Unseen 1x01

Unseen 1x01

Die belgische Mysteryserie Unseen bei ZDFneo versucht sich an einer Mischung aus Der Unsichtbare und modernen Verschwörungsmythen, schafft es dabei aber leider nicht, zu begeistern. Hier unser Review der ersten drei Episoden.

Ein Teil des Casts zur Serie Unseen (c) ZDF/About Premium Content
Ein Teil des Casts zur Serie Unseen (c) ZDF/About Premium Content
© in Teil des Casts zur Serie Unseen (c) ZDF/About Premium Content

Ein kurzer Überblick

Die Augenärztin und 5G-Gegnerin Laurence Deconde lebt mit ihrer Tochter Lily und ihrem Mann Victor in der belgischen Kleinstadt Creux. Als sie eines Tages bei ihrem Vater einen Routineeingriff vornehmen soll, geschieht das Unfassbare. Obwohl Laurence den Laser für die Operation sorgfältig vorbereitet und programmiert, macht sich das Gerät auf mysteriöse Weise selbständig. Geschockt stellt die Medizinerin fest, dass irgendjemand die Apparatur manipuliert haben muss. Doch wer?

Als sie ihren Vater einige Tage später nach Hause fährt, geschieht erneut etwas, das ihren Verstand übersteigt. Sie überfährt einen fremden Mann, den sie kurz darauf nackt am Wegesrand liegend auffindet. Wie konnte das geschehen, wenn die Straße doch eine Minute zuvor vollkommen leer war? Innerhalb weniger Tage häufen sich die unerklärlichen Phänomene. Als auch noch Lily spurlos verschwindet und sich die Hand von Laurence' Bekannten Ayoub vor seinen Augen aufzulösen scheint, geraten die Dinge allmählich außer Kontrolle.

Der Unsichtbare auf Belgisch

Mit fantastischen Stoffen lässt sich derzeit nicht nur in den USA einiges holen, das weiß man spätestens, seitdem die Produktions-Firma Wiedemann & Berg mit Dark auf Netflix riesige Erfolge feierte. 2019 kam The Last Wave aus Frankreich und war ab 26. Juni 2020 auf ZDFneo zu sehen. Im selben Jahr versuchte sich der deutsche Regisseur Rainer Matsutani auf SYFY mit Spides und 2021 platzierten die „Dark“-Macher schließlich Tribes of Europa erneut auf Netflix. Und Nachschub für Freunde des Übernatürlichen ist bereits auf dem Weg. Mit Unseen versucht sich Belgien an einer Serie über Unsichtbarkeit, die mit modernen Verschwörungsmythen gepaart beim Publikum Nagel-kauende Spannung erzeugen soll.

Gut gewollt ist nicht gleich gut gemacht

Die Betonung liegt hier allerdings eindeutig auf dem unscheinbaren Modalverb „soll“, denn im Großen und Ganzen bleibt es leider beim Versuch. Die unvermeidlichen Logiklöcher, die eine solche Kernthematik mit sich bringt, sind bereits bekannt, seit der legendäre James Whale („Frankenstein“, 1931) 1933 den Universal-Klassiker „Der Unsichtbare“ verfilmt hat.

Der Unterschied zwischen diesem Werk und der hier besprochenen Serie ist allerdings, dass Ersteres mit einem spannenden Plot, einer düsteren Atmosphäre und (seinerzeit) brillanten Schauspielern punktete. Zumindest innerhalb der drei Startepisoden, die der Verfasser dieser Rezension gesichtet hat, lässt sich keines der genannten Attribute auf die belgische Variante übertragen. Obwohl die Prämisse des Achtteilers bereits in den ersten Minuten zum Tragen kommt, gelingt es der Pilotfolge (Der letzte Tag des Exils) leider nicht, Spannung zu erzeugen. Das liegt zum einen daran, dass die angewandten Techniken (flackernde Krankenhausgänge, geräuschvolles Atmen, Gegenstände, die ohne ersichtlichen Grund umfallen, Geräte, die sich auf geheimnisvolle Weise selbständig machen etc.) altbekannt, um nicht zu sagen, altbacken daherkommen.

Anderseits plätschert die Geschichte zwei geschlagene Folgen lang vor sich hin, ohne dass wirklich etwas geschieht. Sicherlich sät Autorin Marie Enthoven hier und da ein Spannungskörnchen aus. Da versorgt die unsichtbare Angele den erblindeten Nathan, Laurence überfährt einen der Dursichtigen oder findet nach dem Verschwinden ihrer Tochter heraus, dass reihenweise Menschen auf mysteriöse Weise nicht mehr auffindbar sind. Die Ernte fällt aber leider zu bescheiden aus, um bei der Stange zu halten.

Hinzu kommt, dass Regisseur Geoffrey Enthoven die Sache viel zu ruhig angeht und kaum einmal etwas wagt. Die ersten 90 Minuten der Staffel fühlen sich, ganz im Gegensatz zu einer Produktion wie „Dark“, leider fast schon einschläfernd gemächlich an. Dass es so gut wie keine Actioneinlagen gibt, wäre leicht verkraftbar, wenn die Stimmung und die Spannung ansonsten stimmen würden. Dem ist jedoch nicht so. Die Tatsache, dass die Kamera das Publikum immer wieder quasi mit dem Holzhammer auf die latente Gefahr eines riesigen Sendemastes aufmerksam macht, macht es da nicht viel besser.

Erst mit Folge drei gewinnt die Geschichte an Fahrt, wenn einer der wenigen Sympathieträger, Ayoub (sehenswert: Roda Fawaz, „Unit 42“), plötzlich ungläubig auf seine durchscheinenden Finger starrt. Beinahe gleichzeitig findet Laurence heraus, wen sie in Teil eins überfahren hat und was dem nackten Mann am Wegesrand widerfahren ist. Obwohl die entsprechenden Fragen seit dem Beginn der Serie im Raum schweben, wird erst jetzt auch wirklich spürbar, dass über Creux eine im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbare Gefahr schwebt, dessen Ursache es zu ergründen gilt.

Null Sympathie

Ein weiteres, beinahe noch größeres Manko sind indes die Protagonisten und ihre Darsteller. Weder der aus „Unit 42“ bekannten Myriem Akheddiou als Laurence, noch Luc van der Grunderbeek („The Break“) oder Fabio Zenoni („Wasabi“) als gebeutelten Großvater Nathan gelingt es wirklich, Sympathiepunkte beim Publikum zu sammeln.

Ähnliches trifft auf Jaqueline Bollens als Bösewichtin Angele zu. Weder ist man der gestörten Mutter wohlgesonnen, noch verabscheut man sie und ihre Taten. Bestenfalls steht man der Figur gleichgültig gegenüber. Lediglich Laurence' fünfzehnjährige Tochter Lily (gespielt vom Jungtalent Elisa Echevarria) sorgt dafür, dass Angeles fast wahnhaftes Vorgehen die richtigen Synapsen zum Glühen bringt.

Auch der oben bereits erwähnte Ayoub ist für einige emotionale Höhepunkte gut. Die angespannte Lebenssituation mit seiner Frau, die Sorge, sein Kind nie wieder umarmen zu können, als er sich vor den Augen seines Arztes auflöst, all das ist überzeugend und gefühlvoll vorgetragen.

Fazit

Schade drum. Wie die Neuverfilmung von „Der Unsichtbare“ von 2020 beweist, lässt sich aus der alten Idee großes Kapital schlagen, wenn der Plot und die Inszenierung stimmen. Zumindest auf die gesichteten Episoden trifft beides nicht zu. Unseen bietet zu wenig Spannung und zu viel Familiendrama, um mitzureißen.

Der Spannungsbogen bleibt über 90 Minuten gleichbleibend flach und steigt zu spät an. Die schauspielerischen Leistungen schwanken zwischen unauffällig und okay, erreichen aber niemals ein wirklich hohes Niveau. Last but not least greift die Produktion hierbei auf visuelle Effekte zurück, die bisweilen schon 1933 besser gingen, dem Jahr, in dem einige von ihnen erfunden wurden. Es mag durchaus möglich sein, dass die Episoden vier bis acht das Ruder herumreißen.

Der Rezensent hofft es sogar von ganzem Herzen und bleibt trotz des schwachen Beginns am Ball. Doch es dürfte dem ein oder anderen Zuschauer schwerfallen, bis dahin durchzuhalten. Zündet eine neue Serie nicht bereits mit der Debüt-Episode, wartet man vielleicht noch die zweite ab. Spätestens, wenn diese auch nicht greift, wendet sich der geneigte Serienfan aber in aller Regel neuen, unbekannten Mystery-Gestaden zu. Denn davon gibt es bei den diversen VoD-Anbietern reichlich.

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Der Unsichtbare (Blu-ray)

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 25. Februar 2022
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Unseen 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der letzte Tag des Exils
Titel der Episode im Original
La cécité
Erstausstrahlung der Episode in Belgien
Sonntag, 22. November 2020 (ZDFneo)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 25. Februar 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Samstag, 26. Februar 2022
Autor
Marie Enthoven
Regisseur
Geoffrey Enthoven

Schauspieler in der Episode Unseen 1x01

Darsteller
Rolle
Elisa Echevarria
Roda Fawaz
Raphaël Lamaassab
Samuël Malerbe
Fabio Zenoni

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