
Bereits im Vorfeld des Comedyneustarts Vice Principals machte die Meldung die Runde, dass es die Serie von und mit Danny McBride insgesamt nur 18 Episoden auf zwei Staffeln verteilt umfassen wird. Basierend auf einem Filmdrehbuch von McBride und seinem stetigen Kollaborateur Jody Hill findet die Geschichte über zwei konkurrierende stellvertretende Direktoren einer Highschool nach weniger als 20 Folgen ihren Abschluss. Diese sind bereits im Kasten und abgedreht - ein Vertrauensvorschuss vom Pay-TV-Riesen HBO gegenüber den beiden Fernsehschaffenden, den McBride und Hill nicht umsonst genießen.
Das Duo zeichnete von 2009 bis 2013 für die beliebte Comedy Eastbound & Down verantwortlich, in der Danny McBride in die Rolle des vulgären Sportlehrers und gescheiterte Existenz Kenny Powers schlüpfte. Das Format, welches sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut - allen voran dank McBrides derbem Humor und seiner unvergleichlichen Art zu fluchen -, kam bei HBO immerhin auf vier Staffeln. Nun heißt es abwarten, ob McBride und Hill mit „Vice Principals“, in dem ersterer vom Sportlehrer zum Vizedirektor wird, eine ähnliche, kleine Erfolgsgeschichte schreiben kann. Die Pilotepisode ist zumindest ein ordentlicher, wenn auch ausbaufähiger Anfang.
Bending over
In „Vice Principals“ folgen wir dem etwas überengagierten, bei Schüler- wie Lehrerschaft nicht wirklich beliebten Neal Gamby (McBride), der seine Brötchen als stellvertretender Direktor an einer Highschool verdient. Hier eckt er in schöner Regelmäßigkeit bei diversen Kollegen an, besonders auf dem Kieker hat er jedoch seinen direkten Konkurrenten Lee Russell (Walton Goggins), ebenfalls Vizedirektor an der Lincoln High, wo der aktuelle Schuldirektor (Bill Murray, in einem kleinen Gastauftritt) plötzlich abdankt. Und damit geht das Hauen und Stechen um dessen Nachfolge erst so richtig los. Sowohl Gamby als auch Russell sind scharf auf den Posten ihres Vorgesetzten, werden jedoch letztlich auf dem falschen Fuß erwischt und müssen gar eine unfreiwillige Allianz knüpfen, um vielleicht doch noch eines Tages ihre Ziele in die Tat umsetzen zu können...

The tides are turning
Es dürfte nicht wirklich überraschen, dass Fans von „Eastbound & Down“ bei der Sichtung von „Vice Principals“ auf ihre Kosten kommen könnten. Die beiden Serien ähneln sich schon ein ganzes Stück, was allen voran natürlich an Danny McBride liegt, der mal wieder absolute Narrenfreiheit besitzt, seinen Charakter zu formen und auszuleben. Das ist auf der einen Seite eine gute Sache, hat man doch nicht viel von einem McBride mit angezogener Handbremse. Der erfahrene Comedian ist binnen weniger Minuten der Auftaktepisode voll in seinem Element und wirft mit scharfen Bemerkungen, skurrilen Eigenarten seiner Rolle und dem klassischen „McBride-Charme“ (wenn man es denn so bezeichnen kann) um sich. Seine Fans dürften drei Kreuze machen, dass er wieder im TV zu sehen ist.
Auf der anderen Seite merkt man dieser Art der Comedy jedoch langsam, aber sicher ein paar Verschleißerscheinungen an. Natürlich ist es ganz spaßig, wenn sich McBride mit dem glänzend aufgelegten Walton Goggins verbal duelliert, wobei derartige „Gespräche“ zumeist in Richtung obszöne Bemerkungen, die unter die Gürtellinie gehen, abdriften. Wirklich frisch ist dieser Humor aber nicht, eher im Gegenteil - man kennt das Spielchen nur zu gut. Wären es nicht McBride und Goggins, die sich hier einen verbalen Einlauf nach dem anderen verpassen (zugegeben auf sehr plumpe, vulgäre Art und Weise), würden viele vielleicht schon sehr früh die Segel streichen.
Savages
Dieses Gespann schlägt sich jedoch recht formidabel und ist ein Grund, hier nicht sofort wieder abzuschalten. Vor allem Goggins, bekannt aus The Shield oder Justified, zeigt, dass er seine Silberzunge sowie seine spezielle Ausdrucksweise und sein physisches Gebaren gewinnbringend in einer reinen Comedy zur Schau stellen kann. Zwischendurch geben sich dann noch ein paar bekannte Gesichter die Ehre und lockern das Geschehen ein Stück weit auf: Bill Murray haben wir bereits erwähnt, Busy Philipps (Cougar Town) ist ebenfalls zu sehen und schlüpft in die Rolle von Gambys Exfrau, flankiert von Shea Whigham (Boardwalk Empire), der ihren neuen Freund spielt.
Der namhafte Cast ist ganz nett mit anzusehen, doch was taugt letzten Endes die eher einfache Geschichte um die zwei konkurrierenden Vizedirektoren, die sich beide gnadenlos Zunder geben, nur um dann doch gezwungenermaßen gemeinsame Sache zu machen? Hier lässt die Pilotepisode von Vice Principals tatsächlich noch etwas zu wünschen übrig. Die Gags sind überschaubar und, wenn überhaupt vorhanden, relativ eintönig. Mit der Ankunft einer neuen Direktorin, die Gamby und Russell die Chance auf den begehrten Posten raubt, könnte sich jedoch schnell eine andere Dynamik entwickeln, durch die wiederum die Gagdichte und -qualität etwas zunehmen könnte. Als Comedy, die einen wirklich zum Lachen bringt, funktioniert der Auftakt von „Vice Principals“ nämlich nur teilweise.
Large shoes to fill
Was nicht ist, kann aber bekanntermaßen noch werden. Die Talente dafür hat man, nun heißt es, der schlichten Prämisse etwas Besonderes zu geben. Der „Schulserien“-Flair (wildes Cheerleadergetrommel gehört hier genauso dazu wie ein paar Lehrerstereotypen) kommt schon einmal nicht ganz so verkehrt an. Man darf aber gerne noch ein bisschen mehr aufdrehen. Wenn man schon einen Danny McBride zur Verfügung hat, dann sollte man ihn auch nutzen. Wobei es mit Sicherheit auch interessant wäre, den Krawallbruder mal von einer etwas anderen Seite zu sehen. Damit sollte man in „Vice Principals“ aber besser nicht rechnen. Und, wenn man mal ganz ehrlich ist: Will man das überhaupt?

School spirit
Es ist noch einiges an Luft nach oben, doch die Vorzeichen, dass Vice Principals zu einer derben kleinen Comedyserie für zwischendurch avancieren könnte, stehen nicht schlecht. Die Besetzung harmoniert gut miteinander und der zentrale Konflikt zwischen den beiden Hauptcharakteren, die mit ihren Mitteln um die „Vorherrschaft“ in der Schule kämpfen - McBrides Gamby ist wie ein erbarmungsloser „Drill Sergeant“, Goggins Russell arbeitet eher listig und hinterrücks -, bietet den Serienmachern zahlreiche Möglichkeiten, eine kurzweilige Schulcomedy aus etwas anderer Perspektive auf die Beine zu stellen.
Und, ohne zu viel verraten zu wollen: Nach zwei eher durchschnittlichen Episoden zu Beginn verschiebt sich die Prämisse in Vice Principals tatsächlich ein wenig, die Witze werden zahlreicher und sitzen besser, als es noch in der Auftaktepisode der Fall ist. Hinzu kommt eine sehr dynamische, mitunter ausgefallene Art der Inszenierung (McBride nimmt zwischenzeitlich selbst auf dem Regiestuhl Platz), die immer wieder ein paar nette Ideen zu bieten hat - siehe zum Beispiel die vierte Episode, in der es zu einem klassischen Footballduell zweier rivalisierender Schulen kommt. Wie sich die erste, neunteilige Staffel von Vice Principals insgesamt schlagen wird, bleibt dennoch abzuwarten. Nachdem wir etwas mehr als die Hälfte der neuen Comedy gesehen haben, trauen wir dem Format jedoch einiges zu.
Trailer zu „Vice Principals“: