In der Comedy Upper Middle Bogan kollidiert die wohlbehütete Mittelschicht mit den kulturlosen Auswüchsen des Proletentums in Australien. Trotz eines Haufens von Klischees vergeht die Auftaktepisode wie im Fluge. Das liegt auch an der sympathischen Protagonistin.

Der Cast der australischen Serie „Upper Middle Bogan“ / (c) ABC1
Der Cast der australischen Serie „Upper Middle Bogan“ / (c) ABC1

Die Grundprämisse der neuen australische Comedyserie Upper Middle Bogan klingt wenig verlockend. So muss Bess Denyar (Annie Maynard) - die mitsamt ihrer Familie im gehobenen Mittelstand („Upper Middle Class“) verortet ist - feststellen, dass sie adoptiert ist. In Wahrheit ist sie zu allem Überfluss von einem Paar sogenannter „Bogans“ in die Welt gesetzt worden. Das australische Wort beschreibt gemeinhin Proleten, die sich saufend und kulturfern durchs Leben schlagen.

Die Serienneuheit hat sich mit den Mitgliedern dieser Bevölkerungsgruppe fraglos dankbare Opfer gesucht, über deren Umgangsformen man sich mit einem überheblichen Grinsen lustig machen könnte. Doch anstatt Bess' leibliche Eltern Wayne (Glenn Robbins) und Julie Wheeler (Robyn Malcolm, Top of the Lake) und ihre Sippe aus „Drag Racern“ zu eindimensionalen Buhmännern (und -frauen) zu stilisieren, werden sie in der Auftaktepisode durchaus sympathisch dargestellt.

Upper Middle

I have felt there is something wrong with me every day of my life“, sagt Bess entrüstet, nachdem ihre garstige Mutter Margaret Denyar (Robyn Nevin) ihr endlich notgedrungen die Wahrheit über die Adoption beichtet. Glücklicherweise sind Sätze wie dieser, die in ihrer abgegriffenen Natur oft einen gekünstelten Eindruck machen, in Upper Middle Bogan eher die Seltenheit. So tragen die Dialoge, in denen sich der turbulente Alltag von Bess, ihrem Mann Danny (Patrick Brammall) und den beiden ungleichen Zwillingen Oscar (Harrison Feldman) und Edwina (Lara Robinson) widerspiegelt, meist einen spitzfindigen Charme in sich.

Auch wenn die offenkundige Dummheit des jungen Teenagers Oscar vielleicht etwas zu platt zur Schau gestellt wird - er kann 13 und 13 nicht addieren -, schließt man ihn und seine etwas altkluge Schwester doch unweigerlich ins Herz. Die geschwisterlichen Streitereien wirken dabei ebenso natürlich wie die Hypochondrie und die immerwährende Nervosität der Protagonistin Bess. Das liegt hier allerdings in erster Linie in dem überzeugenden und liebenswerten Schauspiel der Annie Maynard begründet.

Die Wheelers sind allesamt im %26bdquo;Drag-Race-Business%26ldquo; aktiv. © ABC1
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Besonders Großmutter Margaret sorgt in ihrer herablassenden Art dafür, dass einem auch die Schattenseiten einer bequemen Existenz in einer der gehobeneren Kreisen vor Augen gehalten werden.

Bogan

Julie war sehr früh und sehr pleite mit Bess schwanger geworden und hatte sich schweren Herzens mit Wayne dazu durchgerungen, das Kind zur Adoption freizugeben. Die beiden wollten ihrem Spross nicht das Anrecht auf eine vielversprechende Zukunft versagen. Selbst jetzt ist die Familie nicht frei von finanziellen Sorgen. Obwohl bei den Wheelers viel gestritten und - besonders von Tochter Amber (Michala Banas) - unablässig geflucht wird, herrscht hier doch ein starker familiärer Zusammenhalt. Neben Amber, die vor kurzem mit ihrem Sohn Shawn (Dougie Baldwin) wieder bei ihren Eltern eingezogen ist, gehören auch noch die mit dem Hintern wackelnde Brianna (Madeleine Jevic) und Kayne (Rhys Mitchell) zur Familie. Letzterer findet seine genetische Entsprechung in Bess' Sohn Oscar, mit dem er nicht nur die Haarfarbe, sondern auch die verhaltene Geisteskraft gemein hat.

Ist das witzig?

Oscar hat sich für das familiäre Frühstück in seine Bettdecke gewickelt, um eine Erektion zu verbergen und die Ärztin Bess rülpst in stressigen Situationen hingebungsvoll, was sie - genau wie ihre bislang unbekannte Schwester Amber - auf ihre Gastroösophageale Refluxkrankheit (aka Sodbrennen) zurückführt. Obwohl der Humor der Serie selten über diesen harmlosen Klamauk hinausgeht, reflektiert Bess' schockierte Reaktion auf das Wesen ihrer leiblichen Familie („I thought that only middle class people gave their babys away.“) auch das Potential für einen etwas bissigeren Witz.

Amber (Michala Banas) ist zunächst wenig begeistert von der Idee einer weiteren Schwester. © ABC1
Amber (Michala Banas) ist zunächst wenig begeistert von der Idee einer weiteren Schwester. © ABC1

Fazit

Die Serie Upper Middle Bogan ist von den medialen Allroundern und Eheleuten Robyn Butler und Wayne Hope erdacht worden, wobei Hope zudem auch die Regie der Pilotepisode geführt hat. Die Zusammenarbeit der beiden erweist sich insofern als fruchtbar, dass ihre Comedy in ihrer Gänze einen stimmigen, ja „runden“ Eindruck macht. Die Fülle aus verschiedenen Familienmitgliedern, die in der 27-minütigen Auftaktepisode eingeführt werden muss, steht dabei der individuellen Charakterzeichnung im Wege. Obwohl besonders die Protagonistin und einige andere Figuren bereits jetzt in ihren Eigenheiten greifbar werden, gibt es neben Bess bislang keinen Charakter, der sich vollends von klischeehaften Zwängen befreien konnte. Dennoch können den Zuschauern die verschiedenen Gestalten bereits jetzt nahe genug gebracht werden, dass die Zusammenführung der verlorenen Tochter mit ihren Eltern berühren kann.

Die aufopferungsvolle elterliche Fürsorge, durch die sich Wayne und Julie auszeichnen, wirft ein positives Licht auf die Mitglieder des vermeintlichen Bodensatzes der Gesellschaft. Indem dieser zwischenmenschlichen Wärme das bedingungslose Streben nach Erfolgen und gesellschaftlicher Akzeptanz aufseiten der Matriarchin Margaret gegenübergestellt wird, kann einer allzu schadenfrohen Betrachtung der „Proleten“ vorgebeugt werden.

Nun muss abgewartet werden, wie sich die Serie in den sieben weiteren Episoden der ersten Staffel entwickelt. Trotz der vielfachen Klischees besteht durchaus das Potential für kurzweilige Unterhaltung, indem zwei grundverschiedenen Welten gleichermaßen der Spiegel vorgehalten wird. Doch dafür müssen die Charaktere mit Situationen konfrontiert werden, die ihnen die Möglichkeit zu ungewöhnlichen Problemlösungen geben. Denn Rülpswitze und begriffsstutzige Rotschöpfe werden die Unterhaltsamkeit von Upper Middle Bogan auf Dauer nicht aufrechterhalten können.

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