Die neue Serie Vegas aus dem Hause CBS startet mit allen Zutaten, die man sich von einem fiktionalen Stoff über die goldene Zeit der Glücksspielmetropole Las Vegas wünscht: Korruption, organisiertes Verbrechen, Spielsucht, leichte Mädchen, Bikergangs und natürlich den all-american hero.

Gegensätzlich wie Tag und Nacht? Ralph Lamb (Dennis Quaid) und Vincent Savino (Michael Chiklis) in der US-Serie „Vegas“ / (c) CBS
Gegensätzlich wie Tag und Nacht? Ralph Lamb (Dennis Quaid) und Vincent Savino (Michael Chiklis) in der US-Serie „Vegas“ / (c) CBS

Las Vegas, 1960 - ein Cowboy (Dennis Quaid) reitet durch die Wüste, als plötzlich seine Rinderherde von einem tieffliegenden Flugzeug aufgeschreckt wird und sich in alle Richtungen verteilt. Die nächste Einstellung der Pilotepisode der Serie Vegas zeigt Vincent Savino (Michael Chiklis), wie er aus eben jenem Flugzeug steigt, das nun auf dem Rollfeld des Wüstenflughafens steht. Und schon sind die beiden Hauptcharaktere eingeführt: hier der bodenständige Cowboy, dessen bevorzugtes Transportmittel immer noch das Pferd darstellt, dort der Mafioso und Inhaber des Savoy Casino, der sich in der boomenden und von anderen Mitgliedern der Cosa Nostra unterwanderten Glücksspielstadt glänzende Geschäftsaussichten verspricht.

Szenenwechsel: Ein auf der Nevada Test Site (ein Areal in der Wüste Nevadas, das die US Army für Atombombentests benutzte) gefundenes ermordetes Mädchen stellt sich als Samantha, eine Nichte des Gouverneurs heraus. Ein politisches Desaster für Bürgermeister Ted Bennett (Michael O'Neill), der sich momentan im Wahlkampf befindet und hofft, mit einer harten Hand gegenüber jedwedem Verbrechen wiedergewählt zu werden. Da der amtierende Sheriff momentan nicht zur Verfügung steht, rekrutiert Bennett kurzerhand Ralph Lamb, den Cowboy aus dem establishing shot. Wir erfahren, dass Lamb und Bennett im Zweiten Weltkrieg zusammen in Italien stationiert waren und Lamb dort seine besonderen Fähigkeiten als Ermittler unter Beweis stellen konnte. Die stellvertretende Staatsanwältin Katherine O'Connell (Carrie-Anne Moss) willigt ein.

Nach kurzem, aber erfolglosem Widerstand erklärt sich Lamb zur Übernahme der Aufgabe bereit und stellt ein Ermittlerteam zusammen. Das besteht aus seinem Bruder Jack (Jason O'Mara, Terra Nova), seinem Sohn Dixon (Taylor Handley) und Don Simmons (Gil Birmingham), einem erfahrenen Spurenleser.

Derweil verschwendet Savino keine Zeit: Er ist auf der Suche nach einer Ratte, einem Verräter innerhalb seiner Mannschaft. Der Zuschauer bekommt vor Augen geführt, welch ein brutaler Zeitgenosse dieser Savino doch sein kann.

Lamb und sein Team machen sich auf die Suche nach Samanthas Mörder. Die Spur führt nacheinander zu ihrem Freund, einer Bikergang, die plündernd und Schrecken verbreitend durch Nevada zieht, bis hin zur Kreditabteilung des Savoy Casino und schließlich zu einem Spielsüchtigen. Dieser offenbart den Ermittlern, dass er sich, um seine Spielschulden tilgen zu können, auf krumme Geschäfte mit dem Leiter der Kreditabteilung eingelassen habe, einem gewissen Bob Perrin. Samantha habe davon Wind bekommen und geplant, der Casinoleitung von dem Deal zu berichten. Perrin habe dies unbedingt verhindern wollen. Fortan gilt Bob Perrin für die Ermittler als Hauptverdächtiger.

Als Savino merkt, dass Lamb immer mehr Spuren zusammenträgt, kommt es zur ersten leicht feindseligen Begegnung der beiden: Durch die Blume droht Savino Lamb Gewalt an, sollte dieser sich zu stark in seine Angelegenheiten einmischen.

Szenefoto aus der Pilotepisode der US-Serie %26bdquo;Vegas%26ldquo; © CBS
Szenefoto aus der Pilotepisode der US-Serie %26bdquo;Vegas%26ldquo; © CBS

Bis zu diesem Zeitpunkt kann der Zuschauer nur erahnen, in welchen kriminellen Machenschaften Savino verstrickt ist. Dies ändert sich jedoch schlagartig im letzten Drittel der Episode. Hier wird die zu dieser Zeit typische Verstrickung zwischen Gesetzeshütern und organisiertem Verbrechen in Las Vegas porträtiert: der offensichtlich korrupte Staatsanwalt Companion (Erik Beacham) trifft sich mitten in der Wüste mit dem abgetauchten Sheriff. Dieser hat Informationen über einen weiteren Kriminalfall, der den Staatsanwalt belasten könnte. Nach einer kurzen Auseinandersetzung zwischen den beiden rollt Savino in einer Limousine heran und lässt den Sheriff ermorden.

Zum Finale entspinnt sich die in schönen Bildern komponierte Verfolgungsjagd des flüchtigen Bob Perrin auf dem Rollfeld des Flughafens. In aller Seelenruhe zielt Lamb auf die Reifen des auf ihn zurasenden Wagen Perrins. Im letzten Moment trifft er, der Wagen kommt zum Stehen und es gelingt ihm, Perrin zu überwältigen. Den entscheidenden Hinweis zur Verurteilung von Perrin liefert letztendlich der Anführer der Bikergang: In der fraglichen Nacht sah er Perrins blauen Cadillac an der Stelle, wo auch Samanthas Leiche abgelegt wurde.

Am Ende der Folge wird die Leiche des Sheriffs von der Polizei entdeckt. Der Bürgermeister, an Lamb gerichtet, hat das letzte Wort: „You got yourself a new job.

Fazit

Bei der Auftaktepisode der US-Serie Vegas handelt es sich um ein klassisches Whodunit. Die Story ist solide erzählt, wenngleich die Dialoge durchaus etwas mehr Würze vertragen könnten. Immerhin haben die beiden Schöpfer der Serie, Nicholas Pileggi („Goodfellas“, „Casino“) und Greg Walker (Smallville, Without A Trace), schon bewiesen, dass sie gleichzeitig bei Kritikern und Zuschauern einen Nerv treffen können. Mit James Mangold („Walk The Line“, „Todeszug nach Yuma“) haben sie sich für die Pilotepisode einen hochrangigen Regisseur geangelt, der es verstanden hat, die damalige Aufbruchsstimmung in Las Vegas in gut komponierten Bildern einzufangen.

Der Tango zwischen Michael Chiklis und Dennis Quaid als Antipoden einer von organisiertem Verbrechen gezeichneten Stadt verspricht viele weitere, spannende Folgen. Außerdem könnte sich der Charakter des Ralph Lamb beim amerikanischen Fernsehzuschauer zu einer Art Volksheld entwickeln. In schwierigen Zeiten sehnen sich bekanntlich viele nach der Klarheit des lonesome ranger im Stile von John Wayne, der meistens nach seinem Bauchgefühl entscheidet und oftmals nach der Maxime handelt: „act first, think later“.

Für alle, die dies nicht so sehen, bleibt der Auftakt von Vegas immerhin gute Unterhaltung mit (Entwicklungs-)Potential nach oben. Es bleibt zu hoffen, dass die Dialoge im Verlauf der Serie etwas weniger einfach gestrickt sein werden und einzelne Charaktere einen größeren Spielraum bekommen, etwa Carrie-Anne Moss, aber auch Michael Chiklis - die Pilotepisode war doch sehr auf Dennis Quaid als Ralph Lamb fokussiert.

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