Walker 1x12

© ie Walker-Episode A Tale of Two Families (c) The CW
A Tale of Two Families
Ehe die Rückblicke einsetzen, die uns offenbar A Tale of Two Families erzählen möchte, sehen wir noch, wie Clint (Austin Nichols) in Begleitung von Trevor (Gavin Casalegno) und ein paar Schergen bei den Walkers auftaucht. Cordell (Jared Padalecki) und Stella (Violet Brinson) - gerade aus dem Auto gestiegen - sehen sich gezogenen Waffen gegenüber als Liam (Keegan Allen) aus der Tür kommt. Kurz darauf fällt ein Schuss und wir wissen (noch) nicht, wen es getroffen hat, als es mit den Rückblicken losgeht.
Dafür, dass es hier um zwei Familien gehen soll, sind die Rückblicke vorerst ausschließlich auf die Walkers gerichtet. Wir wohnen den letzten Momenten mit Emily (Genevieve Padalecki) bei, bevor sie zur Grenze aufbricht, bekommen die Familie nach der Beerdigung zu sehen, erfahren, weshalb Cordell schließlich undercover geht und erhalten mehr oder weniger ausführliche Einblicke bei allen Familienmitgliedern. Um Clint, dessen Frau Crystal (Rebekah Graf) und deren Sohn Trevor drehen sich die Rückblicke erst später und bauen zudem noch eine Hintergrundgeschichte zu Micki (Lindsey Morgan) ein, die Crystal und dem geplanten Überfall dicht auf den Fersen ist und Captain James (Coby Bell) auffällt.
Wie üblich gibt es jede Menge Figuren und Informationen zu deren Werdegängen. Einige davon wichtig mit Blick auf die Gegenwart, andere bereits bekannt beziehungsweise von der Sorte „hätte man sich denken können“ und wieder andere überflüssig oder (vorerst) unwichtig. Die Balance ist da in meinen Augen nicht gut gewählt, da hätten sich die Macher um Anna Fricke und Seamus Kevin Fahey stärker auf das Wesentliche konzentrieren müssen. Das ist zwar auch vorhanden, liefert im Folgenverlauf aber nur wenige Knackpunkte. So kommt es dann, dass sich A Tale of Two Families vielmehr als Hinhalte-Episode anfühlt, die auf das Staffelfinale in Folge 13 hinleiten soll (Anmerkung: Mir ist klar, dass die Staffel mehr Episoden erhalten hat, aber ursprünglich wurde mit 13 geplant).
Wesentliche Rückblicke - Walker
Emilys Tod hat die gesamte Familie getroffen und Cordell gibt sich zwar Mühe, die Situation zusammen mit den anderen zu verarbeiten und irgendwie weiterzumachen, aber er ist gleichzeitig auch derjenige, den Emilys Tod am meisten trifft - was er aber mit kaum jemandem teilt. Statt den Zusammenhalt durch die Familie zu suchen, stürzt er sich in die Arbeit und ist schließlich zu übermüdet, um Stella und August (Kale Culley) von der Schule abzuholen. Woraufhin Stella ihrem Vater einen ungewöhnlichen Weckruf verpasst, aus dem Cordell den falschen Schluss zieht.
Cordell ist also nicht direkt undercover gegangen, sondern hat sich erst dafür entschlossen, als ihm während einer Familiensitzung - initiiert durch Stellas „Weckruf“ - klar wird, dass er unter den jetzigen Umständen eine Gefahr für seine Kinder darstellt. Sicher nicht das, was Stella und August im Sinn hatten. Letzterer ist auch kurz davor, mit der Wahrheit über den Unfall herauszurücken. Aber jedes einzelne Familienmitglied tut sich mit der Wahrheit und Geheimnissen stets schwer. Außerdem soll Cordells Einsatz ursprünglich nur etwa zwei Wochen dauern, woraus dann aber Monate wurden.
Die richtige Entscheidung wäre sicher gewesen, dass Cordell sich weniger der Arbeit und mehr der Familie widmet, worauf Stella und August auch abgezielt hatten. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die beiden die Wahrheit zum Unfall preisgegeben hätten. Das hätte natürlich zur Folge gehabt, dass die Kinder für diesen nicht ungefährlichen Weckruf gerügt worden wären, aber gleichzeitig auch die Intention dahinter zum Vorschein gebracht. Schließlich wäre es gut möglich gewesen, dass ein übermüdeter Cordell tatsächlich hinter dem Steuer einschläft und einen Unfall verursacht.
Aber hätte, hätte, Fahrradkette. Wir wissen bereits, was weiter passiert ist und kennen jetzt die Gründe dafür. Dieser Teil der Rückblicke ist schon nett zu wissen, auch wenn es etwas schwerfällt, Stellas Idee und Cordells daraufhin folgende Entscheidung nachzuvollziehen.

Unwesentliche Rückblicke - Walker
Vielleicht nicht ganz so unwesentlich ist Liams Entscheidung, die Partnerschaft mit der New Yorker Kanzlei nicht anzunehmen. Hier sehen wir auch, wie wichtig Bret (Alex Landi) bereits für Liam geworden ist, der quasi schon zur Familie gehört. Oder dass Stella gerne zusammen mit Liam nach New York möchte. Ironischerweise steht aber bei Liam die Familie an erster Stelle, womit er seinem Bruder einen gewaltigen Schritt voraus ist und sich schließlich darauf besinnt, in Austin zu bleiben.
Diesen Handlungsstrang würde ich als Bonus bezeichnen, der nicht unbedingt notwendig war. Für mich fällt das in die Kategorie „hätte man sich denken können“. Was mich mit Blick auf die Gegenwart eher interessieren würde, ist die Frage danach, ob Bret wieder in Liams Leben kommt. Denn dessen Anwesenheit in den Rückblicken ruft gleich wieder ins Gedächtnis, wie Liam sich von ihm getrennt hat und dass hier noch reiner Wein eingeschenkt werden muss.
Dann haben wir noch Abelines (Molly Hagan) Affäre mit Gary (Yanis Kalnis) und eine Krebsdiagnose für Bonham (Mitch Pileggi). Beides Dinge, auf die sich in dieser Folge hätte gut verzichten lassen. Da sind die Szenen mit Abeline und Bonham wichtiger, wie sie sich in das Geschehen um Cordell einbringen. Zumal ich jetzt nicht unbedingt noch mehr über die Affäre wissen muss und Bonhams Prostatakrebs - den er Walker-typisch erstmal verheimlicht - auch nicht gerade das ist, was noch zusätzlich mit ins Geschehen gebracht werden muss.
Micki Ramirez
Ich finde es per se nicht schlecht, wenn auch Micki ein paar Rückblicke in die Zeit der letzten Monate (bevor sie zu den Rangers kam) erhält. Dass sie aber so dicht an die Rodeo Kings herankommt und speziell mit Crystal zu tun hatte, ist schon wieder weit hergeholt und hätte vielleicht in einer anderen Folge platzfinden können. Mich würden ohnehin eher die Hürden interessieren, die sie überwinden musste, um als Person mit lateinamerikanischen Wurzeln im Polizeialltag zurechtzukommen. Das wird maximal indirekt angeschnitten, wenn sie beispielsweise Probleme mit ihrem Vorgesetzten (Holt Boggs) bekommt, aber eben nicht auf die Art und Weise, wie sie in den ersten Episoden der Staffel ihren Werdegang gegenüber Trey (Jeff Pierre) schildert.
Andererseits ist es gut zu wissen, wie sie auf dem Radar von Captain James aufgetaucht ist und von daher vielleicht nicht ganz so unwahrscheinlich, dass hier Crystal Strand eine Rolle gespielt hat. Ob man aber noch so weit gehen musste, ihr ein zweites Gespräch mit Crystal zu geben, welches zudem noch Cordell die Gelegenheit gibt, Clint von seiner Entschlossenheit zu überzeugen, steht wieder auf einem anderen Blatt. Für mich hatte Micki jedenfalls unterm Strich zu viel Screentime in dieser Episode.
Wesentliche Rückblicke - Clint
Das Vorgeplänkel zum letzten Banküberfall der Rodeo Kings, den Crystal nicht überleben soll, ist natürlich besonders wichtig. Schließlich gibt Clint Cordell die Schuld für den Tod seiner Frau, was er von Beginn an seinem Sohn Trevor bereits vorgekaut hat und womit er ihn vermutlich auch zum aktuellen Überfall auf die Walkers in der Gegenwart wieder an Bord holen konnte (auch wenn ich nicht glaube, dass Trevors Entscheidung in Stein gemeißelt ist).

Womit Clint sicher richtig liegt, ist die Tatsache, dass ohne Cordells Drängen kein weiterer Überfall stattgefunden hätte. Zehnmal konnten die Rodeo Kings bereits zuschlagen und wurden nicht erwischt. Sowohl Crystal als auch Clint könnten auf einen weiteren Überfall verzichten. Walker trifft somit eine gewisse Teilschuld an Crystals Tod, auch wenn seine Absicht nur darauf ausgelegt war, die Verbrecher (auf frischer Tat) doch noch hinter Gitter zu bringen. Aber andererseits übersieht Clint, dass die Entscheidung zum Überfall letztlich gemeinsam getroffen wurde. Cordell mag gedrängelt haben, aber alle Beteiligten sollten sich des Risikos bewusst sein, welches ein Banküberfall mit sich bringt. Noch dazu vor dem Hintergrund, dass eine neugierige Polizistin gerade vor der Tür stand.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich Clints Sichtweise ein bisschen nachvollziehen kann und auch die gemeinsamen Rückblicke mit Trevor nach dem Überfall ziemlich aufrichtig wirken und von Reue geprägt erscheinen. Wirkte Clint noch bis zuletzt wie ein 08/15-Bösewicht, erhält er mit dieser Episode den nötigen Hintergrund und ein paar Facetten, die ihn vielschichtiger machen als zuvor. Sein Einfluss auf Trevor wird ebenfalls nachvollziehbarer, auch wenn mir noch immer rätselhaft ist, weshalb sein Sohn jetzt an der Racheaktion teilnimmt.
Gegenwart und Cliffhanger
Für mich war schon zu Episodenbeginn absehbar, dass wir nicht mehr viel von der Gegenwart zu sehen bekommen werden. Dazu holten die Rückblicke zu weit aus. Am Ende haben wir aber ein besseres Verständnis davon, wie es zu den vergangenen Ereignissen gekommen ist, deren Showdown nun vor der Tür steht. Wir sehen noch, wen der Schuss getroffen hat und müssen somit um Liam bangen.
Aber auch für Cordell und den Rest der Familie sieht es nicht gut aus. Clint ist auf Rache aus und wird nicht einfach mit sich verhandeln lassen. Vielleicht fungiert Trevor noch als Joker und kann seinen Vater irgendwie davon überzeugen, dass die Aktion Crystal nicht zurückbringen wird. Auf jeden Fall erwartet uns aber in drei Wochen eine spannende Folge, denn dann heißt es Defend the Ranch.
Fazit
Ich weiß nicht. Generell ist es nicht verkehrt, die aktuelle Situation mit Rückblicken zu untermauern und ein paar Lücken aus der Vergangenheit mit weiteren Ausführungen zu stopfen. Für eine gesamte Folge erscheint mir das aber viel zu lang, zumal sich auf diverse Figuren oder Handlungen innerhalb der Rückblicke gut hätte verzichten lassen, ohne die wesentlichen Punkte aus den Augen zu verlieren. Von mir gibt es diese Woche gut gemeinte drei von fünf Sternen. Und von euch?
Hier der Trailer zur Walker-Episode Defend the Ranch (1x13):
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 22. Mai 2021Walker 1x12 Trailer
(Walker 1x12)
Schauspieler in der Episode Walker 1x12
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