Upstart Crow 1x01

Comedian und Autor Ben Elton machte sich Ende der 80er-Jahre einen Namen, als er für Rowan Atkinson als zweiter Autor der vielgefeierten Historien-Comedy Blackadder übernahm. Von der zweiten Staffel an, als die Serie die Schloss-Location gegen günstigere Studio-Sets mit Publikum austauschte und schließlich ihren Ton fand, zeichnet er für einige der denkwürdigsten Momente einer der nach wie vor witzigsten UK-Comedys verantwortlich. Auf einen Folgehit aus der Feder von Elton warteten die Zuschauer leider vergeblich. Zuletzt verprellte er 2013 eher seine Fans und Kritiker mit der gefloppten Serie The Wright Way.
Doch nun kehrt der Autor zur Historien-Comedy-Erfolgsformel zurück und hat auch noch David Mitchell als Hauptdarsteller im Gepäck. Gemeinsam mit Comedy-Partner Robert Webb hat dieser jüngst seine eigene Serie Peep Show beendet, die längst als moderner Klassiker gilt. Mehr dazu erfahrt Ihr zum Beispiel in unserem Artikel 5 Gründe für die britische Comedy Peep Show. Mitchell ist großartig darin, den überkorrekten Pedanten zu spielen und wendet dies wunderbar auf seinen William Shakespeare alias Upstart Crow an, der es als bemühter und blumig formulierender Wortkünstler eben etwas genauer mit der Sprache nimmt als seine Mitmenschen, die wie er nicht zum Adel zählen.

Wie er zu den Ideen für seine Stücke kommt, hat er in der ihm gewidmeten Sitcom aber nicht nur seiner mit Küssen nicht geizenden Muse zu verdanken. Stattdessen sind die Geschehnisse direkt aus dem fiktiven Leben dieses Shakespeares gegriffen. In der Pilotepisode Star Crossed Lovers spielt der ewige Barde zwar bereits mit dem Gedanken, Romeo und Juliet das Happy End zu verwehren. Doch der genaue Ablauf wurde vom sich abspielenden Schabernack während des Schreibprozesses inspiriert. Und der verläuft wie folgt:
Sir Robert Greene (Mark Heap) lässt seinen Neffen Florian (Kieran Hodgson) in der Obhut des aufstrebenden Stückeschreibers. Dieser verfällt sofort der ambitionierten Kate (Gemma Whelan), die zu gern die Hauptrolle der Julia übernehmen würde, was zu der Zeit, als Männer noch sämtliche Rolle spielten, eigentlich nicht drin ist. Als er ihr Casting dennoch in Betracht zieht, damit sie trotz angenommenen Antrags nicht den poshen Jüngling heiratet, versuchen sie den Jungen mit einem Trank davon zu überzeugen, dass seine Geliebte sich vergiftet hat. Was folgt ist Herzschmerz, gefolgt von konkreterem Herzschmerz wegen des Dolchs im eigenen Torso - die tragischste Liebesgeschichte aller Zeiten.
Fazit
Upstart Crow wirkt in seinem Bemühen, es Blackadder gleichzutun, geradezu klassisch, was zum Teil gelungen ist, andererseits aber alles andere als frisch daherkommt. Geradezu altbacken sind beispielsweise Witze, die sich auf die Performance der männlichen Schauspieler in Frauenkleidern beziehen. Davon abgesehen ist das Drehbuch durchaus clever und besitzt eine große Gag-Dichte. Es beruft sich sowohl auf Shakespeares Funktion als Wortschöpfer („bechambered hugger-tugger“ für ungeouteten Schwulen war ein Highlight), historische Fakten und Gerüchte über den Schriftsteller als auch auf seinen Ruf und literarischen Kontext. So rät seine Mutter ihm etwa davon ab, eine Komödie zu schreiben, da die Komik nicht seine Stärke sei. Er darauf: „If you do your research, my stuff is actually really funny!“ („Wenn man seine Nachforschungen anstellt, ist mein Material wirklich sehr witzig!“)
Ein neues „Blackadder“ ist Upstart Crow vielleicht nicht gerade, aber dieser Funken von damals wird so auch nie wieder eingefangen werden - nicht einmal vom Originalschöpfer. Intelligenter Witz gepaart mit dem zu erwartenden Klamauk und einem durch die Bank weg gut besetzten Cast sollte aber zumindest eine Staffel lang sein Publikum finden.
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 11. Mai 2016Upstart Crow 1x01 Trailer
(Upstart Crow 1x01)
Schauspieler in der Episode Upstart Crow 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?