Unwanted: Review der Pilotepisode der Sky-Serie

Unwanted: Review der Pilotepisode der Sky-Serie

In der Dramaserie „Unwanted“ wirft der Erfolgsregisseur Oliver Hirschbiegel einen schmerzhaft realistischen Blick auf die Seenotrettung. Gäste und Besatzung eines Luxusliners werden darin mit einer Handvoll Menschen konfrontiert, die das Mittelmeer Richtung Italien überqueren wollten.

Szenenbild aus der Sky-Serie „Unwanted“
Szenenbild aus der Sky-Serie „Unwanted“
© Sky

Die Dramaserie Unwanted trifft einen Nerv der Zeit, den die meisten im Alltag wohl gerne ignorieren. Doch weggehen tut er dadurch nicht. Die Menschen, die dem Elend und der Gefahr in ihren Heimatländern entfliehen wollen und sich auf den Weg nach Europa machen, sind nicht unsichtbar zu machen. Und sollen es auch nicht sein. Wie das aussieht, wenn die Welten aufeinanderprallen, das zeigt die neue Sky-Serie in einer besonders heiklen Situation: auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff.

Wovon handelt die Serie „Unwanted“?

Die Fronten sind von der ersten Minute an klar getrennt: Auf der einen Seite begleiten wir verängstigte Menschen bei Nacht und Nebel durch eine unwirtliche Gegend bis zum Meer. Auf der anderen Seite feiern wohlhabende Menschen auf einem Luxusliner in die glitzernde Nacht. Als diese beiden Welten sich vermischen, wird es grotesk und brutal...

In der Pilotepisode begleiten wir beide Gruppen bis zum Zusammenstoß. Der besteht aus dem Untergehen des Bootes der flüchtenden Menschen. Die meisten Passagiere des gewagten Unterfangens kommen ums Leben, 29 Menschen werden gerettet. Von den Booten, die der noch ganz neue Kapitän Arrigo (Marco Bocci) losgeschickt hat. Der hat auf seinem Schiff zwar die schickste Uniform an, doch den Respekt der Crew muss er sich erst erarbeiten. Besonders schwierig wird das bei seiner Staff-Kapitänin Edith (Jessica Schwarz), die selbst mit dem Kapitänsposten gerechnet hatte.

Doch all das tritt ein Stück weit in den Hintergrund, als die 29 Neuankömmlinge auf das Schiff gelangen. Sie werden auf einem eigenen Flur untergebracht, auf dem sie am besten bleiben sollten. Die reichen Passagiere sollen nämlich bestenfalls nichts von alldem mitbekommen... Doch die Rettung, die alle Gäste von der Reling und den Fenstern aus beobachten konnten, ist schon Thema Nummer eins auf dem Luxusliner Orizzonte.

Während manche der Geretteten sich still und heimlich in der ihnen zugeteilten Ecke auf die Ankunft in Italien freuen, findet der junge Elvis (Samuel Kalambayi) es spannender, das Schiff zu erkunden. Das geht natürlich nur geheim, denn die Neuen sollen bitte auf ihrem Flur bleiben und das Vergnügen der Urlauber nicht trüben...

Als er die Geretteten besucht, erfährt Kapitän Arrigo, dass sie erwarten, in Italien an Land zu gehen. Doch er weiß, dass die italienische Regierung von ihm verlangt, sie in Libyen rauszulassen. Ein außerplanmäßiger Halt in Tripolis ist einerseits gefährlich für das Schiff an sich. Andererseits können weder der Kapitän noch die Schiffsärztin ihre Augen vor den Folterwunden verschließen, die die Geretteten haben. Und dass ein Aussetzen in Libyen sie direkt wieder in die Hölle befördern würde, aus der sie kommen... Arrigo versucht, eine Lösung zu finden, doch die scheint es nicht zu geben...

Wie kommt es rüber?

Die Serie, hinter der erfolgreiche Regisseur Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“, „Das Experiment“) steht, basiert auf einem Buch des italienischen Autors Fabrizio Gatti. Der hatte Migranten auf Westafrika auf ihrer Reise Richtung Europa begleitet und aus den Erfahrungen im wahren Leben den Reisebericht „Bilal“ gemacht.

Die Sachbuchgrundlage merkt man der Serie an - im Guten wie im Schlechten. Einerseits liefert der Unterbau mehr als genug Futter, aus dem die Autoren des Drehbuchs eine Geschichte anlegen, die sich so realistisch anfühlt, dass es wehtut. Sie nutzen das emotionale Thema nicht zur billigen Effekthascherei. Stattdessen bemühen sie sich, die Serie aus allen Perspektiven fair und rund zu erzählen. Die Passagiere an Bord sind keine seelenlosen Gaffer, die nur ihren Kaviar ungestört verzehren wollen. Auch die Crew zeigt Gefühle. Aber man merkt allen, die in einer Funktion involviert sind, an, dass eine Entscheidung nach der eigenen Moral nicht so ohne Weiteres möglich ist...

Menschen aus der See zu retten ist ein Segen, der Glück bringt, sagt Edith dem Kapitän. Doch die nächtliche Rettungsaktion auszuführen, war noch der einfache Teil der Sache. Wie geht es von dort aus weiter? Soll die Crew die Geretteten ins sichere Verderben zurückschicken? Soll der Kapitän seine Karriere aufs Spiel setzen und sich den Anordnungen von oben widersetzen?

Die emotionale Aufgeladenheit zeigt sich auch unter den Passagieren, von denen wir zwei Paare an den Dinnertisch begleiten dürfen, die unterschiedlicher Meinung über das Schicksal der Flüchtenden sind. Es sind Unterhaltungen, wie man sie von Schweden bis Italien wohl überall in Europa gerade hören kann. Das Thema kann Freundschaften einen Riss verpassen, es kann unter Kollegen für Probleme sorgen.

Auf der anderen Seite schimmert immer wieder zu sehr das Reißbrett durch, auf dem Figuren und Story entworfen wurden. Die Flüchtenden, die Crew und auch die Passagiere sind dann wieder eher Stereotype, die jeweils eine Richtung vertreten, als wirklich vielschichtige Charaktere. Damit sind sie zwar sinnbildlich am richtigen Ort und dienen der Geschichte. Doch sie bleiben auch oberflächlich...

Dennoch brennt Unwanted viele starke Szenen in die Köpfe der Zuschauer. Allen voran gehört dabei in der Pilotepisode jede Interaktion mit Elvis. Er ist ein junger Mann unter den Flüchtenden. Seine Welt scheint ungewöhnlich offen zu sein. Die anderen sehen schnell ein: Sie müssen in ihrem Bereich bleiben oder heimlich entkommen. Elvis hingegen sieht den Crewmitgliedern in die Augen, die ihn zurückschicken wollen und fragt, wieso er sich nicht frei bewegen darf.

Ja... wieso eigentlich? Seine clevere Naivität führt auch dem Zuschauer vor Augen, dass das Gleichgewicht der Welt nicht vom Schicksal gegeben ist. Die Mächtigen haben bestimmt, wie es aussieht, und das sind die von der glitzernden Seite des Bootes.

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