Uncle 1x01

Zu Beginn der neuen britischen Comedyserie Uncle sehen wir einen deprimierten, ungepflegten, verwahrlosten Typen, der einen Brief an seine Verflossene verfasst und offensichtlich kurz davor steht, sich das Leben zu nehmen. Das voice-over teilt uns Zuschauern mit, was der Gebeutelte schreibt: „I miss you, Gwen. I can't go on without you, and that's why I've decided to kill myself. Love, Andy.“
You'll find someone else
So heißt also der Trauersack (Nick Helm), der sich eine Badewannenkonstruktion erdacht hat, um sich mittels Elektroschock ins Jenseits zu befördern. In letzter Sekunde ruft jedoch seine Schwester Sam (Daisy Haggard) an und bittet ihn, ihren Sohn aus der Schule abzuholen und zum Fußballtraining zu fahren. Andy wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Da sich Sam jedoch gerade in einem Sorgerechtsstreit mit dem Vater des Kindes befindet, willigt er ein.
Die Stimmung wechselt schlagartig - zu den Klängen des Rockklassikers „Don't Fear the Reaper“ der Band Blue Oyster Cult macht sich Andy auf den Weg zur Schule. Die Unterlegung einer Anfangsszene mit einem mitreißenden Song ist ein einfaches, jedoch sehr wirkungsvolles Mittel. Da fragt man sich direkt, wieso nicht noch mehr Serien - vor allem im Comedybereich - auf diesen Kniff zurückgreifen.
In den folgenden knapp 30 Minuten gelingt es Uncle auch, diesen anfänglichen Schwung mitzunehmen. Es entfaltet sich ein regelrechtes Feuerwerk aus witzigen Sprüchen, politisch unkorrekten Dialogen und tiefschwarzem Humor. Dabei vergessen die Autoren nicht, ihren Figuren ausreichend Charakterzeichnung zu verpassen. Diese wird geschickt in die Erzählung eingebettet, so dass das Offensichtliche nie ausgesprochen werden muss, sondern durch die Handlungen der Protagonisten klar wird.
Andy holt also seinen Neffen Errol (Elliot Speller-Gillot) aus der Schule ab, wobei er unbeholfen versucht, mit dessen Lehrerin zu flirten: „Melodine? That's got a nice ring to it.“ Der Kleine ist gebeutelt von diversen Zwangsstörungen und Allergien, was Andy selbstverständlich nicht davon abhält, ihn bei jeder gegebenen Möglichkeit zu piesacken.
You've just ruined my last chance of happiness
Er teilt ihm Lebensweisheiten in Sachen Liebe mit („You know what you end up then? Just a steaming pile of hyena shit. That's love.“), will dem Kleinen Alkohol andrehen („As your uncle, I command you.“), zeigt ihm Pornohefte („Here you go, fresh up on your anatomy. Happy birthday, mate.“) und lacht ihn beim Fußballtraining aus, bevor er sich mit einem anderen Elternteil zum Kiffen in sein Auto zurückzieht: „Do you know what we are? We're the cool dads.“
Errol ist seinerseits nicht aus dem feinsten Holz geschnitzt. Zuerst verweigert er die Kontaktaufnahme („You don't have to do this. Make smalltalk. We could just not talk.“), dann nutzt er seine Cleverness, um Andy in diverse missliche Situationen zu bringen - und ihn anschließend aus ebensolchen wieder zu befreien. Schnell finden die beiden zusammen, auch wenn sie dies niemals offen zugeben würden. Es ist wahrlich die Definition eines odd couple, das hier sehr langsam Zuneigung zueinander entwickelt. Der emotionale pay off für den Zuschauer ist dabei enorm.
Bei einem Abstecher in den Stripclub lernen wir weitere verschroben-charmante Charaktere kennen. Dort arbeitet Andys Ex Gwen (Sydney White) als Managerin, ihrem transsexuell (oder metrosexuell) angehauchten Vater (Con O'Neill) gehört der Schuppen. Vergeblich versucht Andy, mit Errols Hilfe seine Verflossene wiederzubekommen. Außer einem schnellen Quickie kommt dabei jedoch nicht viel heraus. Der Zuschauer hingegen wird mit einer schrägen Musicalnummer und der weiteren Annäherung des ungleichen Paares belohnt. Spätestens da dürften auch die letzten Skeptiker überzeugt sein: Uncle ist eine warme, liebevolle, emotionale und furchtbar witzige neue Comedyserie.
Verfasser: Axel Schmitt am Samstag, 18. Januar 2014Uncle 1x01 Trailer
(Uncle 1x01)
Schauspieler in der Episode Uncle 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?