Und eines Tages war alles anders: Die verschlafene Kleinstadt Chester's Mill findet sich unter einer durchsichtigen Kuppel wieder, abgeschnitten von der Außenwelt. Die Serie Under the Dome, die auf einer Romanvorlage von Stephen King basiert, startet vielversprechend.

Plötzlich ist da eine durchsichtige Wand auf der Straße: Erstaunte Gesichter in der Serie „Under the Dome“ / (c) CBS
Plötzlich ist da eine durchsichtige Wand auf der Straße: Erstaunte Gesichter in der Serie „Under the Dome“ / (c) CBS

Die Serie Under the Dome ist von CBS auf 13 Episoden angelegt. Und nachdem man die Pilotepisode gesehen hat, kann man das durchaus begrüßen. Nicht etwa weil die Serie, die auf einem Roman von Stephen King basiert, schlecht wäre, sondern weil sowohl das Geheimnis als auch die Figuren so angelegt sind, dass sie einen überschaubaren Rahmen durchaus spannend füllen können. Ob es für mehr reicht, muss sich jedoch noch zeigen.

Wer gehört dazu?

Schon der Beginn der Pilotepisode ist durchaus verstörend. Nachdem wir die King-typische Szene eines Vogels, der im dunklen Wald aus seinem Ei schlüpft hinter uns haben, begegnen wir als erstes Dale Barbara, genannt Barbie (Mike Vogel, Bates Motel, Pan Am), einem sympathisch-attraktiven Mann, der jedoch seltsamerweise ohne große Eile oder Beunruhigung eine Leiche im nächtlichen Wald vergräbt. Wer schon den ein oder anderen Blick in ein Stephen-King-Buch geworfen hat, der weiß nun bereits: Hier ist der mysteriöse Einzelgänger am Werk, der ganz sicher ein Geheimnis hat, aber am Ende vermutlich einer der Guten ist.

Chester's Mill ist eine typisch amerikanische Kleinstadt in einem Mystery-Buch, bevölkert von den üblichen Verdächtigen. Doch das ist im Fall von Under the Dome gar nicht unbedingt negativ zu werten. Die Figuren in einer Serie mit einem großen Geheimnis, einer zentralen Frage, haben die Aufgabe, dieses Geheimnis spannend zu halten und letztendlich zur Lösung beizutragen. Diese Herausforderung meistern die Bewohner von Chester's Mill in der Pilotepisode mit Bravour und geben nebenbei sogar mehr oder weniger überraschende eigene Plots her.

Neben dem mysteriösen Außenseiter lernen wir die Chefredakteurin der lokalen Zeitung, Julia Shumway (Rachelle Lefevre, Off the Map, „Twilight“), kennen. Beide verbindet die Tatsache, dass sie relativ neu in der Kleinstadt sind und so raufen sie sich zusammen um fortan in Julias Haus unterzukommen, wo zumindest einer der beiden auf die Rückkehr ihres Ehemannes wartet. Denn eine große Überraschung hat diese Storyline bereits: Die von Barbie vergrabene Leiche ist Julias Ehemann.

Ein weiteres Duo, das im Zentrum der Erzählung steht, besteht aus Sheriff Duke Perkins (Jeff Fahey, Lost) und sein weiblicher Deputy Linda Esquivel (Natalie Martinez, CSI: New York, Detroit 1-8-7). Beide setzen sich als die guten Amtsträger gegen den undurchsichtigen und machthungrigen Stadtrat James Renny, genannt Big Jim (Dean Norris, Breaking Bad) ab, der nebenher als erfolgreicher Gebrauchtwagenhändler aktiv ist.

Podcast zur Pilotepisode der Serie Under the Dome

Linda (Natalie Martinez) und ihr Verlobter (Josh Carter) finden sich auf verschiedenen Seiten der Kuppel wieder © CBS
Linda (Natalie Martinez) und ihr Verlobter (Josh Carter) finden sich auf verschiedenen Seiten der Kuppel wieder © CBS

In der jüngeren Generation stehen bisher die Kellnerin Angie McAlister (Britt Robertson, The Secret Circle, Life Unexpected), ihr Freund Junior Rennie (Alexander Koch) und ihr Bruder Joe McAlister (Colin Ford, Supernatural) im Mittelpunkt.

Der hübsche Junior, Sohn des Stadtrats Big Jim, stellt sich als krankhaft eifersüchtiger Psychopath heraus, der seine Freundin gefangen hält, während deren Eltern außerhalb der Kuppel und damit unerreichbar sind. Unterdessen scheint ihr Bruder Joe eine besondere Beziehung zu der Kuppel zu haben, er erleidet einen seltsamen Anfall. Denselben Zusammenbruch sehen wir auch bei der Jugendlichen Norrie Calvert-Hill (Mackenzie Lintz), die mit ihren Eltern, dem gleichgeschlechtlichen Paar Alice Calvert (Samantha Mathis, „American Psycho“) und Carolyn Hill (Aisha Hinds, Cult, Detroit 1-8-7, True Blood) eigentlich nur auf der Durchreise war und nun mitgefangen ist. Am Rande lernen wir den Radio -DJ Phil Bushey (Nicholas Strong, Nashville) und seine Technikerin Dodee Weaver (Jolene Purdy, Gigantic) kennen.

Zur Abrundung des Kleinstadtmilieus finden wir uns bereits in der Pilotepisode häufig in dem Diner Sweetbriar Rose wieder, die inoffizielle Versammlungsstätte für alle Bewohner von Chester's Mill.

Was passiert?

Wenig überraschend: Die Kuppel kommt aus dem Nichts, wir entdecken sie an der Seite von Barbie und einer in der Länge durchgeschnittenen Kuh, die der durchsichtigen Mauer bei ihrem Erscheinen zufällig im Weg stand. Die ersten Ereignisse sind eine Reihe von Autounfällen, gar ein Flugzeugunfall. Die Folgen, die das plötzliche Auftauchen der Kuppel hat, sind interessant und spannend. Es geht dem Zuschauer fast ein bisschen wie den Figuren: Es passiert so viel gleichzeitig, dass man den Überblick verlieren kann. Wer hat überlebt, wer ist auf welcher Seite der Kuppel? Was ist zum Beispiel mit dem Vater der McAlister-Kinder? War er in dem LKW, der vor Augen der Calvert-Hill-Familie gegen die Mauer fuhr?

Kommunizieren durch die Kuppel geht nur schriftlich; wie Barbie (Mike Vogel) feststellt © CBS
Kommunizieren durch die Kuppel geht nur schriftlich; wie Barbie (Mike Vogel) feststellt © CBS

Und dann kommen auch noch die - auf den ersten Blick - nicht mit der Kuppel verbundenen Storylines dazu. Chester's Mill stellt sich ziemlich schnell als ein Ort heraus, in dem es auch ohne die Kuppel nicht langweilig geworden wäre. Dass der Stadtrat heimlich große Mengen an Gas hortet und Barbie den toten Mann der Chefredakteurin vergräbt, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Fazit

Die Pilotepisode der Serie Under the Dome ist also ganz schön vollgepackt, doch das ist kein Problem, da die einzelnen Figuren und Geschichten nicht von der Art sind, dass sie den Zuschauer schnell überfordern könnten. Trotz einer ganzen Menge an Klischees erwacht die Kleinstadt Chester's Mill samt seiner Bewohner zum Leben. Das ist unter anderem dem starken Cast zu verdanken. Es sind nicht gerade vielschichtige Figuren, aber jede versteckt ein oder zwei Geheimnisse. Das reicht wohl locker für eine Staffel von 13 Episoden, an deren Ende die Auflösung um die mysteriöse Kuppel steht. Die Pilotepisode zumindest hat einen starken Start hingelegt.

Während noch völlig unklar ist, wer oder was für die Kuppel verantwortlich ist, zeigt sich, dass die Gefahr auch von innen kommt. Ob der psychopathische Junior, die geheimen Machenschaften des Stadtrats oder der mysteriöse Barbie: Die Spannung ist da und die durchsichtige Kuppel legt sich wie ein Brennglas über die Vorgänge in der Kleinstadt.

Diese Serie passen auch zu «Under the Dome»