Um Himmels Willen! Gerade noch wurde der Dienstagabend von züchtigen Nonnen bevölkert, da verwandelt ihn die ARD in einen Sündenpfuhl. Online gibt es die beiden ersten Folgen der österreichischen Sommersoap Vorstadtweiber schon jetzt zum Reinschnuppern.

Der Cast der „Vorstadtweiber“ / (c) ARD/ORF/MR Film/Petro Domenigg
Der Cast der „Vorstadtweiber“ / (c) ARD/ORF/MR Film/Petro Domenigg
© (c) ARD/ORF/MR Film/Petro Domenigg

Die europäische Serien-Renaissance ist maßgeblich von den skandinavischen Ländern, von Großbritannien, Frankreich und zuletzt auch Italien getragen worden. Aber auch Österreich hat seinen Anteil daran. Mit Serien wie Braunschlag, Schnell ermittelt, CopStories und Janus hat der ORF weithin für Aufmerksamkeit gesorgt. Mit Vorstadtweiber hat der Sender nun eine neue Farbe ins Programm gebracht: die Primetime-Soap.

Die Serie handelt von fünf gelangweilten Frauen aus der Wiener Vorstadt - und ihren reichen Ehemännern. Maria (Gerti Drassl), Waltraud (Maria Köstlinger), Caroline (Martina Ebm) und Nicoletta (Nina Proll) sind beste Freundinnen. Eigentlich gehörte auch Sabine (Adina Vetter) zu ihrem Kreis. Sabine ist jedoch von ihrem Mann verlassen und gegen ein jüngeres Modell ausgetauscht worden. Da sie einen für sich sehr ungünstigen Ehevertrag abgeschlossen hatte, ist sie nun gezwungen, arbeiten zu gehen, was sie zum Paria in ihrem Freundeskreis macht. Dahinter steckt natürlich auch die Furcht der anderen, dass ihnen ein ähnliches Schicksal blühen könnte. Denn rosig ist es auch um ihre Ehen nicht bestellt.

Waltraud hat nur des Geldes wegen geheiratet. Ihre Freizeit verbringt sie damit, dem noch minderjährigen Sohn ihrer besten Freundin Maria Nachhilfe in Latein zu geben: Fellatio, Cunnilingus und Coitus. Natürlich weiß Maria davon nichts. Sie ist das verhuschte Frauchen, das still vor sich hin leidet, weil sie von ihrem Mann (Jürgen Maurer) völlig ignoriert wird. Nicht mal aufreizende Dessous bringen ihn in Stimmung.

Vielleicht liegt es daran, weil er nur Geschäfte im Kopf zu haben scheint. Aktuell ist er dabei, mit Carolines Mann Hadrian, einem stinkreichen Banker, einen Immobiliendeal einzufädeln. Es geht dabei um ein riskantes Spekulationsgeschäft mit Grundstücken für die oft geplante, aber bislang nicht realisierte Nordautobahn. Hadrian holt dazu auch den findigen Lobbyisten Bertram (Lucas Gregorowicz) mit ins Boot. Nichtsahnend, dass sich Bertram regelmäßig mit Caroline vergnügt.

Wie die Geschichte auch immer weitergeht, so viel ist bereits nach den ersten Minuten der Pilotfolge klar. Es läuft auf einen Großeinsatz der Polizei bei einer Beerdigung hinaus...

Vergleiche mit US-Vorbildern, allen voran Desperate Housewives, drängen sich natürlich auf. Am meisten erinnert Vorstadtweiber an die kurzlebige ABC-Serie Big Shots von Rob Thomas (Veronica Mars, iZombie), weil es darin auch und nicht zuletzt um die windigen Geschäfte der Ehemänner ging.

Trotzdem gelingt es Vorstadtweiber, zu einer sehr eigenen Identität zu finden. Allein schon der Wiener Dialekt (merklich vorhanden, aber auch für Piefkes zu verstehen) gibt dem Ganzen eine ausgeprägte lokale Färbung. Der erotische Aspekt wird wesentlich stärker als in den meisten US- (Network-) Serien betont. Will sagen: es geht ganz schön zur Sache! Sollte der ORF noch nach einem internationalen Vertriebstitel suchen, würde sich „Suburban MILFs“ anbieten.

Figuren und Lebensumstände sind naürlich, wie es sich für eine gute Soap gehört, überzeichnet. Aber gerade das macht nicht zuletzt das Vergnügen an ihr aus. Vorstadtweiber ist bisweilen witziger als jede Comedy. Kostprobe? Als Sabine auf dem Arbeitsamt gefragt wird, was sie denn die letzten sieben Jahre über gemacht hat: „Ich war shoppen...

Viele Verwicklungen, hohes Tempo und eine heitere, erotisch aufgeladene Atmosphäre, das sind die Zutaten, die Vorstadtweiber zur perfekten Sommerserie machen. Spaßig, soapig, leicht. Die Serie läuft ab Dienstag, den 5. Mai, um 20.15 Uhr in Das Erste. Die beiden ersten (von zunächst zehn) Episoden gibt es bereits in der Mediathek.

In Österreich haben derweil bereits die Dreharbeiten für die zweite Staffel begonnen.

Waltraud (Maria Köstlinger) greift zu; wenn ihr etwas gefällt... © ARD/ORF/MR Film/Petro Domenigg
Waltraud (Maria Köstlinger) greift zu; wenn ihr etwas gefällt... © ARD/ORF/MR Film/Petro Domenigg

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