Walker 1x15

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Four Stones in Hand
Die Ereignisse aus Defend the Ranch dominieren im Hintergrund das Geschehen von Four Stones in Hand. Während es für Bonham (Mitch Pileggi) und Abeline (Molly Hagan) eine Krebsdiagnose und die möglichen Nebenwirkungen einer Behandlung sind, stellen Stella (Violet Brinson) und August (Kale Culley) bei ihrer Rückkehr in die Schule fest, dass sie plötzlich im Fokus ihrer Mitschüler stehen, die alles über die dramatischen Ereignisse auf der Ranch hören wollen. Cordell (Jared Padalecki) wird derweil von Liam (Keegan Allen) dabei erwischt, wie er den Polizeifunk abhört, obwohl er sich eine Auszeit von der Arbeit nehmen wollte. Offenbar vermisst er die Ermittlungen.
In der Bar taucht bei einem Gespräch zwischen Walker und Micki (Lindsey Morgan) unverhofft deren Mutter Mercedes (Leticia Jimenez) auf. Mercedes möchte den Kontakt zu ihrer Tochter wiederherstellen und bringt eine Erklärung mit, weshalb ihr das so schwerfällt. Denn sie wurde einst Opfer eines Betrugs, als sie glaubte, sich bereits per Brief mit ihrer Tochter auszutauschen. Eine Erklärung, die Micki nicht glaubt und Cordell dazu bewegt, Ermittlungen anzustellen.
Das Familiendrama bestimmt erneut das Geschehen, was sich dieses Mal auch im Fall der Woche bemerkbar macht. Für eine Serie, deren Hauptfiguren als Texas Ranger unterwegs sind (oder sein sollten), ist das noch immer gewöhnungsbedürftig. Aber die persönlichen Einblicke, die es Woche für Woche bei zahlreichen Figuren gibt, können sich wie (fast) immer sehenlassen und verleihen Walker eine Besonderheit, wie man sie nur selten findet.
Fall der Woche
Kümmern wir uns erst um den Fall der Woche. Mercedes ist einem Schwindel zum Opfer gefallen. Jemand hat sich als ihre Tochter ausgegeben und ihr nach ausgiebigem Briefverkehr Geld aus der Tasche gezogen. Die Spur führt zu einer Selbsthilfegruppe und fördert schnell deren Leiterin Joy Caldwell (Dana Wheeler-Nicholson) als Täterin zu Tage, die sich die Geschichten ihrer Schützlinge heimlich zunutze macht(e).
Vielleicht nicht gerade ein Fall für die Texas Ranger und an sich ein bisschen zu geradlinig im Verlauf, denn es gibt keinen Red Herring oder andere Überraschungen, die die Ermittlungen schwierig gestalten. Action sucht man vergebens und selbst die Spannungsmomente sind kleinerer Natur. Aber - und das ist ein großes ABER - ich habe mich selten bei einer Auflösung so sehr gefreut wie hier. Denn gerade die kleineren Betrügereien (ich musste da ständig an den Enkeltrick denken) bekommen heutzutage viel zu wenig Aufmerksamkeit, insbesondere in Crime-Serien, wo alles immer größer bis hin zu gigantischen Verschwörungen laufen muss. Da fallen die kleineren Angelegenheiten, die gefühlt sehr viel häufiger in der Realität auftreten, oft unter den Tisch. Umso schöner, wenn hier gegen Ende die Opfer von Joy einmal zur Sprache kommen.

Dazu gehört auch Mercedes, bei der die Folgen dieses Scams dazu geführt haben, dass sie den Kontakt zu Micki lange Zeit nicht gesucht hat. Überhaupt wirkt der Fall deshalb sehr herzlich, weil Micki und Cordell beide persönlich involviert werden. Bei Micki ist es offensichtlich, denn sie macht dank Cordells Eingriffen eine kleine Entwicklung durch, die es ihr am Ende erlaubt, deutlich positiver gegenüber ihrer Mutter eingestellt zu sein - Mercedes wird uns nun sicher öfter begegnen.
Bei Cordell ist es das Hadern mit der Auszeit vom eigentlichen Job. Das wird zuweilen amüsant rübergebracht, wenn er beispielsweise wegen des Einbruchversuchs verhaftet wird oder die Aufgabe von Liam (Stichwort: Rubiks Würfel) nicht auf reguläre Art und Weise zu lösen vermag. Aber sein Bestreben, Mercedes zu helfen, obwohl er sich nicht einmischen soll, gehört sicher zu den menschlichen Stärken unserer Hauptfigur. Dazu muss er sich auch gar nicht strikt an die gesetzlichen Vorgaben halten, sondern eben dem folgen, was gut und richtig ist. Der Einbruch bei Joy gehört dazu, ebenso wie das Zurückhalten bestimmter Briefe, die für Micki wichtig sind. Würde er die Regeln nicht brechen, wäre diese Episode ganz anders ausgegangen. Mir hat jedenfalls gefallen, wie Cordell hier eingesetzt wird und sein Bestreben, anderen Figuren zu helfen, ist eine Antriebskraft, die er offenbar nicht abstellen kann, obwohl die Bar und seine Familie sicher auch einen Großteil seiner Aufmerksamkeit erhalten sollten.
Bonham und Abeline
Nach letzter Woche hatte Bonham eingewilligt, sich einer Behandlung zu unterziehen. Aber schon der erste Besuch beim Arzt (Arthur Marroquin) ruft wieder Skepsis hervor und als er von den Nebenwirkungen der Behandlung hört, ist der Besuch auch schon wieder vorbei. Es stellt sich heraus, dass er wegen Abeline keine Behandlung erhalten will, die sich bei einem negativen Ergebnis „grundlos“ aufopfern würde und sich im Falle seines Ablebens selbst die Schuld in die Schuhe schieben würde - so jedenfalls Bonhams Meinung.
Ich mag dieses alte Ehepaar und wie es miteinander umgeht. Da sind immer beide Seiten nachvollziehbar - mehr oder weniger - und es wird immer deutlich, dass sich beide nach all den gemeinsamen Jahren noch füreinander interessieren und nur das Beste für den jeweiligen Partner im Sinn haben. Eine kleine Schelte gibt es dennoch für Bonham, der einfach ein typischer Sturkopf ist und diese Woche Annahmen macht, die Abeline anders sieht. Denn was passiert, wenn er sich keiner Behandlung unterzieht und der Krebs gewinnt? Dann hat er einfach aufgegeben, gegenüber seinen Kindern womöglich dieses Geheimnis bewahrt, was sie aber so oder so erfahren werden, wenn der Grund für seinen Tod abgeliefert wird.
In meinen Augen ist es immer besser, die möglichen Chancen wahrzunehmen, auch wenn man sich vor Ärzten (oder Impfungen - das wäre noch ein anderes Thema, was hier aber nicht hingehört) oder der Behandlung samt Nebenwirkungen scheut. Klar, es gibt immer Risiken und Nebenwirkungen, das ist bei jeder Behandlung und jedem Medikament so. Aber es gilt eben, darauf zu schauen, wie es ohne Behandlung verläuft. Eine Krebsdiagnose ist niemals rosig, ebenso wie andere Krankheiten. Wenn man nichts dagegen unternimmt, steigert man bloß das Risiko, einen schweren oder gar tödlichen Verlauf zu haben. Unterzieht man sich hingegen den Möglichkeiten, die die moderne Medizin bietet, dann ja, gibt es möglicherweise Nebenwirkungen, die unangenehm sind. Aber man hat auf jeden Fall alles unternommen, um gesundheitstechnisch wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.

Stella und August
Zuletzt noch ein paar Worte zum ersten Schulbesuch von Stella und August, nachdem die Ereignisse aus Defend the Ranch bereits die Runde bei den Mitschülern gemacht haben. Denn genau diese Ereignisse sind es, denen sich Stella und August stellen müssen. Wobei Bruder und Schwester hier unterschiedliche Ansätze unternehmen, die beide grundlegend falsch sind - aber verübeln kann man es keinen von beiden.
Fangen wir mit August an. Er sollte seinen Fokus auf Ruby (Madelyn Kientz) richten, die ihm zuerst begegnet und sichtlich besorgt ist. Aber er lässt sich direkt durch eine Schönheit (Audrey Casson) ablenken und beschließt, das Drama auf der Ranch zu nutzen, um den starken Kerl zu mimen. Gegenüber den Mitschülern klappt das zunächst auch, aber Ruby (und wir) erhält einen Einblick, der deutlich macht, wie groß die Folgen für August doch sind. Eine Rückkopplung lässt ihn direkt den Tod von Hoyt (Matt Barr) und Liams letzten Auftritt nochmals durchleben und eine Panikattacke erleiden. Posttraumatische Belastungsstörung nennt sich sowas und damit ist nicht zu spaßen.
Stella verzichtet derweil darauf, überhaupt über die Geschehnisse zu reden. Für Freundinnen wie Bel (Gabriela Flores) auch wieder der falsche Ansatz, weil diese Verschlossenheit nicht dem entspricht, was man von guten Freundinnen erwartet. Wobei in Bezug auf Bel der Hund noch tiefer begraben liegt, weil Stella bereits durch ihre Beziehung mit Trevor (Gavin Casalegno) (Stichwort: Roadtrip) kaum noch Kontakt mit Bel hatte.
Ein Gespräch der Geschwister über die jeweiligen Verhaltensweisen und die Wahrheit dahinter darf die ganze Schule mitbekommen. Eine Peinlichkeit, die beide mehr oder weniger rettet und die echten Freunde erkennen lässt. Nette Lösung, wobei wir uns mindestens um August trotzdem noch Sorgen dürfen, denn hier scheint das traumatische Ereignis doch größere Spuren hinterlassen zu haben. Da verkommt das Interesse von Bel an August, welches sie gegenüber Stella äußert, schon fast zur Randnotiz.
Fazit
Erneut bleibt das Familiendrama im Vordergrund und baut diese Woche auch Micki mit ein, deren Mutter für den Fall der Woche sorgt. Action und die große Spannung bleiben auf der Strecke, aber das wird durch sehr viel Herzlichkeit und gegenseitige Fürsorge wieder wett gemacht. Von mir gibt es vier von fünf Sternen. Und von euch?
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 26. Juni 2021Walker 1x15 Trailer
(Walker 1x15)
Schauspieler in der Episode Walker 1x15
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