Veronika 1x01

© ARD Mediathek, Viaplay Group Sweden
Das passiert in der Episode „Angst“ der Mysteryserie „Veronika - Zeugen aus dem Jenseits“
Veronika Alexandra Rapaport ist in der Serie Veronika vordergründig eine ganz normale schwedische Kleinstadtpolizistin, die mit ihrer netten Familie in einem hübschen Haus wohnt. Doch sie trägt ein schweres Kindheitstrauma mit sich herum und ist deswegen heimlich tablettensüchtig. Als sie plötzlich seltsame Traumbilder von toten Kindern plagen, die sich bis in ihren Alltag ziehen, glaubt sie deshalb zuerst noch an Entzugserscheinungen.
Doch je stärker die Trugbilder an die Oberfläche drängen, umso sicherer ist Veronika, dass mehr hinter der Sache steckt. Als sie auf ein altes Klassenfoto ihrer Teenagertochter stößt und ihr das Portrait eines vor Jahren angeblich unglücklich ertrunken Jungen ins Auge fällt, ahnt sie, dass sie Vision empfängt, die sie zur Aufnahme von Ermittlungen veranlassen sollen. Denn aufgrund ihrer eigenen Kindheitserlebnisse ist Veronika für die Mitteilungen der gequälten kleinen Seelen empfänglich und deshalb das ideale Gefäß, um ihnen zu ihrer verdienten Ruhe zu verhelfen...
Neue Wege
Wie wir in den vergangenen Monaten bereits öfter betonten, nehmen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in den letzten Jahren immer öfter auch Filme und Serien aus dem Segment des Fantastik-Genres ins Visier, um das an den Streamingdienst Netflix und Co gewöhnte jüngere bis mittelalte Publikum zu gewinnen. Bei Formaten wie Oderbruch, Schnee (alle in der ARD-Mediathek zu finden) oder Was wir fürchten (ZDF) gelingt das auch ausnehmend gut.
Ähnliches lässt sich erfreulicherweise ausgehend von der Pilotfolge mit dem Titel Angst auch von der Nordic-Noir-Mysteryserie „Veronika - Zeugen aus dem Jenseits“ behaupten, die seit einiger Zeit in der ARD-Mediathek zu finden ist.
Crime-Format mit Fantastikeinschlag
In der Geschichte geht um eine medikamentenabhängige Kleinstadtpolizistin, die plötzlich Visionen von toten Kindern hat und dadurch animiert wird, die eigentlich abgeschlossenen Ermittlungen wieder aufzunehmen. Während ihrer Untersuchungen stößt sie nicht nur auf ein großes Geheimnis, sondern begibt sich zudem auf eine Reise in die tiefen ihrer angeschlagenen Psyche.
Das Spannende daran ist, dass der Fall irgendwie unmittelbar mit ihren eigenen traumatischen Erlebnissen zusammenzuhängen scheint, wobei die Serienmacher in der Debütepisode natürlich mit der Information hinter dem Berg halten, wie genau.
Deutlich wird aber, dass zumindest das erste mehrerer toter Kinder - ein vor Jahren angeblich ertrunkener Junge - ausgerechnet sie erwählt, um vor ihr zu imaginieren. Das geschieht vornehmlich in kurzen, routiniert inszenierten Schocksequenzen, oder wird mittels einer stark symbolischen Bildsprache an die Protagonistin und damit an das Publikum herangetragen.
Beispielsweise beginnt die Serie mit einem Traum Veronikas, in dem sie nur im Nachthemd bekleidet über eine nebelverhangene Wiese auf einen alten, blattlosen Baum zugeht, von dessen dichtem Geäst gerade ein Schwarm Krähen aufsteigt. Der Baum steht dabei für die Einsamkeit und Trostlosigkeit, die sich wie ein Geäst über sie ausbreitetet und die Krähen für den Tod und das Unglück der verstorbenen Kinder. Der Nebel symbolisiert wiederum die Suche nach der Wahrheit, die durch das Geäst hindurchscheint, aber noch nicht klar ersichtlich ist.
Mit derart auf das Unterbewusstsein wirkenden Bildern arbeiten die Drehbuchautorinnen Katja Juras und Anna Ströman Lindblom indes recht häufig, wenn auch bisweilen wenig subtil. Das Ziel, die Hauptfigur vorzustellen und ihre emotionale Verfassung vor dem Publikum zumindest in Teilen offenzulegen, funktioniert dabei aber ausnehmend gut.
Visonen
Denn aufgrund Tatsache, dass die Polizistin und Mutter tablettensüchtig ist, kann man sich zunächst nicht sicher sein, ob Veronika Hirngespinste plagen, oder ob wirklich etwas Übersinnliches geschieht. Das schafft im Verbund mit der trüben Farbgebung und dem typischen Nordic-Noir-Look ein starkes Gefühl der Beklemmung.
Weiter angeheizt wird dieses eben durch die kurzen, aber prägnanten Mysteryeinschübe, die immer weiter in ihr Leben vordringen. Zunächst ist da nur der seltsame Traum über den alten Baum, dann begegnet uns Flashback-artig der tote Junge. Als Veronika mit ihrer Familie zum Fischen geht und sie gerade mit einem Angelkäscher in den Fluss steigt, erblickt sie plötzlich das gruselige Gesicht eines Kindes, das die Augen öffnet.
Sie stürzt und landet mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus, wo die Serienmacher das Bild von Wurzeln bemühen, die sie fesseln und einschließen, so dass sie keine Luft mehr zum Atmen hat. Das alles sind fraglos Genre typische Elemente, die in diesem Fall aber ebenso passend wie knackig platziert werden, um den Spannungsbogen hochzutreiben.

Die letzte Vision der Episode, die auch den Cliffhanger einleitet, erlebt sie in ihrem Haus, nachdem sie im Tablettenrausch auf dem Sofa eingeschlafen ist. Im Traum sieht sie erneut das tote Kind, wacht auf und hat das Gefühl, jemand sei in ihrer Nähe. Trotz des starken Gefühls, nicht allein zu sein, entdeckt sie aber niemanden, bis ein Geräusch sie plötzlich aufschrecken lässt. Sie begibt sich von der Küche ins Wohnzimmer und findet dort eine heruntergefallene Mappe auf dem Boden, aus dem sich ein altes Klassenfoto gelöst hat. Unter den Kindern entdeckt sie jenen Jungen, der sie in ihren Erscheinungen heimzusuchen scheint.
Ausblick
Damit öffnet Regisseur Jonas Alexander Arnby die Akte und schickt Veronika auf die Suche nach der Wahrheit, zu der in Teil zwei auch ihr neuer Kollege Nassir (Arvin Kananian hinzustoßen wird. Inwieweit sich der Spannungsbogen weiter aufbaut und der Mysterytouch beibehalten wird, lässt sich nach den ersten 45 Minuten noch nicht sagen. Lust auf mehr macht das Ganze aber auf jeden Fall.
Fazit
Wer dem Nordic-Noir-Genre und der Mystery nicht abgeneigt ist, sollte einen Blick auf „Veronika - Zeugen aus dem Jenseits“ riskieren. Die Pilotfolge hinterlässt einen mysteriösen, leisen, düsteren und spannenden Eindruck. Der Plot baut sich zwar langsam auf, hinterlässt aber keinen langweiligen Eindruck, weil die Serienmacher schon früh den übernatürlichen Touch der Serie betonen und mit einen ruhigen, aber Suspense behafteten Score für Stimmung sorgen.
Alexandra Rapaport leistet gute Arbeit und wird von Tobias Santelmann als Ehemann Thomas von einen Schauspieler flankiert, der sich angenehm zurücknehmen kann, aber dennoch betont, dass er seine Frau trotz ihrer Probleme liebt und unterstützen will. Auch wird die Frage interessant, inwiefern ihre Medikamentenabhängigkeit in den Fall hineinspielt.
Als sie nämlich nach ihrem Krankenhausaufenthalt Entzugserscheinungen hat und zu Hause keine Tabletten vorfindet, stiehlt sie welche aus der Asservatenkammer ihres Reviers, was sicherlich noch zu Problemen führen wird. Kurz und gut weiß der Beginn des Formats durchaus zu gefallen und verspricht den Beginn einer ebenso unterhaltsamen wie tiefsinnigen und spannenden Story.
Wir verteilen: vier von fünf Visionen.
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 22. November 2024Veronika 1x01 Trailer
(Veronika 1x01)
Schauspieler in der Episode Veronika 1x01
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