativen Realität bereits vorgekommen, während in der Maxiserie „Vision“ von Autor Tom King und Zeichner Gabriel Hernandez Walta ein Vision mit einer Androidenfamilie in der Vorstadt gezeigt wurde, in der längst nicht alles so perfekt ist, wie man es sich wünschen würde...

Verliebt in einen Androiden

Es gibt in den ersten beiden Folgen bereits genug Momente, in denen sich Wanda diverse Wünsche erfüllt: Ob nun einen gemeinsamen Song, Ehering, ein gemeinsames Bett, einen zunächst verpassten und dann nachgeholten Kuss oder sogar eine Schwangerschaft. Auch eine solche gibt es in den Comics (es ist kompliziert). Allerdings gibt es auch Andeutungen, dass sie jemand kontrollieren könnte, wie eine Botschaft aus dem Radio suggeriert, und auch das Episodenende der ersten Folge zeigt, dass das Ganze etwas von der „Truman Show“ hat.

Insgesamt zollt die Serie natürlich einigen Produktionen Tribut. Ob nun klassischen Sitcoms wie „I Love Lucy“, „The Honeymooners“ oder „Verliebt in eine Hexe“ über Filme wie „Pleasentville“ und hin zu anderen Werken, die wahrscheinlich noch kommen werden. Man kann gespannt sein, wann man etwas tiefer in das Warum einsteigen wird. Momentan hat man neun Folgen dafür Zeit, was genug sein sollte. Zumal das Format auch auf einen Auftritt Wandas in dem Kinofilm „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ mit Benedict Cumberbatch als Doctor Strange hinarbeitet. Könnte sie darin zur Schurkin mutieren oder zumindest ungewollt Chaos anrichten, das der Sorcerer Supreme beseitigen muss?

Die erste Stunde der Serienhandlung wirkt dabei deutlich konventioneller als zum Beispiel das experimentierfreudige Legion, welches ebenfalls mit Tragödien und mutmaßlichen psychischen Störungen der Hauptfigur umging. Allerdings ist „WandaVision“ deutlich mehr für ein Mainstream-Publikum angelegt als das letztlich überaus nischige und von mir innig geliebte „Legion“, weswegen man wohl einige Abstriche machen muss, was den Mut zur Abstraktion angeht. Für ein MCU-Projekt ist „WandaVision“ aber schon recht ungewöhnlich bisher.

Verhext und zugenäht!

Passend zur bisherigen Sitcom-Hommage sind die ersten Folgen auch nur 22 bis 30 Minuten lang, wobei durch den Abspann oder auch das „Previously on...“ die Brutto-Lauflänge in der App etwas länger angezeigt wird. Kevin Feige hat bereits verraten, dass sich das im weiteren Verlauf der Staffel ändern kann und man sollte wohl nicht annehmen, dass alle Folgen einfach nur im bisherigen Stil gehalten sind. Das wäre über kurz oder lang vielleicht auch etwas zu langweilig. Spätestens nach der dritten Folge wären wohl ein paar Antworten wünschenswert, dann könnte man dies als ersten Akt in der größeren Story sehen.

Bislang passen Olsen, Bettany und der Rest des Casts recht gut in ein Sitcom-Setting und ihre Fähigkeiten, die man durch diese Tropen verstecken muss, eignen sich gut für dieses Experiment. Bei einigen Stadtbewohnern, besonders Agnes und Geraldine (Teyonah Parris), die eigentlich als erwachsene Monica Rambeau angekündigt wurde, wird es bestimmt noch einige Twists geben.

Als langjähriger Marvel- und Comicfan lasse ich mich auf diese ungewöhnliche Erzählung gerne ein und bin auch gewillt, ein wenig Geduld mitzubringen. Allerdings bin ich schon daran interessiert, wie das alles bei 08/15-Zuschauern, die weder viele Marvel-Stoffe gelesen noch gesehen haben, nun rüberkommt. Im Vorfeld habe ich etwa in der Community oft gelesen, dass potentielle Zuschauer der Serie bereits wegen ihrer Verbindung mit Sitcom-Elementen keine Chance geben wollten. Nach der Sichtung der ersten beiden Folgen bin ich mir, wenn ich die Fanbrille abnehme, nicht ganz sicher, wie das ohne Vorkenntnisse ankommt oder ob man hier schon viele Zuschauer abschrecken könnte. Die Talentshow beispielsweise ist doch recht albern und altbacken erzählt. Manche finden das charmant, andere rollen da sicherlich mit den Augen.

Viele offene Fragen machen neugierig

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Disney+ - © Disney+

Reichen die Andeutungen, die eingestreut sind, um die Neugier auf die wahren Gründe für das Setting zu erhalten? Was sind das für Warnungen? Was hat es mit der Person auf sich, die aus dem Gulli steigt? Wie weit kann Wanda gehen, um sich ihre heile Welt herbeizuzaubern? Würde sie sich ihren Bruder zurückzaubern? Ist es zu offensichtlich, misstrauisch gegenüber Agnes zu sein? Und sind die eingestreuten Werbespots nur eine kleine Ablenkung oder steckt hier irgendwo mehr dahinter? In den ersten beiden Spots tauchen zumindest die Namen Stark, Strucker und Hydra auf. Es könnte bei manchen in Vergessenheit geraten sein, dass Wanda in „Avengers: Age of Ultron“ als Hydra-Experiment von Wolfgang von Strucker (Thomas Kretschmann) entstanden war...

Es ist zu wünschen, dass man in dieser Serie vielleicht noch mehr zu Wanda erfährt, als es in den Filmen der Fall war, in welchen sie doch oft eher einen Nebenfigurenstatus innehatte. Auch ihr wahres Machtpotential wurde höchstens angedeutet, wobei Thanos erkannt hatte, wozu sie fähig wäre, sonst hätte er in „Endgame“ nicht einen Luftschlag gegen sie befehligt. Auch bei Vision sind viele Fragen offen, allen voran natürlich, warum er überhaupt am Leben ist. Als die Farbe am Ende der zweiten Folge in die Welt zurückkehrt, sieht man jedenfalls, dass sich der Mind Stone auf seiner Stirn befindet - und dass er ohne ihn funktioniert, haben wir bisher nicht gesehen...

Fazit

Der Einstieg von WandaVision wird wahrscheinlich nicht jeden Zuschauer direkt abholen und besonders Hasser von klassischen Sitcoms abschrecken. Doch hinter der Fassade stecken viele interessante Fragen, rund um die bisher zu kurz gekommenen Figuren aus dem Marvel-Cinematic-Universe: Wer zieht im Hintergrund die Fäden? Zu was ist Wanda noch alles fähig? Wie ist die Wiedergeburt von Vision möglich? Und: Wie lange wird die Sitcom-Hommage durchgezogen?

WandaVision“ macht einen hochwertigen Eindruck, wobei man durch die Sitcom-Ästhetik einiges kaschieren und vielleicht anfangs etwas Budget einsparen kann, welches man später hoffentlich nutzt, um die actionverwöhnten Marvel-Fans zu belohnen. Persönlich hätte ich mir etwas weniger bloße Sitcom-Hommage und mehr Mut zum mindfuck gewünscht, aber das kann ja noch kommen. Darum wohlgemeinte vier Lacher aus der Konserve.

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur ersten Season der Disney+-Serie „WandaVision“:

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Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 15. Januar 2021

WandaVision 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(WandaVision 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Mit einem Live-Publikum gefilmt
Titel der Episode im Original
Filmed Before a Live Studio Audience
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 15. Januar 2021 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. Januar 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 15. Januar 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 15. Januar 2021
Autor
Jac Schaeffer
Regisseur
Matt Shakman

Schauspieler in der Episode WandaVision 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?