Up Here: Kritik zur Hulu-Musicalserie mit Mae Whitman

© Hulu
In den letzten Jahren gab es aus den USA immer wieder tolle Musicalserien wie Zoey's Extraordinary Playlist, Schmigadoon! und natürlich - der absolute Redaktionsfavorit - Crazy Ex-Girlfriend. Kenner:innen hatten nun sicher auch den Neustart Up Here bei Hulu (und hierzulande irgendwann beim Streamingdienst Disney+) auf dem Zettel. Immerhin hat das zweifach oscarprämierte Ehepaar Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez („Die Eiskönigin“, „Coco“) dabei die Finger im Spiel. Autor Steven Levenson (Fosse/Verdon) und Produzentin Danielle Sanchez-Witzel (My Name is Earl) sind ebenfalls involviert.
Die Hauptrollen wurden mit dem charmanten Duo Mae Whitman (Good Girls) und Carlos Valdes (The Flash) besetzt. Ansonsten sind zudem Katie Finneran (Bloodline), John Hodgman (Bored to Death), Andréa Burns („West Side Story“), Rehanshi Mirza, Emilia Suárez und Youngster Sophia Hammons („Das Geheimnis der Mumie“) im Cast.
Die Auftaktstaffel der im Jahr 1999 in New York angesiedelten Romantikkomödie umfasst zunächst acht Ausgaben. Die Inszenierung der halbstündigen Pilotepisode übernahm der „Hamilton“-Regisseur Thomas Kail. Ist der Ersteindruck eher positiv, negativ oder vielleicht etwas dazwischen? Wir verraten es Euch in unserer Besprechung...
Worum geht's?
Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine junge Frau namens Lindsay (Whitman), die durch ein traumatisches Jugenderlebnis und die fragwürdige Puritanererziehung ihrer Eltern (Finneran und Hodgman) gelernt hat, ihre wahren Gefühle stets für sich zu behalten. So ist sie schließlich in einem Leben gelandet, das gar nicht zu ihr passt, weil sie nur die Wünsche anderer erfüllt hat. Vor allem ihr langweiliger Lebenspartner Ned (George Hampe) kann so seinen Traum leben - ein echtes Spießerdasein, in dem er und Lindsay alle Handschritte im Haushalt gleichzeitig tun.
Sie wachen (vermeintlich) jeden Tag zur selben Uhrzeit auf, putzen sich nebeneinander die Zähne, essen jeden Bissen ganz synchron und lächeln dabei immer freundlich. Die Hölle auf Erden, wie endlich auch Lindsay bewusst wird. Durch einen Literaturwettbewerb erinnert sie sich an ihren einstigen Kindheitstraum, Schriftstellerin zu werden und in der großen Stadt zu wohnen. Als Ned dieses Abenteuer abtut, trennt sie sich kurzerhand von ihm. Ihre inneren Stimmen, also die Eltern und eine alte Freundin/Feindin (Hammons), die ihre soziale Unsicherheit symbolisieren, können sie nicht aufhalten...
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Nach Lindsays Umzug nach New York, der ihre kompletten Rücklagen aufgebraucht hat, obwohl sie sich nur einen Kleiderschrank als Zimmer leisten kann, stehen zunächst ein paar Desillusionierungen an. Statt in einen Schreibrausch zu geraten, sitzt sie jeden Abend vor dem Fernseher. War am Ende gar nicht Ned das langweilige Element in ihrem Leben, sondern sie selbst? Ihre einschüchternd coole neue Mitbewohnerin (Mirza) zwingt sie dazu, aus der Komfortzone zu kommen. Und am ersten Abend, an dem sie gemeinsam ausgehen, lernt Lindsay einen gewissen Miguel (Valdes) kennen.
Zwar glaubt sie, dass er in Liebesdingen ein paar Ligen über ihr spielt, doch er scheint sie auch zu mögen. Musikalisch harmonieren dürfen wir die beiden allerdings noch nicht hören, denn das sparen sich die Serienmacher für einen späteren Zeitpunkt auf. Stattdessen widmen sich die ersten Songs des Komponistenpaares Lopez, dem man ja auch den „Frozen“-Hit „Let It Go“ verdankt, dem Thema Zweifel. Und bald sehen wir, dass auch der erfolgreiche und gutaussehende Investmentbanker Miguel nicht vor solchen Problemen gefeit ist.
Was im Auftakt ebenfalls noch nicht so richtig zur Geltung kommt, ist das spezielle Setting der Serie. New York kurz vor er Jahrtausendwende ist eine sagenumwobene Zeit, wie uns nicht zuletzt der Zeichentrickklassiker Futurama immer wieder eingebläut hat. Tatsächlich konnte man hier aber kurzzeitig vergessen, wo und wann das Ganze spielt, was wie eine Verschwendung von Potential erscheint. Es ließe sich auch argumentieren, dass in der ersten Folge zunächst Lindsay und Miguel vorgestellt werden müssen. Für den Rest ist dann noch Zeit...
Wie ist es?
Insgesamt hat Up Here bei Hulu aber doch eher einen enttäuschenden Einstand geboten. Weder bei der Musik von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez noch beim Skript, an dem auch Steven Levenson und Danielle Sanchez-Witzel beteiligt waren, will der Initialfunken überspringen. Die Hauptdarsteller Mae Whitman und Carlos Valdes bringen zwar ihre sympathische Ausstrahlung mit, doch ihre Romanze steht noch nicht auf festen Füßen.
Leider fehlt es dem Format auch an Humor, zumal die verklemmte Provinzlerin in der großen Stadt ein ziemlich überstrapaziertes Muster ist, das zum Beispiel Unbreakable Kimmy Schmidt oder Don't Trust the B---- in Apartment 23 deutlich besser hinbekommen haben. Dem Hulu-Neustart haftet leider etwas Trantütiges an. Aber vielleicht waren wir in den letzten Jahren auch ein wenig zu verwöhnt mit Musicalserien, die wirklich alles hatten. Allen voran natürlich Crazy Ex-Girlfriend, das uns so viele schöne Banger mit tollen Texten geboten hat. Unser erstes Urteil lautet daher: drei von fünf Zahnbürsten!
Hier abschließend noch der Trailer zur nun in den USA gestarteten neuen Serie Up Here: