Under the Bridge: Kritik zum True-Crime-Serienstart

Under the Bridge: Kritik zum True-Crime-Serienstart

„Daisy-Jones“-Star Riley Keough und die kürzlich oscarnominierte Lily Gladstone tragen den stimmungsvollen Hulu-Krimi „Under the Bridge“. Es geht darin um die finstersten Facetten, die selbst die unscheinbarsten Menschen vorweisen können. In Deutschland läuft sie bei Disney+.

Riley Keoug und Lily Gladstone in „Under the Bridge“
Riley Keoug und Lily Gladstone in „Under the Bridge“
© Hulu und Disney+

Beim US-Streamer Hulu ging bereits am 17. April die achtteilige Miniserie Under the Bridge an den Start, die seit dem 10. Juli bei Disney+ gestreamt werden kann. Schon mit den beiden Hauptdarstellerinnen, der Elvis-Enkelin Riley Keough (Daisy Jones & The Six, The Girlfriend Experience) und der leider leer ausgegangenen diesjährigen Oscarfavoritin Lily Gladstone („Killers of the Flower Moon“, Reservation Dogs), macht das True-Crime-Format einiges her. Wobei auch hinter den Kulissen sehr kompetente Leute am Werk sein müssen, wie der solide Auftakt mit den Episode eins und zwei beweist.

Under the Bridge“ basiert auf dem vor fast 20 Jahren veröffentlichten, gleichnamigen Buch der kanadischen Autorin Rebecca Godfrey, die in der Serie von Keough verkörpert wird. Für die Adaption hat Quinn Shephard („Not Okay“) verantwortlich gezeichnet, die den wenig reißerischen Ton der Vorlage einfängt. Die düstere Inszenierung beim Pilot (namens Looking Glass) übernahm Geeta Vasant Patel (House of the Dragon). Als Produzent:innen sind ansonsten auch Samir Mehta (Fear the Walking Dead) und Liz Tigelaar (Little Fires Everywhere) mit von der Partie.

Als erster Bezugspunkt fällt einem bei dem neuen Hulu-Original übrigens die großartige HBO-Miniserie Sharp Objects von 2018 ein. Allerdings können wir die spannenden Parallelen nicht näher erläutern, ohne große Spoiler zu enthüllen. Zumindest aber auch in der Grundprämisse ähneln sich die Werke: Eine Journalistin kehrt widerwillig in ihre alte Heimatstadt zurück und untersucht mithilfe eines örtlichen Cops (hier gespielt von Gladstone) ein furchtbares Verbrechen...

„Under the Bridge“ startet dicht und düster

Dass „Under the Bridge“ eher zu den besser geschriebenen Serien gehört, die man heutzutage so zu sehen kriegt, wird bereits beim ersten Voiceover-Zitat der Protagonistin deutlich: „Auf den ersten Blick ist diese Geschichte das Gegenteil eines Märchens. Aber das gilt nur, bis man sich vor Augen führt, worum es in Märchen wirklich geht. Mädchen werden für ihre Selbstsucht bestraft oder völlig grundlos. (...) Im Märchen lauert überall Gefahr. Hüte dich vor dem Troll unter der Brücke.

Ein etwas pathetischer Satz, der perfekt den Rahmen setzt für diesen Krimi - und zudem eine doppeldeutige Erklärung für den Serientitel schafft. Auch wird dadurch schon klar, dass bei „Under the Bridge“ - wieder ähnlich wie bei „Sharp Objects“ - vor allem weibliche Figuren im Zentrum stehen. Seien es die zwei Heldinnen (Keough und Gladstone), das reale Mordopfer Reena Virk (dargestellt durch Vritika Gupta) oder die unglaublichen Hauptverdächtigen dieses Falles.

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Riley Keough in „Under the Bridge“
Riley Keough in „Under the Bridge“ - © Hulu

Die Serie macht gar kein Geheimnis darum, dass wir es mit minderjährigen Mörder:innen zu tun kriegen. Im Zentrum steht die böse Bienenkönigin Josephine Bell (Chloe Guidry), die tatsächlich davon träumt, ihr Kleinstadtnest zu verlassen, um in New York City für den gefürchteten Mafiaboss John Gotti zu arbeiten. Übrigens spielt die Geschichte in den späten 1990er Jahren (als dieser Gotti eben noch am Leben war). Davon abgesehen spürt man das Vergangenheitssetting vor allem durch die andere Form von Mobbing, die an der Schule herrscht. Es geht noch nicht um Social Media, sondern um Telefonstreiche und Kassetten-Diebstahl.

Under the Bridge“ handelt aber auch von Alltagsrassismus, den vor allem die Familie der zunächst nur verschollenen Reena erlebt. Ihre Eltern, die interessanterweise ganz unterschiedlich mit der Tragödie umgehen, stammen ursprünglich aus Indien. Und sind dann aber im kanadischen British Columbia zu Zeugen Jehovas konvertiert. Der Vater Manjit wird gespielt von Ezra Faroque Khan („Doctor Strange“), während Archie Panjabi (The Good Wife) die Mutter Suman mimt. Anoop Desai (What We Do in the Shadows) ist zudem als Onkel Raj zu sehen.

Die sonst eher abweisende Ermittlerin Cam Bentland (Gladstone) setzt sich für Familie Virk besonders ein, weil sie vielleicht versteht, wie es ist, nicht ernst genommen zu werden. Keoughs fiktionalisierte Version von Godfrey nimmt derweil Josephine unter die Fittiche. Sie wittert bei der jungen Soziopathin eine gute Story und verstellt sich dafür in einer Art Schwesternrolle. Mit diesem heiklen Ansatz dürfte sie beim Cop Cam bald anecken, zumal die beiden eine Vorgeschichte miteinander zu haben scheinen...

Gute Grundvoraussetzungen für „Under the Bridge“

Insgesamt hat uns der Serienstart von „Under the Bridge“ ziemlich gut gefallen. Zum einen sind da natürlich die starken Schauspielleistungen von Riley Keough, Lily Gladstone und anderen. Aber auch das Skript wirkt wirklich gut geschrieben, genauso wie die Regie Lust macht, richtig tief einzutauchen in diesen Krimi. Die Serienmacherin Quinn Shephard hat es außerdem geschafft, dem True-Crime-Format keinen Beigeschmack der Sensationalisierung mitzugeben. Vielmehr wirkt die Betrachtung psychologisch fasziniert von dem zentralen Verbrechen, statt dieses nur für den Gruselfaktor auszuschlachten.

Für die ersten zwei Episoden von „Under the Bridge“ gibt es vier von fünf Brückenpfeiler von uns!

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